Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 48 (1884)
- Issue
- Heft 23 (3.6.1884)
- Date
- 1884-06-03
- Page
- Seite 368 (sequence 12)
- Language
- German
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368 Leichenverstümmlung und in anderen Thatumständen gewisse! schien, als er in dem Träger des Sackes den Fleischer Analogien mit dem vielbesprochenen Falle in Ungarn heraus-! Behrendt aus Skurz zweifellos erkannte. zufinden glaubten, so konnte es nicht Wunder nehmen, daß die Antisemiten-Presse sich alsbald des Vorfalls bemächtigte und einen großen Lärm über den Skurzer „rituellen" Mord erhob. Ihre Berechtigung zu dieser denkwürdigen Anschuldigung sog diese Presse aus dem Umstande, daß ein Skurzer Jude Namens Josephs oh n als der That verdächtig eingezogen worden war. Da sich aber direkte Schuldbeweise Als er nun von der Ermordung des Knaben Cybula und der Auffindung der Leiche erfuhr, stieg ihm sofort der ganz bestimmte Verdacht auf, daß in dem Sack, den Behrendt bei der Begegnung mit ihm getragen, nicht ein Kalb, sondern die Leiche des ermordeten Knaben sich befunden habe. Dieser Verdacht wurde bei ihm zur Gewißheit durch den Umstand, daß in seiner Abwesenheit der Fleischer Behrendt nicht erbringen ließen und die Sache zu versumpfen drohte,; bei seiner Mutter vorsprach und sich erkundigte, ob ihr Sohn wurde vor etwa 6 Wochen seiten der Berliner Kriminal Polizei Herr Kommissarius Höft zu weiteren Recherchen nach Skurz abgeschickt. Ueber das überraschende Resultat dieser Recherchen berichtet uns nun unser Korrespondent in Preußisch-Stargard wie folgt: „Den Bemühungen des Kriminalkommissarius Höft aus Berlin ist es nunmehr gelungen, das Dunkel zu lichten, das Monate lang über dem vielbesprochenen Skurzer Knabenmorde lag: er hat anscheinend den wirklichen Thäter entdeckt, und zwar in der Person des katholischen Fleischers Joseph Behrendt aus Skurz. Der 33jährige B. ist verheirathet und Vater zweier Kinder. Das Motiv der That ist noch nicht völlig aufgeklärt; doch neigt man zu der Annahme, der Mord sei aus Fanatismus verübt, um die Juden, die hier an sich schon einen ungemein schwierigen Stand haben, unmöglich zu machen und aus der Gegend zu vertreiben. Für diese Auffassung sprechen verschiedene von B. früher gemachte Aeußerungen sowie auch der Umstand, daß B. der Erste war, der den Verdacht aus die Juden lenkte. Anläßlich einer Haussuchung beim Kaufmann Baß — einem gut beleumundeten, achtbaren Manne, den man als Komplicen des Josephsohn betrachtete und gleichfalls einige Zeit in Haft hielt — geberdete sich B. geradezu rabiat, bezeichnete das im Baß'schen Stalle gefundene Rinderblut als das Blut des „geschächteten" Knaben und erschöpfte sich in unfläthigen Schimpfereien auf die Juden. gegen ihn (B.) oder die Juden aussagen werde." Des Weiteren erschienen Abgesandte des B. bei ihm und machten ihm allerlei Versprechungen, wenn er aussagen würde, er habe in dem Mann mit dem Sacke nicht den Behrendt, sondern den Josephsohn — der dieselbe Figur hat — erkannt. Der Bursche ließ sich in der That bestimmen.und sagte gegen Josephsohn aus, während es den eindringlichen Ermahnungen Höfts gelang, ihn sowohl wie seine Mutter jetzt zur wahrheitsgemäßen Aussage zu bewegen. Behrendt leugnet zwar die Begegnung sowohl wie die That; bei der Gegenüberstellung aber haben Mutter und Sohn den Behrendt auf das Bestimmteste wiedererkannt und ihre Aussagen beschworen. Des Weiteren behauptete Behrendt, am Abende des Thattages (21. Januar) seine Wohnung nicht verlassen zu haben. Kommissar Höft hat aber zweifellos festgestellt, das; Behrendt gerade zu der Stunde, wo der später ermordete Knabe zuletzt auf der Straße gesehen worden, ausser Hause war. Die Verhaftung Behrendts erfolgte des Nachts durch Gendarmen im Beisein des ersten Staatsanwalts Martins aus Danzig und des Kommissars Höft. Wie geheim der Letztere übrigens seine Ermittelungen zu halten verstand, beweist der Umstand, daß Behrendt, ein brutaler, dem Trünke ergebener Mensch, keine Ahnung davon hatte, daß man gegen ihn vorgehe. Es mag ihm ja allerdings bei der längeren Anwesenheit Höfts in Skurz nicht ganz wohl gewesen sein, und man sprach von seiner Absicht,! in Kurzem nach Amerika, wo er schon einmal gewesen, zu- Merkwürdiger Weise hat gerade derjenige Zeuge, auf! rückzukehren. Aber er hatte keinerlei Fluchtvorbereitungen dessen frühere Aussage hin die Verhaftung des Josephsohn j getroffen und war von seiner Verhaftung offenbar aufs erfolgt war, jetzt auf die richtige Spur geführt, indem Herr Höchste überrascht und betroffen. So ist es denn der Berliner Höft ihn durch eindringliche Ermahnung dahin brachte, der Kriminal-Polizei abermals gelungen, durch die Findigkeit Wahrheit die Ehre zu geben. Dieser Zeuge, ein junger j eines ihrer tüchtigsten Beamten Licht in das unheimliche Arbeiter aus dem Nachbardorfe Kosche, war nämlich am > Dunkel eines lange Zeit verhüllten Verbrechens zu bringen 22. Januar Morgens gegen 6 Uhr wenige hundert Schritte j und die Gerichte auf die Spur zu leiten, vor Skurz, und ganz in der Nähe derjenigen Stelle, wo! .. drei Stunden später die Leiche des ermordeten Knaben ge- -—esterrelch-IUlgarn. funden wurde, einem Manne begegnet, der einen anscheinend! Wien, 21. Mai. Man schreibt der „K. Z."r „Nachschweren Sack auf dem Rücken trug. Die Umrisse des Sackes! dem die Wähler des sechsten Wahlbezirks die Wiederwahl brachten den Zeugen auf die Vermuthung, daß ein ge-! ihres langjährigen Vertreters Di-. Joseph Kopp aufgegeben schlachtetes Kalb darin sei, was um so wahrscheinlicher er-1 haben, wird sich in diesem Bezirk ein heftiger Wahlkampf