Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 48 (1884)
- Issue
- Heft 25 (17.6.1884)
- Date
- 1884-06-17
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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'Allgemeine Zeitung des Hudenthums. Ein unparteiisches Organ für alles indische Interesse. Diese Zeitung erscheint wöchentlich.! | Preis vierteljährig 3 Mark. Abonnei ment in Deutschland (Postzeitungsliste | j 4!r. 92) und Oesterreich bei ollen Post- > ämtern. außerdem durch den Buch- Handel. | Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippson in Bonn. GzepediLiorr: Leipzig, Woßpkcrh 18. In redaktionellen Angelegenheiten wende man sich an vr.L.PHiliPpson in Bonn direct, in allen übrigen an die Verlagshandluog- Beilagen (Gebühr 12 M.) sind gleichfalls an letztere einzusenden. 48. Jahrgang. Leipzig, den 17. Juni 1884. M. 25. Inhalt. Leitende Artikel: Heber die Symbolik der Zahlen im mosaischen Kultus. — Eine abermalige Schmach des Rumänien unserer Zeit. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin. Bonn. Leipzig. Neustettin, Seesen, Wiesbaden. — Oesterreich-Ungarn: Bonn. Wien, Pest, Preßharz. - Rußland: Aus Rußland, Lemberg. — Bonn: Notizen. — Feuilleton: Ter Zug nach Jerusalem. Eine Erzählung aus alter Zeit. ScilcM^e dittßcf. Bonn, 11. Juni. lieber die Lymbolik -er Zahlen im mosaischen Kultus. Wir haben bereits in früheren Artikeln nachzuweisen gesucht, daß im mosaischen Cultus, wie ihn die Thora be- und vorschreibt, eine symbolische Bedeutung in den Formen, Farben, Stoffen und Zahlen conscqucnt ausgeprägt und durchgeführt ist. Früher hatten wir diese Ansicht in unsrem Commentar zu den betr. Kapiteln der h. Schrift ausführlich begründet. Demungeachtct zeigt es sich, daß unsre Gelehrten und Lehrer dieser, für das Verständniß des mosaischen Cultus und der ihn betreffenden Partien der h. Schrift so bedeutungsvollen Ansicht sich wenig zugänglich erweisen. Was sie daran behindert, wird wohl einerseits das Borbild der älteren Erklärer sein, welche von dieser Symbolik nur eine sehr oberflächliche Ahnung hatten, andererseits, daß ihnen die Ergebniffe einer solchen Forschung unsicher und leicht zur Mystik führend erscheinen mögen. Beides halten wir jedoch für Vorurtheil. Die symbolische Bedeutung eines Gegenstandes oder Aktes hat allerdings an sich einen Einfluß und Werth-nur in der Zeit gehabt, in welcher das Verständniß derselben noch unmittelbar im Geiste der Menschen lebte, ihnen sich deshalb von selbst erschloß und nicht gelehrt zu werden brauchte. Mit der Ausbildung und Erweiterung der Berstandeskräfte aber verlor sich dieses Verständniß, und so finden wir schon in den späteren historischen und prophetischen Büchern keine Kenntniß oder Beachtung des symbolischen Charakters im mosaischen Cultus. Diesen schloß sich dann die spätere Schristerklärung an, unv wo in dieser, um eine bez. Schriftstelle zu erklären, eine Andeutung auf symbolische Bedeutung gegeben wird, ist sie willkürlich, unsicher, oberflächlich. Man erinnere sich nur z. B. an die Erklärungen der Opfer und der einzelnen Verrichtungen bei diesen. Eine richtigere Deutung der mosaischen Symbolik ist daher eine Aufgabe der modernen wissenschaftlichen Exegese geworden, und erfordert die sorgfältigste Prüfung, die Zusammcnfaffung aller einzelnen Punkte und Angaben und nur dasjenige Ergebniß anzucrkennen, welches zweifellos festgestellt worden. Tie Bahn hierzu eröffnete das bekannte Werk Bähr's, dessen Combinationen jedoch noch oft allzukühn und auf Beweise gegründet waren, die sich nicht als stichhaltig erwiesen, so daß wir in unsrem Commentar Gelegenheit hatten, so viel wir auch den Leistungen Bähr's zu verdanken hatten, nicht wenige seiner Irrungen zu beseitigen. Indem wir nun auf die früheren Besprechungen zurückweisen, wollen wir sie heute durch eine Betrachtung der Zahlensymbolik ergänzen, und hierzu ein recht auffälliges Beispiel voranstellen. Für die sieben Tage des Sukkothfestes ist (4. Mos. 2!', 13 ff.) eine viel ausgedehntere Opferung vorgeschrieben als für die übrigen Feste. Es sollten an jenen außer den Widdern und Lämmern dargebracht werden: am 1. Tage 13 Stiere, am 2. 12, am 3. 11, am 4. 10, am 5. 0, am 6. 8, und am 7. 7 Stiere. Zusammen 70. Wir werden alsbald zu der Frage geführt: warum 70 Stiere? und fer^ ncr: warum in solcher Verthcilung, daß am 1. 13 und in stäglich sich vermindernder Zahl 7 am letzten Tage des Festes?