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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1884-05-27 · Heft 22 (27.5.1884) · p. Seite 346

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
48 (1884)
Issue
Heft 22 (27.5.1884)
Date
1884-05-27
Page
Seite 346 (sequence 6)
Language
German
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346 Deutschland. Berlin, 13. Mai. (Privatmitth.) In der gestrigen Sitzung des deutschen Reichstages hatte, nachdem die Verlängerung des Sozialistengesetzes durch die Mehrheit angenommen worden, Di-. Windhorst eine Resolution eingebracht, daß zur Bekämpfung der Socialdemokratie überall die Hemmnisse beseitigt werden, welche die verschiedenen Religionsgemeinschaften in der freien und ungeschmälerten Wirksamkeit hindern oder beengen." Flugs eilte der Abg. Stöcker dem Beispiel des Centrumssührers zu folgen und beantragte eine Resolution: „Die sittlich-religiösen Mächte eines lebendigen Christeuthums" anzuwenden, indem „die christlichen Kirchen Zcitiiwyywcictjzicßt'evv. | ^Öattftcrö Arnstedt führte. R.-A. Muukel als Vertheidiger bestritt zwar, daß von einer Beleidigung hier die Rede sein könne, da das Wort Antisemit an sich doch nicht beleidigend sei. denn sonst würden sich doch nicht manche Leute mit besonderem Stolze Antisemiten nennen. In der Sache selbst habe der Angeklagte nur in ganz berechtigter Weise die Consequenzen gezogen, die sich aus dem Vorgehen der Antisemiten ergeben. Ter Gerichtshof war aber der Meinung, daß sich aus der ganzen Situation und noch mehr aus den Worten, die der Angeklagte zur Erläuterung schriftlich hinzugefügt. die beleidigende Absicht ergebe und er verurtheilte ihn deshalb zu 50 Mk. Geldbuße event. 5 Tagen Gefängniß. (Wie schon mehrere Male hat also auch dies Mal das Gein der ungehemmten Entfaltung ihrer Lebenskräfte gefctjü^t J rxcfjt das Beiwort „Antisemit", aus einen Einzelnen auge- und gefördert werden." Ihm antwortetete I)r. Meyer (Jena) ■ wandt, für eine Beleidigung erklärt. Damit können wir — kein Jude — unter Anderem: „Die Sorte Christenthum, > schon zufrieden sein. Wenn sich viele mit Nachdruck selbst die Stöcker in seiner antisemitischen Agitation predige, sei Antisemit nennen, so ist dies also eine Selbstbelcidigung. gar wenig geeignet, soziale Gegensätze zu überbrücken. (Sehr die aber bekanntlich dem Strafgesetz nicht anhcimfällt.) wahr', links.") vr. Wendt verwirft jedes „Staatskirchenthum,! — Daß in Berlin die rohen Ausbrüche des Antisemijede privilegirte Kirche". Die Herren sollten „doch nicht tismus noch nicht ganz aufgehört haben, beweist folgender immer Religion und Kirche verwechseln!" Richter (Hagen)! Bericht: Im Caf^ Central kam es in der Nacht vom Sonnbemerkt unter Anderem: „Ich möchte einmal sehen, wenn abend zum Sonntag zu einer argen Rauferei. Es wird wir gegen Herrn Stöcker und seine Tendenzen ein ähnliches Gesetz (wie das Sozialistengesetz) und einen ähnlichen Belagerungszustand machten, wie viele dann um ihn noch übrig uns darüber folgendes berichtet: Etwa um 1 */-2 Uhr betrat eine Gesellschaft von etwa 30 Personen, meistentheils schon im vorgeschrittenen Lebensalter stehend und anscheinend dem blieben, oder wenn der Glaube erlischt, daß man seinen! Stande der Handwerker oder kleinen Gewerbtreibenden ange- (antisemitischen) Bestrebungen höheren Orts mit Wohlwollenhörig, darunter jedoch auch einzelne Unterbeamte, das Caft. der Neutralität gegenübersteht. (Sehr richtig! links.)" Der! Alsbald begannen dieselben die etwa aus 15 Herren, da- Antrag Windthorsts wird mit 1870 gegen 115 Stimmen runter einzelne jüdische Kaufleute, bestehende Gesellschaft, die abgelchnt. Die Abstimmung über Stöckers Resolution gef>t| unter großer Heiterkeit der Linken vor sich, da nur eine Ansich noch im Lokal befand, mit beschimpfenden Ausdrücken antisemitischer Tendenz zu haranguiren. Die Repliken blieben zahl von Deutsch-Conservativen dafür stimmen, sie also mit > nicht aus und es schritten nun die Provocateure zu Thätlichgroßer Majorität verworfen wird. j keiten. Es entwickelte sich ein Kampf mit Stöcken, Regcn- — „Zurück an den Antisemiten Gerold!" Mit dieser > schirmen und selbst Stühlen, der jedoch unr kurze Zeit währte. Aufschrift sandte der Bankier Arnstedt ein Circular zurück,! Ter stämmige Hausportier — weder Wirth noch Kellner welches der bekannte Colonialwaarenhändler Gerold, Unter! haben sich betheiligt — warf sich ins Mittel, indem er sich den Linden, ihm zugesandt hatte. Die Post verweigerte in > als wirksamer Waffe eines Kautschukschlauchcs bediente. Es dieser Form die Annahme der Rücksendung und nun packte Herr A. das Circular mit jenem Vermerk in ein Couvert gelang demselben rasch die Hausfriedensstörer aus dem Lokal auf die Straße zu befördern, wo herbeigerufene Nachtwächter und schickte es Hrn. Gerold mit dem Bemerken zu, daß die I und ein Schutzmann dieselben sistirten und zur Wache brachten. Herren, die da die Parole ausgäben: Kauft bei keinem Juden!" diesen Ruf doch auch nun consequenter Weise dahin ausdehncn sollten, daß sie keinen Juden per Cirkular aufforderten, bei ihnen zu kaufen. Die oben angeführte Bemerkung auf dem Kreuzband hielt Herr Gerold um so mehr für eine Beleidigung, als die Retoursendung offen der Post übergeben worden war und es entwickelte sich daraus eine Privatbeleidigungsklage, die auch zur Verurtheilung des Sein Nachspiel wird diese antisemitische Friedensstörung vor den Gerichten noch erfahren. Am übelsten ist dabei ein Schuhmachcrmeister gefahren, der mit der scharfen Kante eines Stuhlbeines einen Hieb über den Kopf erhielt, wodurch ihm eine klaffende Wunde quer über den Bordcrkopf beigebracht wurde. Die Zunähung der Wunde wurde in einer Sanitätswache bewirkt. Pr. Stargard, 12. Mai. In dem nahen Skurcz ist

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