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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1884-05-27 · Heft 22 (27.5.1884) · p. Seite 345

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
48 (1884)
Issue
Heft 22 (27.5.1884)
Date
1884-05-27
Page
Seite 345 (sequence 5)
Language
German
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345 Literarischer Wochenbericht. I Bonn, 18. Mai. Wir wollen heute zunächst eines trefflichen Schulwerkes erwähnen, das bereits in einer größeren Anzahl Auflagen erschienen, in vielen österreichischen Schulen eingeführt ist und auch den deutschen Schulen empfohlen' werden muß: „Die Geschichte Israels für die israelitische Jugend." Bearbeitet von vr. G. Wolf, Jnspeetor für den israelitischen Religionsunterricht in den Volks-, Bürger- und j Mittelschulen Wiens. (Wien, Hölder). Das Werk besteht; aus 4 Heften; das erste (8. unveränderte Aust. 1883) befaßt j die biblische Geschichte bis zum Tode Mose's, das zweite; (7. verbesserte Aust. 1882) bis zum Tode Salomos: das dritte (7. unveränderte Aust. 1*84) endet mit der Zerstörung Jerusalems durch die Römer; das vierte endlich (6. verbesserte Aust. 1*84) fügt als „Anhang" einen „kurzen Abriß der Geschichte der Juden feit der Zerstörung des zweiten Tempels bis auf die neueste Zeit" hinzu. Sowohl die Auswahl des Stoffes aus der biblischen Geschichte, als auch der dem biblischen Erzählerton sich nähernde, aber durchaus ungekünstelte Ausdruck machen die drei ersten Hefte für die Jugend nutzbar und anziehend. Was den Anhang betrifft, so weiß Jeder, wie schwierig es ist, die nachbiblische Geschichte der Juden in einen kurzgefaßtcn Abriß zu bringen, da von der einen Seite ein ungeheures Material aus allen Ländern, von der anderen Seite die vielfache Gleichförmigkeit einen sehr spröden Stoff für die Darstellung bietet. Der Vers, hat es verstanden, diese Schwierigkeiten zu überwinden und dabei auch auf die oft lebhafte Geistesbewegung hinzuweisen. Bei weiterer Bearbeitung wird es dem Vers, auch gelingen, die neuere Zeit etwas prägnanter und umfänglicher zu schildern. So sei dieses schöne Werk den Freunden unsrer Jugend dringend empfohlen. — In diesen Tagen erschien der erste Theil (S. 83) von 'z. Das Buch über die Elemente. Ein Beitrag zur jüdischen Religionsphilosophie des Mittelalters von Isaak b. Salomon Israeli nach dem aus dem Arabischen ins Hebräische übersetzten Texte von Abraham b. Samuel Halevi Jbn Chasdai aus einer Handschrift der Universitäts-Bibliothek zu Leyden mit Vergleichung einer anderen der Kgl. Hof- und Staatsbibliothek zu München u. a. m. zum ersten Mal herausgegeben, ins Deutsche übersetzt und mit Anmerkungen, sowie mit einer biographischen Einleitung versehen von vr. Salomon Fried, Rabbiner in Anhalt - Bernburz. 1. Einleitender Theil. Leipzig, W. Drugulin. 1884. Wir legen auf diese Schrift einen nicht geringen Werth und zwar besonders weil sie einen, sonst minder beachteten jüdischen Geisteshelden in das geschichtliche Bewußtsein zurückruft, der dies in hohem Grade verdient. Denn dieser Israeli mar sowohl der eigentliche Begründer der jüdischen Religionsphilosophie, so daß von ihm und nicht erst von Saadia dieselbe zu datiren ist, sondern auch sehr wesentlich an der arabischen Medizin und deren wissenschaftlichen Gestaltung betheiligt. Er, den schon Kurt Sprengel in seiner Geschichte der Medizin den besten Diätetiker der Araber nennt, gereicht demnach zu einem abermaligen Beweise, welchen thatkräftigen Antheil die Juden an der Grundlegung der arabischen Wiffenschaft und an deren Fortbildung haben. -Die Lebensverhältniffe des Isaak ben Salomon oder wie er fich arabisch nennt Abu Jacub b. Soleiman Al-Jsraeli sind sehr dürftig bekannt. Der Berf.^ des vorliegenden Buches bethätigt vielen Fleiß und gu^e Sachkenntniß, um das zusammenzutragen, was über ihn noch vorhanden ist. Nach der Forschung desselben ist unser Israeli 854 nach der gew. Ztr. in Egypten geboren und da er über 100 Jahre lebte, seine Todeszeit auf etwa 055 zu bestimmen. Wahrscheinlich begab er sich frühzeitig nach Bagdad, um Schüler des Isaak b. Amram zu werden, wo er also besonders dem Studium der Medizin oblag. Nach seinem Heimathlandc zurückgekehrt, wirkteer dort als Augenarzt bis gegen 004 mit großem Erfolge., Bon da ab wurde er in Kainruan Leibarzt des Fürsten, und alle folgenden Fürsten behielten ihn als ihren Leibarzt bei, was für sein hohes Ansehen als Arzt ein beredtes Zeugniß giebt. Auf den Wunsch; des Fürsten Ubaid-Allah schrieb Israeli jene bahnbrechenden medizinischen Werke, die ihm einen Ehrenplatz in der Geschichte der Medizin sichern. Dabei entfaltete er eine außerordentliche Lehrthätigkeit und sammelte um sich einen Kreis tüchtiger Schüler. Es werden unter diesen Juden und Mohamedaner genannt. Israeli blieb unverehelicht und zeigte auf seine Schriften als seine echten Kinder hin. Ein nicht minderes Verdienst erwarb er sich durch seine Anregung zn wissenschaftlicher Auffaffnng des Judenthums, und wenn seine philosophischen Schriften nicht auf der Höhe seiner literarischen Leistungen für die Medizin stehen, so waren sie doch von dem Gedanken durchdrungen, Philosophie und Religion in Einklang zu bringen, und auch auf diesem Gebiete wirkte er bedeutend auf die Araber ein. Auch mit der hebräischen Sprachwissenschaft, mit Bibelexegese, beschäftigte er sich wie mit der Astronomie und deren Hülfswiffenschaftcn. So war Israeli einer der Männer jener Zeit, deren geistige Beschäs tigung und Thätigkeit eine universelle war. Herr Di-. Fried giebt dann eine Analyse der Schriften Israelis und charak terisirt deren Uebersetzungen. So befaßt dieser erste Theil alles Einleitende und wird der zweite Theil den Text des Buches über die Elemente, die deutsche Uebersetzung und Anmerkungen enthalten. Wir würden uns freuen, ihn bald in unseren Händen zu haben.

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