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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1884-05-27 · Heft 22 (27.5.1884) · p. Seite 353

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
48 (1884)
Issue
Heft 22 (27.5.1884)
Date
1884-05-27
Page
Seite 353 (sequence 13)
Language
German
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353 treten die Bekehrten alsbald zu einer andern Religionsge-^ Kirche obenan, sie entriß der römischen massenhafte Prosesellschaft über, die ihnen mehr greifbaren Bortheil bietet. > lyten. In den letzten Jahrzehnten aber, namentlich seit 1847 Die übrige directe Missionsthätigkeit geht durchweg daj das lateinische Patriarchat wieder hergestellt wurde, überwiegt rauf aus, Angehörige einer christlichen Kirche zu einer anderen j der Einfluß der römisch-katholischen Franciseaner. Diesen Kirche herüber§uziehen. Dabei sieht man denselben Grund- > fließen reichliche Geldspenden aus verschiedenen, im Laufe der satz herrschen, von dem wir oben sprachen, die Anwendung materieller Ueberredungsgründe. Ein einzelner aus dem Leben genommener Fall erklärt dies besser, als lange Auseinandersetzungen. Dreißig griechisch-orthodoxe Familien werden von den Türken um ihre Steuer gedrängt und bekehren Zeit wechselnden Theilen der Erde zu. Wie mir einer ihrer Vorsteher sagte, wird augenblicklich das Meiste in Süd- Amerika gesammelt und wäre die tägliche Ausgabe des Klosters für Berpflegungs- und Bekehrungszwecke auf über 2000 Fr. anzuschlagen. Dabei kämpfen die Patres freilich mit der sich zum Protestantismus, um den vermeintlichen Schutz der > Schwierigkeit, daß ihre moralischen Grundsätze strenger sind protestantischen Genossenschaft genießen zu können. Man! und schärfer gehandhabt werden, als die eoneurrirenden nimmt sie mit Freuden auf. Einige Zeit nachher drängen? griechischen Geistlichkeit — und das sagt den Proselyten nicht die Türken sie wieder um die Steuer. Ta gehen sie zum; zu, die an die laxe Formel-Frömmigkeit der orthodoxen Kirche Pfarrer und erklären: „Herr und Vater, jetzt ist es Zeit, daß gewöhnt sind. Aber sie setzen dem einen Eifer entgegen, der du unsere Schulden zahlst." Der Pfarrer antwortet: „Ich manches ausgleicht, und sie sind wegen der Unduldsamkeit, habe keine Mittel dazu", und acht Tage später waren mit welcher sie die Herrschaft über einmal Bekehrte festhalten, sämmliche dreißig Familien wieder in den Schoß ihrer von den Anstalten der anderen Kirchen gradezu gefürchtet." — früheren Kirche zurückgekehrt, nachdem der Patriarch der- Wenn der Correspondent und der geistliche Autor, den selben ihnen das verlangte Geld gegeben hatte. er citirt, von der „Unzuverlässigkeit" der Bekehrten sprechen. Wenn man hier Dutzende von derartigen Bekehruugsso findet dies auch auf die bekehrten Juden Awendung, von gcschichten erzählen hört, sinkt die Achtung vor dem sittlichen denen nicht wenige nach einiger Zeit wieder zum Judenthume Werth der Bekehrungen natürlich sehr. Damit der Leser zurückkehren. Sie sind auf beiden Seiten kein Gewinn — nur nicht etwa glaube, daß ich hier eine übereilte, aus Mangeldaß die Missionäre für sie viel Geld ausgeben, das Judenhafter Anschauung gebildete, persönliche Ansicht vortrage, thum aber nichts thut, um die Bekehrten toieder zurück zu laffe ich mein eigenes Urtheil ganz beiseite und führe einige erhalten. Anders steht es natürlich damit, daß von Seiten Sätze aus einer Quelle an, die alle denkbare Bürgschaft der Juden mehr geschehen müßte, um die Aermsien nicht bietet, sowohl was Erfahrung, wie das Wohlwollen gegen durch die Noth ihre Zuflucht zu den Missionären nehmen das Missionswerk im allgemeinen angeht. Lieentiat Or. zu lassen. Aber es ist fast unmöglich, dies in ausreichendem Reinicke, Pfarrer der evangelischen Gemeinde von Jerusalem, Maße ins Werk zu setzen, da die Masse der nach Jerusalem schreibt in der „Zeitschrift des deutschen Palästinavereins", strömenden armen Juden namenlich aus Rußland immer Band VI, Heft 1, Jahrgang 1883: „Unter den Bekcnnern größer wird, des Islams ist Mission bei der derzeitigen Sachlage eine factische Unmöglichkeit.Exclusiv und feindlich steht das Judenthum dem Christenthum gegenüber, und An- Altona, 18. April, knüpfungspunkte behufs Unterweisung in unserer Religion Der im Jahre 1870 verstorbene Benjamin Leja hat sind fast nur möglich, wenn christliche Barmherzigkeit an beaußer einem auf seine Kosten 1868 erbauten Stifte, welches drückten und nothleidenden Juden geübt worden ist.mit 60000 Mk. fundirt ist, noch eine zweite Schenkung ge- Tann heißt es nach einer Schilderung, welche ehrlich ausspricht, macht, von deren Zinsen zunächst ein zweites Stift errichtet daß die erwachsenen Bekehrten vom Geiste des Christenthums werden soll, welches zum ehrenden Andenken an des Stifters nichts Nennenswerthes erfassen: „Unter solchen Verhältnissen Vater „Joseph Leja-Stist" zu benennen ist. Es sollen hier muß an jeden, der mit der evangelischen Mission in Palästina ebenfalls Freiwohnungen u. a. für solche Personen geschaffen zu thun hat, die Frage herantreten: Soll man länger Gewerden, welche aus besseren Verhältnissen unverschuldet meinden von Erwachsenen pflegen, da dieselben ja, wie die zurückgekommen sind, die keineswegs von allen Existenzmitteln Erfahrung immer auf's Neue zeigt, durchaus unzuverlässig sind? entblößt, und denen vorzugsweise in der Befreiung von der Wir würden unbedingt mit Nein antworten, wenn nicht die Liebe Sorge um die Miethe eine große Erleichterung zu Theil Christi uns drängte, Niemand und nichts aufzugeben . . Wo die Verhältnisse so liegen, da richtet sich der Erwirb, ohne Unterschied der Confession in der Weise, daß bis zu einem Drittheile der Bewohner Israeliten, folg wesentlich nach der Summe der Geldmittel, welche die dagegen zwei Drittheile derselben christlicher Missionäre aufzuwenden haben. Ta stand früher die griechische Confession angehören müssen. Die Administration, be-

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