Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 48 (1884)
- Issue
- Heft 24 (10.6.1884)
- Date
- 1884-06-10
- Page
- Seite 386 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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_386 kam 1826 nach Belgien, machte den belgischen Befreiungs- 1 halb er auch nicht wieder gewählt wurde, was er von Vornfeldzug gegen die Holländer im Jahre 1830 mit. Schon, herein mußte. Für jüdische Zwecke in der Gemeinde hatte seit 1836 war er Mitglied des israelitischen Consistoriums,! er eine offene Hand, was er bei dem letzten Synagogenalso fast 48 Jahre, und nach dem Tode Lassens, also seit ] bau und bei der Unterstützung der russischen Juden be- 10 Jahren, Präsident desselben. Er hat für Juden und; thätigte. Seines Amtes als Consistorialpräsident Pflegte er Judenthum ein warmes Herz gehabt und sie nachdrücklich unermüdlich und fehlte in keiner Sitzung desselben und der und mannhaft vertheidigt. Lange Jahre ein geachtetes und Commissionen. Er wird in Frankfurt a. M. bestattet und verdienstliches Mitglied des Provinzialrathes, setzte er sich am 0. Juni soll in der Synagoge zu Brüssel ein feierlicher dem Mißfallen der liberalen Partei muthig aus, indem er Trauergottesdieust gehalten werden. — für die Sache des israelitischen Friedhofes offen auftrat, wes-, Ieuilleton. Das Ende -er Frankfurt am Maiuer Judengaffe. Alles auf Erden findet sein Ende, das Schöne und das, Häßliche, das Denkmal der Größe einer Zeit, und das ihrer! Schmach. So auch die, allerdings längst nicht mehr ausi schließlich von Juden bewohnte Judengasse von Frankfurt! am Main, die, wie das Ghetto in Rom, Zeugniß von dem! finstern Geiste des von romantischen Schwärmern viel gepriesenen Mittelalters geben, bald nur noch gaben! — Man | schreibt aus Frankfurt: Eine der ältesten Partien des alten Frankfurt, die Judengaffe, wird in wenigen Tagen dem Untergange geweiht sein. Die westliche Straßenseite ist schon vor längerer Zeit verschwunden, als durch den Zusammenbruch mehrerer Häuser im Jahre 1871 die Niederlegung der ganzen Reihe nothwendig wurde. Die andere Seite mit dem Stammhause der Rothschilds und dem Geburtshause Börne's, welche nur in der Mitte durchbrochen ist, wurde bis jetzt kümmerlich erhalten, indem die baufälligsten Stellen mit mächtigen Balken gestützt wurden. Nach zahlreichen langwierigen Prozeßen, welche aus den zu hoch geschraubten Forderungen der Eigentümer entstanden, hat sich die Stadt aus dem Expropriationsweg in den Besitz sämmtlicher Häuser gesetzt, um sie nach und nach alle niederzulegen. Da jedoch noch Verhandlungen mit der israelitischen1 Gemeinde wegen Gebäudetausches und Niederlegung des dort befindlichen israelitischen Schlachthauses schwebten, auch Rücksichten auf die Miether der Häuser zu nehmen waren, wäre wohl noch Jahr und Tag vergangen, bis die letzten Reste.der intereffanten Gasse beseitigt gewesen wären. Die alten Mauern, über welche viele Jahrhunderte hinweggegangen sind, mochten die kurze Zeit aber nicht mehr abwarten. Es machten sich Anzeichen bemerkbar, daß, wenn nicht alsbald die Niederlegung begonnen würde, ein allgemeiner Zusammenbruch nahe bevorstände. Das am mittleren Durchbruch befindliche Haus No. 130, erwies sich vor einigen Tagen so baufällig, daß die sofortige Abtragung angeordnet werden mußte. Zugleich mußten sämmtliche Bewohner der Nachbarhäuser 131, und 132, innerhalb 24 Stunden ihre Wohnungen räumen. Gestern nahm nun eine Commission des Bauamtes eine Besichtigung sämmtlicher übrigen Häuser der Judengaffe vor, wobei alle baufällig befunden wurden. In Folge dessen wurde beschlossen, alle Gebäude niederzureißen, und die Miether erhielten bereits Weisung, ihre Wohnungen bis nächsten Donnerstag zu räumen. Mehrere hundert Personen sind dadurch genöthigt, in kürzester Frist sich neues Obdach zu suchen. Es sind wohl die ärmsten Bewohner der Stadt, welche seither in der Judengaffe Unterkunft gefunden haben, darunter auch vieles Gesindel. Einzelne Häuser sind allerdings seit Jahren nicht mehr bewohnt, und sie bieten mit ihren zerbrochenen Fensterscheiben ein sehr verwahrlostes Aussehen. In den meisten Parterreräumlichkeiten werden Trödlerwaaren und allerlei Kleinkram seilgehalten. Zu der sonst so heitern Mainstadt hat die Judengaffe immer einen seltsamen Contrast ge- | boten. In wenigen Wochen werden nun diese schmalen, vielfenstrigen Häuser, deren Fa^aden meist in einem spitzen Dachgiebel auslaufen und zum großen Theil von oben bis unten mit Schieserplatten, wohl zum Schutze der Fachwerkwände gegen Wettereinflüffe, bedeckt sind, für immer geschwunden sein. Es erscheint begreiflich, daß sie mit einander fallen müffen, denn sie hängen so zusammen, daß eines das andere stützt. Nur in der Geschichte und in der Dichtung wird diese Gaffe noch fortleben; abgesehen von den Göthe'schen und Börne'schen Reminiscenzen ist sie auch in vielen deutschen und fremdländischen Romanen Gegenstand der Schilderung gewesen; unter andern auch in George Eliot's | interessantem hochpoetischen Werke: „Daniel Deronda."