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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1884-05-27 · Heft 22 (27.5.1884) · p. Seite 351

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
48 (1884)
Issue
Heft 22 (27.5.1884)
Date
1884-05-27
Page
Seite 351 (sequence 11)
Language
German
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351 ist ctn reiches Leben, cm schönes Borbrld und für den Charakter unsrer Zeit ein wohlthuendes Zeugniß! — Geben wir zuerst Einiges über den Gang seines Lebens aus dem „Wochenblatt für Stadt und Kreis Leobschütz" vom 13. Mai. (Amtliches Organ): „Ein Mann, welcher durch seinen Lebenslauf den Beweis geliefert hat, daß man durch eifrige Thätigkeit und eisernen Fleiß Großes vermag, der Königliche Kommerzienrath und Ritter PP. Herr Benjamin Holländer, der Chef und Begründer der unter seiner Firma am Orte bestehenden Wollwaarenfabrik, ist gestern Nachts 2 Uhr im 70. Lebensjahr verschieden. Herr Kommerzienrath B. Holländer lvurde am 12. Februar 1808 zu Loslau geboren. Schon als 13jähriger Knabe verließ er das Haus seiner Eltern, welche sehr armj waren, und besuchte die Schule in Proßnitz in Mähren, später die Schule in Ratibor. Er hatte die Absicht, sich dem' Lehrfache zu widmen und studirte mit besonderem Eifer die althebräische Sprache und die talmudischen Wissenschaften,! in welchen er es zu hohen Kenntnissen brachte. Im Jahr 1830 gründete H. mit seinem Bruder I. Holländer eine Lehranstalt in Ratibor, mit welcher gleichzeitig ein Pensionat verbunden war, und es erfreute sich diese Anstalt, an welcher H. Unterricht in der französischen und hebräischen Sprache ertheilte, einer großen Frequenz. Nach zweijähriger Thätigkeit daselbst gab er jedoch das Lehrfach auf und übersiedelte nach Leobschütz, woselbst er sich dem kaufmännischen Fache widmete und ein Schnittwaarengeschäft errichtete. Hierselbst vermählte er sich bald darauf mit seiner ihm vor acht Jahren im Tode vorangegangenen Gattin Helene geb. Bruck. Im Jahre 1853 war durch einen österreichischen Weber die Kunst des Knüpfens nach Leobschütz gebracht worden. H. und der jetzige Kommerzienrath Teichmann ließen Versuche anstellen und nachdem diese zur Zufriedenheit ausgefallen, wurden einige Mädchen angelernt. Als mehrere Dutzend Hauben fertig waren, ging H. nach Leipzig zur Mesiezeit, um sie zu verkaufen. Die Waare fand Absatz und bald fand diese Industrie einen so großen Aufschwung, daß schon nach 2 Jahren gegen 150 Personen beschäftigt waren. Im Jahre 1855 gab daher H. sein Schnittwaarengeschäft, in welchem sein jetziger Schwiegersohn Herr S. Luft Nachfolger wurde, auf und widmete sich ausschließlich der Wollwaarenfabrikation. Diese von dem Verstorbenen und Herrn Kommerzienrath Teichmann ins Leben gerufene Industrie erwies sich im Lause der Zeit als ein großer Segen für unsere industriearme Gegend, indem dadurch die ärmere Bevölkerung einen lohnenden Erwerbszweig fand. Heute hat das Holländersche Fabrik- Etablisiement eine große Ausdehnung und steht in dieser Branche als eine hochgeachtete Firma da. Die diesbezüglichen Verdienste des Verstorbenen, seine umsichtige Leitung des Geschäfts und seine emsige Thätigkeit sind allgemein anerkannt, der beste Beweis hierfür ist der Erfolg, welchen er errungen. Die Anerkennung, welche ihm für seine Verdienste um die Industrie seitens der Kgl. Regierung zu Theil wurde, bestand in der Verleihung des Äronenordens IV. Klasse und in der Verleihung des Kommerzienraths-Titels im Jahre 1877; im Jahre 1870 erhielt er die Kriegsdenkmünze für freiwillige Krankenpflege. Doch auch seitens seiner Mitbürger fand er Anerkennung und wurde durch die Wahl zum Stadtverordneten, als welcher er 30 Jahre thätig war und durch die Wahl zum Senator resp. Stadtrath, welch' städtisches Ehrenamt er 10 Jahre bekleidete, geehrt. Sein sonstiges Jntereffe für die Allgemeinheit gab sich durch eine äußerst rege Thätigkeit in seiner Gemeinde und in den vielen Vereinen, deren Mitglied und zum Theil Begründer er war, zu erkennen. So war er seit vielen Jahren Vorsteher der Synagogen-Gemeinde, so war er Begründer des Bürger- Unterstützungsvereins (1848), in welchem er während desien 36jährigen Bestehens theils als Vorsitzender, theils als Rendant thätig war, ebenso war er Begründer des jüdischen Frauen-Unterstützungsvereins. Ferner sehen wir ihn als Mitglied oder Ehrenmitglied der meisten Vereine. So war er Ehrenmitglied des Männer-Turnvereins, des freiwilligen Feuerrettungs-Vereins, des Kaufmännischen Vereins, des Brüder-Bereins. Die größte Anerkennung seitens der Mitbürger gebührt aber dem Verstorbenen für seine Verdienste um die Armenpflege. Hier hat er sehr viel Gutes gethan, indem er verschiedene Stiftungen schuf, und auch sonst auf dem Felde der Privatwohlthätigkeit unermüdlich thätig war. Sein Hinscheiden wird daher besonders von den Armen sehr betrauert werden. — Der Verstorbene erreichte ein Alter von 75 Jahren 3 Monaten. Ein Schlaganfall, welcher ihn vor Jahren traf, hatte eine große Schwächung seiner körperlichen Kräfte zur Folge und führte ihn so allmählich dem Tode zu. Sein Krankenlager aber währte nur 3 Tage. Möge ihm, der sich um die Industrie am Orte so große Verdienste erworben, ihm, der so viel Gutes gestiftet, ihm dem Wohlthäter der Armen, die Erde leicht sein." Der Eifer Holländers für die religiösen Interessen seiner Glaubensgenoffenschaft führte ihn auch zu den Synoden nach Leipzig und Augsburg (186!) und 1871), an welchen er einen thätigen Antheil nahm und in deren Verhandlungen er mehrere Male in recht beredter Weise das Wort ergriff. Welche bedeutende Kenntniffe er im jüdischen Schristkhum besaß und wie gut er sich in hebräischer Sprache auszudrücken vermochte, legte er in einer den Fachgenossen rühmlich bekannten Schrift dar. Ueber die Beerdigung des Heimgegangenen entnehmen wir Folgendes demselben Blatte vom 15. Mai: „Am 14. d. M. Nachmittags 3 Uhr fand die Beerdigung des Königl. Kommerzienraths Herrn B. Holländer, Ritter pp.

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