Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 48 (1884)
- Issue
- Heft 22 (27.5.1884)
- Date
- 1884-05-27
- Page
- Seite 350 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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350 dischen Volksleben rühmlich bekannt gemacht hat, gab soeben einen Band ähnlicher Dichtungen heraus: „Aus dem jüdischen Leben. Novellen." (Eisenach, Selbstverlag, Commission von Kauffmann in Franks, a. M. 1884.) Den Band füllen drei Novellen: „Entgegengesetzte Strömungen, die Gevatterschaft, der Verdacht." Der Verf. kennt das jüdische Gemüthsleben und die mannichfaltigen Situationen und Conflicte, die aus den gegenwärtigen Verhältnissen der Juden entspringen, sehr wohl und weiß sie in interessanter Weise zu benutzen und in klarer, anschaulicher Sprache darzustellen. Ist auch der Aufbau seiner Dichtungen nicht immer ganz kunstgemäß und leidet hier und da etwas an Monotonie, so sind doch seine Schilderungen zutreffend und fesseln die Aufmerksamkeit seiner Leser. — Wir können deshalb diese Schrift zu anmuthender und belehrender Lectüre empfehlen. — Der Tod Eduard Laskers ist durck> die eigenthümlichen Ereignisse, die fast einem Conflikt zwischen zwei Großmächten gleichen, noch besonders im Bewußtsein der Menschen hervorgetreten und hat eine geschichtliche Bedeutung erlangt. Um so willkommener ist die Veröffentlichung aller der Kundgebungen, die jenseits und diesseits des Oceans stattgefundcn. Hierzu gehören ganz besonders: „Geistliche Reden, gehalten am 28. Januar 1884 an der Bahre des Reichstagsabgeordneten Eduard Lasker von vr. P. P. Frankl und vr. S. Maybaum. (Berlin, Jacobsthal, 1884.)" Diese Reden, die, wie allgemein ausgesprochen wurde, einen tiefen Eindruck auf die Zuhörer machten, verdienen die volle Aufmerksamkeit durch Inhalt wie Form. Es waltet'darin der echte religiöse und sittliche Geist und die Auffassung des schweren Verlustes ist ebenso sinnig wie gemüthvoll. — „Der Israelitische Gemeinde-Gesang. Fünf populäre Borträge zur Cultusfrage. Herausgegeben von B. Jacobsohn, Cantor und Lehrer in Leipzig. (Leipzig, Baumgärtner, 1884.)" Der Verf. behandelt in fünf Aufsätzen „Die Liturgie als Unterrichtsgegenstand in der Religionsschule", wobei er unter Liturgie besonders die Behandlung des Siddurs bei dem Religionsunterrichte versteht; „die Bedeutung des liturgischen Chorgesangs und seine Pflege in der Religionsschule", „der religiöse Gesang in Synagoge, Schule und Haus", „Lewandowski's Verdienste um den synagogalen Gesang", endlich „der Israelitische Gemeindegesang und das Gemeinde-Gesangbuch Schire beth Jaacob". Er wirft hierbei Blicke auf den früheren und gegenwärtigen Zustand des Synagogengesanges und auf die Geschichte der Entwickelung und Neugestaltung desselben in unsrer Zeit und macht Vorschläge zu dessen weiterem Fortschritt, den er namentlich durch die engere Verbindung von Synagoge und Schule erreichen will. Wir brauchen nicht zu sagen, daß Alles, was auf diesem Gebiete zur Belebung und Hebung des Kultus geschieht, voller Aufmerksamkeit würdig ist. Der Verf. giebt hier mannichsache Anregungen, die in den betreffenden Kreisen Beachtung finden werden. — „Der Socialismus und die jüdische Weltanschauung. Vortrag, gehalten am 16. Februar 1884 im „Vereine zur Verbreitung der Wissenschaft" in Prag von vr. M. L. Stern, Rabb. in MährischKronau. (Prag, Brand eis, 1884.)" Der Redner unterscheidet zwischen „dem Princip und dem Endziel" des Socialismus, jenes billigt, dieses verwirft er. Wir glauben, daß das „Endziel" keine ganz richtige Bezeichnung ist, indem der Verf. darunter die Mittel und Wege versteht, welche der Socialismus zur Verwirklichung seines Princips einschlagen will, und wodurch nur ein Niedergang aller menschlichen Gesittung und eine endlose Verwirrung entstehen würde. Der Verf. bezeichnet deshalb die Bibel als theils socialiftisch, theils antisocialistisch, schon durch die Heiligung des Eigenthums. Völlig antisocialistisch erscheint ihm der Talmud. Wir gestehen gern zu, daß der Redner viele schöne Dinge und diese recht schön gesagt habe. Aber was er aus Bibel und Talmud anführt, giebt nur sehr oberflächliche Züge, ohne ein zutreffendes und genaues Bild zu entwerfen. Die Frage, inwieweit Bibel und Talmud dem Socialismus nahestehen, oder ihn bestreiten, ist hier nicht gelöst und bedarf einer tieferen und gründlicheren Erörterung. Feuilleton. Lenjamin Holländer. tüchtigen Scharfblick aus ärmlichen Verhältnissen heraus eine Zn die Galerie jüdischer Zeitgenossen haben wir wieder- Industrie schaffen, welche der ganzen Gegend zum Segen um einen Namen von bestem Klang einzuzeichnen, den in gereicht; wir sehen ihn dann als Bürger in der Commune diesen letzten Tagen der Tod aus unsren Reihen hinweggeviele Jahrzehnte angestrengt wirken, viele Ehrenämter geführt. Allerdings war es nicht das größere Welttheater, auf wissenhaft bekleiden und wohlthätige Veranstaltungen gründen; welchem der Mann, den wir beklagen, eine Rolle zu überwir sehen ihn aber auch als Glaubensgenosse treu und eifrig nehmen gehabt hätte. Aber in dem begrenzten Kreise, in der Religion seiner Väter anhangen, an der Spitze der welchem er thätig zu sein berufen war, hat er so reiche jüdischen Gemeinde-Verwaltung stehen, und selbst dem Stn- Tugenden entfaltet, so viele Verdienste sich erworben, daß dium der alten und der neuen jüdischen Literatur obliegen ihm ein ehrendes Denkmal auch an dieser Stelle gebührt, und dabei fest auf dem Boden des Historischen stehend, das Wir sehen hier einen Mann durch unermüdlichen Fleiß und Bedürfniß der Jetztzeit und der Neugestaltung anerkennend.