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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1884-06-10 · Heft 24 (10.6.1884) · p. Seite 382

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
48 (1884)
Issue
Heft 24 (10.6.1884)
Date
1884-06-10
Page
Seite 382 (sequence 10)
Language
German
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382 — -vv- , Wechselfälscher Szcolny ist erwiesen, daß viele der Darlehns- Deutschland. nehmer bereits derartig schlecht situirt waren, daß sie selbst Berlin, 28. Mai. (Privatmitth.) Die „Kreuzzeitung"! das empfangene baare Darlehn nicht mehr zurückzahlen sucht mit großer Anstrengung aus dem Schmutze des wider-! konnten und deshalb schon vorher insolvent waren. Jedenwärtigen Hochverraths gegen den preußischen Offizier Hentsch! falls ist es unrichtig, daß diejenigen, deren Namen oder und den polnischen Schriftsteller Kraszewski auch ein paar! Accepte zu den quäst. Betrügereien und Fälschungen benutzt Juden herauszufinden. Sie bedenkt nicht, daß eine weitere! worden, auch nur einen Pfennig mehr bezahlen mußten, Untersuchung doch auf diejenigen führen müßte, welche dem! als wozu fie rechtlich verpflichtet waren, da nach richter- Hentsch die sekreten Papiere ausgeliefert und die Mitthei-j licher Entscheidung sie die gefälschten Beträge nicht zu zahlen lungen über die Geheimnisse der Kriegsvermaltungen gemacht! brauchten und auch nicht gezahlt haben. Wenn der Jahrcshaben und das könnten doch nur Beamte dieses Ressorts > bericht des ferneren und betrügerischen Bankerott eines Holzseicn, unter welchen sich kein Jude befindet. Vielleicht liegt es eben der Kceuzzeitung am Herzen, die Aufmerksamkeit von diesen Beamten abzulenken und sie glaubt dies am besten zu bewirken, wenn sie dem Publikum zu insinuiren vermöchte, daß bei diesem schmählichen Handel auch Juden betheiligt gewesen. Möchte doch die Kreuzzeitung lieber vor ihrer eigenen Thüre kehren; da fände sie genug zu thun. — Wie man auch in anderen Kreisen in amtlichen Blättern bei Besprechung „vom Creditwesen" immer nur einen Juden als Urheber von Calamitäten hervorznheben sucht, dagegen über die wahren Verhältnisse hinwegschlüpst, davon giebt folgender Händlers (Krüger) und die Zahlungseinstellung eines Productenhändlers (?) ermähnt, so verschweigt er dennoch die auf ca. 100000 Mark belaufenden Wechselsälschungen des Gutsbesitzers und Reservelieutenants B. auf S. bei Jnowrazlaw und den Bankerott mit ca. 240 U)0 Mk. des Gutsbesitzers und Rcservelieutenants I. auf S. bei Jnowrazlaw, welcher 70 000 Mk. im Kartenspiel in einer Nacht verlor. — Die Consecvativen stellen den Hofprediger Stöcker im zweiten Berliner Reichstags-Wahlkreise als ihren Kandidaten für die bevorstehenden Wahlen zum Reichstage auf und wählen bereits zu desien Gunsten mit aller Kraft. Man er- Artikel der Voss. Zeit, aus der Provinz Posen vom 25. Mai sieht hieraus, daß in denselben wenigstens in Berlin der einen Beweis. Derselbe lautet: „Ein würdiges Seitenstück zu den Kreuzzeitungsaperyus zum Hentsch'schen Hochvcrrathsproccsse findet sich in dem so eben erschienenen Jahresbeberichte des landwirthschaftlichen Provinzialvereins für Posen über das Jahr 1*83. Auf Seite 10 wird unter „Creditwesen" die allgemein bekannte Thatsache bestätigt, „daß die Flüssigkeit des Geldmarkles in manchen Fällen die Landmirthc verleitete, Schulden zu unproduktiven oder doch solchen Antisemitismus wieder seine Rolle spielen werde. — Bei Abschließung des Kaufvertrags bezüglich des Terrains in Weißensee, auf dem sich jetzt der Friedhof der hiesigen jüdischen Gemeinde befindet, war in dem Bebauungsplan, der für das genannte Grundstück aufgestellt und behördlicherseits genehmigt war, auch bereits eine Straße eingetragen, die dasselbe event. durchschneiden sollte. Nachdem dis jetzt an die Gemeinde keinerlei Ansinnen behufs Errich- Zwecken uud Anlagen zu contrahiren, die in ihrer Rentabilität I tung derselben gestellt worden war, hat sie, wie ein Berichtnicht gesichert erscheinen. Die Bedenklichkeit eines solchen erstatter meldet, vor Kurzen vom Landrathsamt die Benach- Verfahrcns zeigt sich schon jetzt, weil bei der Erschöpfnng des richtigung erhalten, daß nunmehr mit dem Bau dieser für Realkredils das mangelnde Betriebskapital auf dem Wege des den öffentlichen Verkehr in Weißensee nothwendigen Straße Wechselcredits beschafft werden muß. Sollte auch die nächste begonnen werden müsse. Die in Folge dessen vorgenommene Ernte dürftig ausfallen, so würde der Ruin vieler Besitzer, Vergleichung des ursprünglichen Bebauungsplanes des Friedwelche sich in einer derartigen Lage befinden, unausbleiblich Hofs-Terrains mit dessen jetzigem Aeußeren hat ergeben, daß die sein.-Eine locale Calamität", heißt es dann weiter auf jenem vorgesehene Straße nicht nur mit Begräbnißstatten, auf S. 11, „ist im Kreise Jnowrazlaw durch großartige sondern auch mit einer Kapelle besetzt worden ist. Bestehen Wechselfälschungen eines dortigen jüdischen Geldverleihers die betreffenden Behörden auf der Anlage der Straße, so herbeigeführt, durch den mehrere Besitzer in schwere Bedrängnisse gerathen und einige sogar zur Jnsolvenzerklärung gezwungen worden sind." Dieser Excurs nimmt sich in einem amtlichen, auf Staatskosten gedruckten Jahresberichte eines mit 40 600 Mk. jährlich subventionirten landwirthschaftlichen Ber-! Repräsentanten-Versammlung der genannten Gemeinde eins, ganz abgesehen davon, daß er der Wahrheit nicht entspricht,! besondere Commission eingesetzt worden, seltsam genug aus. In dem Processc gegen den genannten | — Stöcker sucht sich mit aller Anstrengung für die bevorwird dies zunächst die Exhumirung diverser Leichen aus Erbbegräbniffen und Gräbern zur Folge haben und eine nochmalige Beerdigung derselben in neu aufzuwerfende Gräber bedingen. Zur Behandlung der Angelegenheit ist von der eine

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