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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1884-06-10 · Heft 24 (10.6.1884) · p. Seite 385

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
48 (1884)
Issue
Heft 24 (10.6.1884)
Date
1884-06-10
Page
Seite 385 (sequence 13)
Language
German
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385 Rußland. Vom Rheine, im Mai. (Privatmitth.) Gewisse deutsche Blätter gefallen sich, über die russischen Juden Nachrichten und Berichte zu bringen, welche sie der „Nowoje Wremja" entnehmen, obschon sie wohl wissen oder doch wissen können, daß diese Zeitschrift den Antisemitismus in gehäßigstcr und verleumderischester Weise betreibt. Es ist dies das ausgesprochene Handwerk der „Nowoje Wremja." Aber es wirft kein schönes Licht auf deutsche Blätter, wenn sie deren Auslassungen ohne Weiteres mittheilen und im deutschen Publicum die Meinung erwecken, daß jene die pure Wahrheit enthalten, während das Gegentheil der Fall ist. So las man jüngst folgenden Art. aus der N. W. in mehreren deutschen Zeitungen: „Bor hundert Jahren wurde der erste Versuch gemacht, Juden als Ackerbauer anzusiedeln und dieser Versuch ist wenig Gewicht zu legen; noch weniger auf die Autorität des getauften Juden, den sie anführt. Getaufte Juden in Rußland gehören zu den ärgsten Feinden ihrer früheren Glaubensgenossen und haben mehr zur Verfolgung der letzteren und zur Vernichtung ihrer wohlthätigsten Institutionen beigetragen, als alle russischen Christen, die Plünderer und Todtschläger ausgenommen'. Warschau, im Mai. Wir können nicht umhin, auf ein Vorkommniß hinzuweisen, das so recht bezeugt, wie eine nachdrückliche Vorstellung auch in der russischen Staatsregierung berücksichtigt wird. Man wird sich erinnern, daß englische und amerikanische Bürger, bloß weil sie Juden sind, aus Petersburg ausgewiesen worden, und wie die Regierungen dieser Länder versicherten, Einwendungen hiergegen erhoben zu haben, die jedoch ohne Erfolg geblieben. Jüngst ward dagegen ein französischer Industrieller, Mieve (Christ), aus hat lange, fast ein halbes Jahrhundert lang gedauert. Um! Warschau ausgewiesen, und der Generalgouverneur Gurko ihnen zu zeigen, wie der Ackerbau betrieben werden soll,! hatte die Ausweisungsordre bestätigt. Der französische wurden unter ihnen deutsche Colonisten angesiedelt und! Minister Ferry erhob hierüber bei dem Auswärtigen Amte Musterwirthschaften gegründet. Wie viel aber dieses gefruchtet in Petersburg eine sehr ernste Vorstellung und — die Aushat, kann man aus der Aeußerung eines Gutsbesitzers der! Weisung wurde von Petersburg aus aufgehoben, obschon desdortigen Gegend, Dumaschewskij, der selbst Jude war, schließen.! halb General Gurko seine Demission eingereicht hat. Im Jahre 1850 berichtet er, die Juden seien zu jeglichem Opfer bereit, um vom Ackerbaustande loszukommen. Jetzt brauchen sie kein Opfer mehr zu bringen. Bessarabien zählt nach der letzten Revision 4812 jüdiscbc Grundbesitzer, in Wirklichkeit aber leben nur 63 von ihnen auf ihren Besitzungen. Deshalb braucht man nur ja nicht auzunehmen, daß sie wenig Land besitzen oder geringe Einkünfte beziehen. Sie haben ihr Land an Russen verpachtet und leben in den Städten, um „Geschäfte zu machen". So hat jener Versuch geendet, die Juden in Rußland für den Ackerbau zu gewinnen". Bonn, 1. Juni. (Notizen.) Aus Lemberg wird unterm 23. d. M. geschrieben: In Belz, dem Sitze eines chassidischen Rabbi, brach ein Feuer aus, das 30 Häuser in Asche legte; über 300 Familien, zumeist Israeliten, sind brodlos. Das Feuer ist erhobenermaßen angelegt worden. — Man schreibt uns aus Mainz am 28. Mai: Das Leichenbegängniß des dahier verstorbenen Bankier Moritz Oppenheim gestaltete sich zu einem der imposantesten, das wir in dieser Stadt gesehen. Am Grabe sprachen, außer dem Rabbinen Das Richtige ist, daß die jüdischen Ackerbau-Colonien Herr Dr. Salfeld, der Oberbürgermeister Herr Dr. Du in Süd - Rußland noch heute bestehen und nach den Umständen und Verhältnissen, unter welchen sie existiren, sogar Mont, Namens der Stadt und der Rechtsanwalt Herr Di-. Mayer, im Namen des Vorstandes der Gemeinde, dessen storiren. Erhielt doch die allgemeine Welt Kunde von ihnen Präses der Verstorbene war. Herr Oberbürgermeister hob dadurch, daß zur Zeit der russischen Judenhetzen sich auch große Haufen auf diese Colonien warten und die Juden ausplünderten und mißhandelten. Uebrigens steht der gute hervor, wie der Verblichene als Stadtrathsmitglied eine Zierde der Bevölkerung gewesen und mit der seltensten Aufopferung seine Kräfte der Stadt widmete, wie er in den verschieden- Ruf der jüdisch-russischen Arbeiter und zwar hinsichtlich der sten Commissionen uneigennützig wirkte und als Mitglied der schwersten Beschäftigungen so fest, daß er durch die „Nowoje Waisencommission manche Thräne aus eigenen Mitteln trock- Wremja" nicht erschüttert werden kann. Allerdings passen sie nicht in den Rahmen der N. W., erstens weil sie Juden sind, und dann weil sie keinen Branntwein trinken, was sie hinsichtlich ihrer Nationalität verdächtig macht. Der Art. der N. W. ist übrigens nur gegen die jüdischen Grundbesitzer gerichtet, obschon es dankbar anzuerkennen wäre, daß die jüdischen Kapitalisten ihre Kapitalien dem Grundbesitz zuwenden, da durch diese Konkurrenz der Werth des Grundes und Bodens nete. Herr Dr-. Mayer betonte, wie der Verblichene es war, der die Trennung in der Mitte der Gemeinde verhinderte und es seinem Einflüsse zu verdanken war, daß die Orthodoxen sich von der Muttergemcinde nicht getrennt haben. Friede seiner Asche! — Aus Brüssel schreibt man uns vom 28. Mai: Heute früh verschied nach längerem Leiden Herr Joseph Oppenheim (Oppenheim-Errera), durch dessen Tod die belgischen Israeliten einen schweren Verlust erleiden. immerfort steigt. Auf die von der N. W. angegebenen Zahlen , Der Verstorbene war 1810 in Frankfurt a. M. geboren,

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