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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1884-06-10 · Heft 24 (10.6.1884) · p. Seite 379

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
48 (1884)
Issue
Heft 24 (10.6.1884)
Date
1884-06-10
Page
Seite 379 (sequence 7)
Language
German
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379 Schülerbibliothek wird den Kindern nicht nur der geistige! Gehalt des Judenthums in einer ihrem Lebensalter und I ihrer Fassungskraft entsprechenden Gewände dargereicht und! die Aufgabe des Religionsunterrichtes gefördert, sondern es! wird auch die Lektüre solcher Schriften eingeschränkt, die,! wie dies bei den meisten von nichtjüdischen Autoren verfaßten! Jugendschriften der Fall ist, einen ausgeprägten Confessio-! nalismus an sich tragen und die Gemüther der Kinder verj wirren. Die Schaffung selbstständiger, jüdischer Jugendfchriften ist daher dringend zu wünschen, und sollen die Rabbiner es sich angelegen sein lasten, Vereine und freigebige Privatpersonen zu bewegen, daß sie durch Aussetzung von Preisen jüdische Schriftsteller zur Abfassung derartiger Schriften ermuntern. e) Die Nothwendigkeit und der Segen von Religionsfortbildungsschulen für die reifere Jugend bedarf für den, der die betreffenden Verhältnisse kennt, der weiß, wie groß die Zahl der Jünglinge, die in den größeren Städten zumeist sich selbst überlasten, jeder religiösen Anregung und Belehrung entbehren, keines weiteren Nachweises. 6. a) In Bezug auf die Geschichte des Judenthums herrscht bei dem größten Theile der Gemeindemitglieder große Unwistenheit, und als Mittel zur Beseitigung derselben dürfte die Hervorhebung lehrreicher historischer Momente, wohl auch von Zeit zu Zeit die Vorführung des Lebensbildes einer bedeutsamen geschichtlichen Persönlichkeit in dem Rahmen einer Predigt sich sehr empfehlen. b) Aber die Predigt vermag hier nur Bruchstückartiges zu leisten, es müsten auch außerhalb des Gotteshauses regelmäßige Borträge über jüdische Geschichte und bedeutsame, das Judenthum berührende Zeitfragen gehalten werden. Auch die kleineren Gemeinden, die ja ohnehin so überaus selten der religiösen Belehrung theilhaftig werden, sollen hierbei nicht ganz leer ausgehen, sondern von Zeit zu Zeit Gelegenheit erhalten, von dem Rabbiner oder einem anderen hierzu befähigten Fachmanne einen Bortrag über irgend ein Thema der jüdischen Geschichte rc. zu hören. o) Wie spezifisch jüdische Jugendschriften für unsere Schüler unentbehrlich sind, so muß auch den Erwachsenen eine angemessene belehrende und unterhaltende Lectüre verschafft werden, die ihnen in ihren Mußestunden einen Einblick in die jüdische Welt verstattet und manche Zrrthümer und Borurtheile in ihnen bekämpft. Durch die früheren Vereine zur Förderung und Verbreitung der jüdischen Literatur ist manch treffliches Buch in die jüdischen Häuser gekommen, das den erwachsenen Söhnen und Töchtern geistige Nahrung und angenehme Zerstreuung spendete und gleichzeitig, ohne daß diese selbst es merkten, die Liebe zum Judenthume, die Anhänglichkeit an die Glaubensgenosten in ihnen stärkte. Eine Wiederbelebung dieser Institution wäre sehr wünschenswerth und es verlohnte sich wohl, einen ernstlichen Versuch hiermit zu macheu. II. Was oben über die Stellung und den Einfluß der Rabbiner gesagt worden ist, macht für diese den Gemeinden obliegenden Aufgaben jede Begründung entbehrlich. Ohne die Mitwirkung der Gemeinden und ihrer Vertretungen sind alle unsere Bemühungen vergeblich. Der Wunsch und das Bedürfniß, nur im Verein mit den Gemeinden, und vor Allem nicht in direktem Widerspruche mit ihnen die Erreichung unseres Zieles anzustreben, hat uns auch bestimmt, von solchen Forderungen gänzlich abzufehen, deren Gewährung und Durchführung wohl zur Hebung des religiösen Sinnes und zur Förderung des Religionsunterrichts beitragen würde, die aber, wie die Erfahrung uns gelehrt hat, auf die entschiedene Opposition der Mehrzahl der Gemeinden stoßen würden. Hierher gehört besonders die Forderung, daß der jüdische Religionsunterricht an allen öffentlichen Lehranstalten obligatorisch gemacht werde. Wir verhehlen uns nicht, daß ein obligatorischer Religionsunterricht und die Erwähnung und Berückfichtigung der in diesem Lehrgegenstande von den Schülern erzielten Fortschritte in den Schulzeugnisten von segensreichem Einfluste aus das religiöse Leben der deutschen Juden sein würde, und eine diesbezügliche Petition bei den Staatsregierungen wäre keineswegs als aussichtslos zu betrachten. Aber wir würden uns hierdurch aller Wahrscheinlichkeit nach in einen schroffen Gegensatz zu den Gemeinden stellen und Gegenpetitionen und Demonstrationen ihrerseits Hervorrufen, was wir aus' mehrfachen Gründen, namentlich auch mit Rücksicht auf die Zeitverhältnisse vermeiden müssen. Um so mehr aber dürfen wir hoffen, daß ein von der Rabbiner-Versammlung ausgehender Appell an die Gemeinden, uns in den vorstehend erwähnten und motivirten Bestrebungen wirksam zu unterstützen — ein Appell, den wir nicht beantragen, weil wir ihn als selbstverständlich voraussetzen — nicht wirkungslos verhallen wird. Schlußantrag. Die Unterzeichnete Commission unterbreitet der Rabbiner- Versammlung vorstehende Ausführungen mit dem ergebenen Anträge: Dieselbe wolle a) unseren Vorschlägen ihre Zustimmung ertheilen; b) eine Commission mit der Aufgabe betrauen, auf Grund dieser Vorschläge und zur praktischen Durchführung derselben einen vollständigen Organisationsplan zu entwerfen und zu veröffentlichen.- Der dritte Antrag betrifft die Bildung eines Verbandes deutscher Rabbiner. Wir geben hier das Wesentliche aus dem betr. Entwürfe. 1) In Erwägung, daß die Rabbiner Deutschlands

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