Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 48 (1884)
- Issue
- Heft 25 (17.6.1884)
- Date
- 1884-06-17
- Page
- Seite 390 (sequence 2)
- Language
- German
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Hier kann nur die Antwort auf eine symbolische Bedeutung lauten, weil wir sonst nur noch eine durchaus willkürliche und unmotivirte Vorschrift vor uns hätten. Wir müssen sagen, daß diese Zahlen der Opfer eine symbolische Bedeutung haben mußten, welche den damaligen Geschlechtern durch! sich selbst verständlich war, weil sie sonst — wie dies z. B.! bei dem Gebote der Zizith der Fall ist — der Vorschrift hinzugefügt werden mußte. Dies fühlten auch schon unsre Weisen und sie gaben dieser Zahl 70 der Stiere die Bedeutung, daß sie für das Heil und die Wohlfahrt der auf der Erde vorhandenen 70 Nationen dargebracht werden sollten. Diese Erklärung ist ein schönes Zeugniß für die humane Gesinnung unsrer Weisen und hat wohl kein ähnliches Beispiel in irgend einem anderen Cultns. Aber da die Voraussetzung der Existenz von 70 Nationen ganz willkürlich war und nur von den 70 Personen, die mit Jakob nach Aegypten zogen und den 70 Aeltesten des Bolkes (4. Mos. 11, 10) hergcleitet wurde, so ist auch diese Deutung nur eine hypothetische, die auch im Schriftwort keinerlei Anknüpfungspunkt hat. Wir müssen uns daher nach der symbolischen Bedeutung der Zahlen im mosaischen Cultus umsehen. Am Heiligthume kommen die Zahlen vor: 3. 4. 5. 7. 10. 12.Z Bon diesen erscheinen an der Wohnung selbst die 3. 4. und 10. Tie Drei entsteht, wenn zwischen zwei Gegensätze ein Drittes als Vermittelung tritt, sie ist die Zahl der Vermittelung. Darum finden wir sie in den drei Räumen des Heiligthums und deren drei Vorhängen, in den drei Geräthen (Tisch, Leuchter, Räucheraltar) des Raumes, der speciell der der Vermittelung ist „des Heiligen", während das Allerheiligste nur die strenge Eins des Göttlichen (die Lade), der Hof die Zwei des Menschlichen (Altar, Becken) enthält. Als solche bewährt sie sich auch im dreimaligen Erscheinen Israels vor Gott des Jahres über, um hierdurch die Verbindung zwischen Gott und Israel immer wieder zu vermitteln. Wenn die Drei die Vermittelung zweier Gegensätze ist, so bezeichnet die aus der Drei hervorgehende Vier die aus der Vermittelung hervorgehende Harmonie, in welcher alles Gegensätzliche aufgehoben und verschwunden ist: die Vier ist die Zahl der Harmonie, wie diese sich am Räumlichen realisirt. Darum ist die Vier allen Räumen des Heiligthums gegeben; das Allerheiligste ist ein vollkommener Kubus (10 Ellen lang, breit, hoch) mit vier Säulen vom Heiligen getrennt; viereckig ist auch das Heilige und der Hof, die Lade, der Tisch, die beiden Altäre, vier Decken liegen auf der Wohnung, vier sind deren Farben, vier Ellen breit ihre Stücke; das Räucherwerk und das Salböl bestehen aus vier Ingredienzen, aus vier Stücken die Kleidung des Priesters, 1) 20 ist die verdoppelte, 30 die dreimal Zehn, 28 die viermal Sieben, 48 die viermal Zwölf, 50 die fünfmal, ioö die zehnmal Zehn. aus zweimal vier die des Hohenpriesters, die am Versöhnungstage wieder zu einmal vier wird; die Zizith sollen an den vier Ecken des Kleides getragen werden; die Richtung des Heiligthums war nach den vier Weltgegenden; der Hebräer stellte sich die Erde und die Welt viereckig vor (vgl. Jesaj. 11 12, Ezechiel 7, 2, Hiob 37, 3. 38, 13.) So ist allem Räumlichen des Heiligthums und besonders dem Allerheiligsten der Begriff der Harmonie, des Friedens, der Gegcnsatzlosigkeit gegeben, in welcher Weise alles Göttliche in die Wahrnehmung tritt. —Die Zehn hingegen schließt die erste, die Grundordnung der Zahlen, und so immer wieder die nächste höhere Ordnung ab. Darum ist ihr Begriff: die Abgeschlossenheit, die Vollendung; die Zehn ist die Zahl der Vollendung. Sie findet sich daher mit der Drei in der Länge der ganzen h. Wohnung, welche die Vollendung der Vermittelung darstellt, mit der Vier zugleich an den Räumen des Heiligthums, um diesen neben dem Begriff der Harmonie auch den der Abgeschlossenheit, der Vollendung zu leihen. Deshalb ist am Viereck des Allerheiligsten die Zehn im Quadrat, die Höhe und Breite der ganzen Wohnung Zehn und wo die Zehn vom Quadrat zum länglichen Viereck wird, ist es, weil die h. Wohnung einer Bermittelungsstättc bedarf, also der Drei. Wir haben deshalb in der Wohnung die Verbindung der Vermittelung, Harmonie und Vollendung. So besteht auch die eigentliche Wohnung, d. i. der unterste Teppich aus zehn Vierecken; das ganze Heiligthum hat zehnmal zehn in der Länge und die Fundamentalsprüche der Offenbarung sind zehn, die Zehn-Worte als das unveränderlich Abgeschlossene, Vollendete; das israelitische Heer zerfällt in Abtheilungen von Zehn; der Stamm!^evy erhält den Zehnten, und giebt den Priestern ein Zehntel davon ab. — So wird am Heiligthume der Begriff der Vermittelung (drei), der Harmonie (vier) und der Vollendung (zehn) symbolisch durch die Zahlen dargestellt, das Heiligthum durch sie als Bermittelungsstätte bezeichnet, aus welcher Israel zur vollsten Harmonie mit Gott, zum vollkommenen Frieden mit und in Gott gelangen soll. Ziehen wir nun die drei anderen Zahlen, die Fünf, Sieben und Zwölf in Betrachtung. Die Fünf tritt uns als Hälfte der Zehn und zugleich, aus der Bier hervortretcnd, als das Streben entgegen, aus der einfachen Harmonie der Vier in eine höhere Potenz zu kommen, deren Schluß die Zehn ist. Jnsosern ist ihre symbolische Bedeutung das Menschliche in seiner Unvollendung und seiner Bestrebung, aus Einfachhci und Gegensatz heraus nach einem noch unerreichten Höheren zu gelangen. Wir sehen deshalb die Fünf insonders am Hofe des Heiligthums und an den Gegenständen, die zum Aeußeren der heiligen Wohnung gehören; die Höhe des Hofes ist fünf, die Breite zehn Mal fünf, fünf Säulen trennen das Heilige vom Hofe, fünf Riegel sind außen an den Bohlen, fünf Mal