Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 48 (1884)
- Issue
- Heft 25 (17.6.1884)
- Date
- 1884-06-17
- Page
- Seite 391 (sequence 3)
- Language
- German
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391 zehn Schleifen und Haken an den Teppichen, fünf ist die Breite und die Länge des Altars im Hofe; fünf Schekel lösen die Erstgeburt. Die Sieben und Zwölf hingegen sind unselbständig und ziehen ihre Bedeutung aus ihrer Zusammensetzung: die Sieben als Drei und Vier, die Zwölf aus vier Mal drei. Die Sieben bezeichnet deshalb den Prozeß, wie aus der Vermittelung die Harmonie entspringt, und die Zwölf das Objekt dieses Prozesses. Dieser Prozeß ist mit anderen Worten die Loslösung des menschlichen Geistes vom materiellen Leben vermittelst der Religion, die Heiligung. Nicht auf der Vermittelungsstätte selbst, also im Heiligthume, geht dieser Prozeß vor sich, sondern im menschlichen Geiste und in der menschlichen Gesellschaft. Wir finden daher die Sieben am Heiligthume selbst nicht, wohl aber als Fundamentalzahl in allen, die Heiligung betreffenden Vorschriften und Institutionen: zuerst am Sabbath, dem ganz besonders die Idee jener Loslösung des Geistes vom materiellen Leben einwohnt; hieran schließt sich die Sieben in dem Erlaßjahr und ebenso im Jobeljahre; so sind der hohen Festtage im Jahre sieben, die Dauer des Peßachs und des Sukkoth sieben, Schabuoth sieben Mal sieben Tage nach dem ersten Peßachtage, Rosch Haschanah am ersten Tage des siebenten Monats, welcher der besondere Festmonat ist. Eine Ausnahme bildet allein der Bersöhnungstag am zehnten Tage des siebenten Monats, worüber noch später: alle Sühnungen, Reinigungen, Einweihungen und viele Opferungen bieten uns die Zahl sieben. Im Heiligthume selbst erscheint die sieben nur an einem Geräthc, dem Leuchter, welcher das Moment der Er kenntniß, also der Loslösung des Geistes durch die Offenbarung trägt. Wir sagten, daß die Zwölf das Objekt der Heiligung, der aus der Vermittelung entspringenden Harmonie sei und dieses Objekt ist eben nichts als das Volk Israel. In ihm werden die zwölf Stämme sestgehalten, selbst als ein Stamm, Joseph, in zwei, Menaffc und Ephraim, zerfiel, weshalb ein anderer Stamm, Levi, ausgcsondcrt und nicht mitgezühlt wurde. Ta, wo im Heiligthume die gött liche Führung des Volkes Israel dargcstcllt werden soll, tritt auch die Zwölf hervor, nämlich an den Schaubroden. Darum umlagert Israel das Heiligthum in vier Mal drei: Levi lagert in drei Geschlechtern, die Priester als viertes, Israel in vier Lagern, jedes Lager drei Stämme sassend. Nach dieser Auseinandersetzung kommen wir zur Beantwortung der Frage, von welcher wir ausgegangen. Doch bietet sich hier zuvor ein Analogon dar. Ter Versöhnungstag sollte am 10. Tage des siebenten Monats gefeiert werden, eine Ausnahme hinsichtlich der Zeitbestimmung. Nach unsren Deutungen der betr. Zahlen ist die Erklärung unschwer. Durch die Sieben ist der Tag in der Reihe derer, welche für die Heiligung bestimmt sind, festgehalten; durch die Zehn aber als Vollendung, als höchste Stufe der Heiligung bezeichnet, diese höchste Stufe, die in der Versöhnung mit Gott, in der Vergebung und Tilgung unserer Schuldhaftigkeit besteht. Hiermit stimmt das Schristwort überein, welches ihn als „Sabbath der Sabbathe" kennzeichnet. Dieselbe Bedeutung, aber eben nur in sekundärer Weise, weil nur durch die Zahl der Opferthicre, wird dem Sukkothfeste durch die an ihm darzubringenden 70 Stiere beigelegt. Hat dasselbe einen ganz anderen Begriff und Zweck als Erndtedankfest, als Erinnerung an die Züge durch die Wüste und die Hinweisung, das; Israel sein Land nur der göttlichen Fügung zu verdanken habe, als Freudenfest, zu welchem sich alle Bewohner des Landes beim Heiligthume versammeln sollen: so wird ihm durch die Zahl der 70 Opferstiere die Bedeutung der Vollendung (zehn) der durch die Feste bezweckten Heiligung (sieben), also eben als letztes Fest des Jahres, hinzugefügt. Was nun die Bertheilung dieser Opferzahl auf die sieben Festtage betrifft, so erscheint sie sehr eigenthümlich. Wenn aber der letzte Tag mit sieben Stieren zu bedenken war, weil eben hierdurch die dadurch zu erwirkende Heiligung hervorgehoben wurde, hingegen der erste Tag als eigentlicher Festtag durch die größere Zahl der Opfer bezeichnet werden mußte, so konnte die Zahl 70 nicht anders erreicht werden, als absteigend von 13 zu 7. Und hier macht es sich bemerkbar, daß die Opfer des ersten und siebenten Tages zusammen 20 betragen, und ebenso die des zweiten mit dem sechsten (12 -f- 8), des dritten mit dem fünften (LI —{— 9), so daß der vierte, also der mittlere mit der Zehn verbleibt. Durch alle diese Zahlen klingt also die Verbindung von zehn und sieben. Wenn wir auf diese Symbolik einen besonderen Werth legen und deren Anerkennung zu bewirken streben, so geschieht dies aus zwei Gründen. Zuerst, weil dadurch die einen so großen Raum einnehmenden und mit so vielem Nachdruck gegebenen Vorschriften über das Hciligthum und Alles, was sich auf dieses bezieht, aus der bloßen Willkürlichkeit und Bedeutungslosigkeit herausgehoben und erwiesen wird, welche Fülle von religiösen und sittlichen Gedanken auf symbolische Weise ihnen einwohnt. Kann doch das Heiligthum der Wüste nicht auf die Absicht monumentaler Größe zurückgeführt werden, die bei einem transportablen Bau auf den Zügen durch die Wüste unmöglich war, und ebenso wenig aus die Absicht von Schönheit und Pracht, da gerade Alles, was an und in ihm Prächtiges vorhanden war, den Blicken des Volkes entzogen blieb und nur von den Priestern, resp. dem hohen Priester geschaut wurde. Also nur der Ausdruck religiöser und sittlicher Vorstellungen bleibt uns übrig, und dieser wird uns erst durch die symbolische Deutung erkennbar. Unser anderer Grund besteht darin, daß das Heiligthum und der ganze mosaische Cultus mit seiner Fülle symbolischer Vorstellungen nur einer älteren Epoche zugeschrieben werden kann und hierin ein beredtes Zeuguiß für sein Alter in sich trägt, 2 b*