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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1884-06-10 · Heft 24 (10.6.1884) · p. Seite 384

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
48 (1884)
Issue
Heft 24 (10.6.1884)
Date
1884-06-10
Page
Seite 384 (sequence 12)
Language
German
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384 Advokat Dr. Robert Pattai. Es galt nun einen schweren Kampf zwischen dem liberalen Canditaten Kaufmann Wilhelm Neuber und diesem Pattai. 76 Proc. der Wähler stimmten, doch siegte Neuber mit 1202 Stimmen gegen den Antisemiten Pattai, der indeß die beträchtliche Zahl von 980 Stimmen erhielt. Bor dem Wahllokale entwickelten sich stürmische Szenen und die Parteien geriethen in handgreiflichen Streit, welchen schließlich die Polizei unterdrücken mußte. Wien, 26. Mai. Eine lehaftere Wahlbetheiligung, als es die heutige im VI. Bezirk war, hat Wien noch nicht ge¬ 92787 fl. 78 kr., die Ausgaben betrugen 88418 fl. 15 kr., so daß ein Ueberschuß von 4339 fl. 63 kr. resultirte. In dem Waisenhause, in welchem seit seinem fünfzehnjährigen Bestände 74 Stiftlinge Aufnahme fanden, befinden sich gegenwärtig 26 Stiftlinge, nämlich 13 Männer und 13 Frauen; die Vcrwaltungskosten desselben beliefen sich auf 9574 fl 34 kr. Im Ganzen waren im vorigen Jahre 1390 Sterbesälle, und zwar: 687 Erwachsene (406 Männer, 28 t Frauen), 422 Kinder von 1 Monat bis 14 Jahre alt (237 Knaben, 185 Mädchen), 281 Kinder weniger als 1 Monat alt (156 männlichen, 125 sehen. Bon 2800 Wahlberechtigten waren 2186 an die Urne j weiblichen Geschlechts). Die größte Sterblichkeit war im getreten. Beklagenswerth und beschämend waren jedoch die! Monat März mit 154; ferner im Monat Mai mit 132; in wüsten Szenen, welche den ernsten Akt begleiteten und deren den übrigen Monaten vertheilen sich die Sterbefälle zwischen Urheber ausschließlich Antisemiten waren. Um 4 Uhr wurde j 91 bis 124. Das von Herrn Adolf Baiersdorf in Wien die Stimmenabgabe geschlossen. Eine Stunde vor Bein seinem Geburtsorte Waag-Neustadtl im Jahre 1874 erginn des Skrutiniums, welches um 10 Uhr in den beiden I richtete Kranken- und Versorgungshaus, in dem derzeit 13 Wahllokalen endete, staute sich die Menge vor denselben und j Pfründner Unterkunft finden, verfügt bereits über ein Berfort und fort hörte man ein Gejohle, welches eine Ovation i mögen von 19,000 Gulden. für den durchgefallenen antisemitischen Kanditaten sein sollte.! Pest, 25. Mai. Endlich scheint der Tißa-Eßlarer Prozeß Die Polizei beobachtete Reserve. Aus verläßlicher Quelle j noch einige Folgen für diejenigen Beamten nach sich ziehen verlautet, daß den Antisemiten von bekannten zwei klerikalen! zu sollen, welche bei der berüchtigten Untersuchung thätig ge- Aristokraten ein Agitationsfond in der Höhe von 30000 fl. wesen. Hiesige Blätter berichten nämlich: Die k. Ober-Staatszur Disposition gestellt wurde. Das Skrutinium ergab für Neuber eine Majorität von 224 Stimmen. Mehrere Abgeordnete, darunter Herbst, waren wiederholt im Laufe des Tages vor dem Wahllokale erschienen, um sich über die Wahlchancen zu insormiren. Nach dem Skrutinium versammelten sich die Antisemiten in ihrem Stammlokal, und sowohl anwaltschaft erhielt gestern vom k. Gerichtshof in Nyiregyhaza das Urtheil des Obersten Gerichtshofes im Tißa-Eßlarer Prozeße zugestellt. Unter Einem wurden die eorxora delicti der Staatsanwaltschast zur Verfügung gestellt und werden dieselben — es sind dies die Knochenreste der Dardaer Leiche — dem anatomischen Institute in Budapest übergeben werden. Schönerer als Pattai gaben in längeren Reden der Hoffnung; Die k. Oberstaatsanwaltschast ertheilte zugleich dem Nyire- Ausdruck, bei den nächstjährigen Wahlen durchzudringen, gyhazaer Staatsanwalte Weisung, die Exrotulirung sämmt- Jm Wahllokale der Liberalen dankte Neuber seinen Freunden! licher Akten in diesem Monstre-Prozesse zu verlangen und für die erfolgreiche und lebhafte Theilnahme. Bei Berkündieselben der Ober-Staatsanwaltschaft herauszusenden, damit digung des Wahlresultats mußten die Thüren geschlossen : gegen die schuldtragenden Organe der Untersuchung das Berwerden, da die Anhänger Pattai's gegen dieselben massenhaft: fahren eingeleitet werden könne, anstürmten. Gegen einen Profeffor am Mariahilfer Gymnasium, ’x* Namens Figl, der heute als einer der eifrigsten antisemitischen Hrcmrreia). Agitatoren thätig war, wird auf Beschluß des Prosefforen-! Paris, 1. Juni. Auch Algerien liefert den Beweis, Kollegiums die Disziplinär-Untersuchung eingeleitet. daß es mit dem Antisemitismus nicht so weit her ist, wie Wien, 24. Mai. Die Schwurgerichtsverhandlung des seine Anhänger durch ihr Geschrei glauben machen wollen. Professors Rohling gegen den Reichraths-Abgeordneten I>r. I Wie wir schon öfter bemerkt, verfolgt ein nicht geringer Bloch dürfte erst im Herbste stattfinden, da sich beide Parteien Theil der französischen Tagespresse in Algerien antisemitische zu einem sehr umfassenden Zeugen- und Wahrheitsbeweise Tendenzen, überhäuft die eingeborenen Juden mir Schmärüsten. Gegenwärtig werden langwierige Verhandlungen da- Hungen und scheut sich dabei durchaus nicht, vor Unwahrrüber geführt, welche Fachgelehrten als Zeugen oder Experten heiten, Uebertreibungen und falschen Berichten. Und doch zugelassen werden sollen. Man kann also diesen Prozeß schon haben soeben die Thatsachen bewiesen, daß sie hiermit bei jetzt als eine cause celebre anfehen. der Bevölkerung nicht durchdringen. Die soeben vor sich Pest, den 23. Mai. (Privatmitth.) Die hiesige Chewragegangenen Munizipalwahlen brachten eine verhältnißmäßig Kadischa versandte in diesen Tagen ihren Berwaltungsbericht große Zahl von Israeliten in die städtischen Behörden fast für das Jahr 1883. Dieser religiöshumanitäre Verein aller Städte. In Constantine z. B. wurden 5 Israeliten verzeichnet in diesem Jahre an ordentlichen Einnahmen in den Munizipalrath gewählt.

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