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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1884-05-20 · Heft 21 (20.5.1884) · p. Seite 336

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
48 (1884)
Issue
Heft 21 (20.5.1884)
Date
1884-05-20
Page
Seite 336 (sequence 12)
Language
German
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336 An mehreren Orten spielte dabei die Blutbeschuldigung ihre | Rolle. Die Verschwundenen fanden sich stets nach einigen > Tagen wieder, doch war damit den geschädigten Juden Wenigs geholfen. Hierzu kommen nun die strengen Ausnahmegesetze,! welche zum Theil vergessen, jetzt wieder erneuert und streng! gehandhabt werden. Unter dem Gouverneur von Berg war - die Bestimmung erflosscn, daß höchstens ein Viertel der Be-! amten Polen seien, Juden aber gar nicht als solche angestclltj werden sollten. Mit der Zeit war diese Verordnung außer Beachtung gekommen. Jetzt ist sie wieder eingeschärft worden. — Gleichzeitig mit dem Projekte eines neuen Gesetzes über den Handel mit Getränken der Juden, namentlich in Polen, soll, nach Meldung des „Rußki Kurier" aus Petersburg, dem Reichsrath ein Projekt von neuen Vorschriften, welche die Strafen gegen die jüdischen sowohl als die christlichen Schanker verschärfen, vorgelegt werden, 1. Für den Verkauf von Getränken aus Credit, gegen Pfand oder für Tausch gegen Sachen; 2. für die Erlaubniß von verbotenen Spielen und Unanständigkeiten; 3. für den Verkauf von Getränken an Betrunkene und Unmündige. Im ersten Falle sind Strafen in der Höhe bei Juden von 50 Rubel, bei Christen von 25 Rubel fürs erste Mal; 100 Rubel oder Arrest bis zu einem Monat bei Juden, bei Christen 50 Rubel oder 15 Tage Arrest fürs zweite Mal; für die Uebertrctung der Nr. 2 bei Juden von 50—100 Rbl. Geldstrafe und Abnahme des Patents, bei Christen bloß die Abnahme des Patents; sür das Vergehen gegen Nr. 3 sollen die Schuldigen zur strasgerichtlichcn Verantwortung gezogen werden. — An sich wird man gegen diese Bestimmungen nichts einwenden können;! aber warum gegen die Juden härtere Strafen als gegen die Christen? Moses Feinkind, j Mariampol, 6. Mai. Das Bezirksgericht hat von den, wegen der Ausschreitungen gegen die Juden in Preny Angeklagten 21 für schuldig erkannt, dieselben sollen jedoch auf | Grund des Manifestes vom 27. Mai v. I. von der Strafe befreit bleiben; weitere 10 Angeklagte wurden freigesprochen. Bulgarien. Silistria, im April. Das bulgarische Journal Brastro, das Organ der bulgarischen Regierung, veröffentlicht im Lause des Monats März Folgendes: „Man schreibt uns aus Silistrien: Eine neue Synagoge ist jetzt in dieser Stadt eingeweiht worden. Bei dieser Gelegenheit wohnten die höheren Offiziere der Garnison, die hauptsächlichen Notablen der verschiedenen Gemeinden mit ihren Frauen, die Civil- und Militairbehörden der Ceremonie bei, zu welcher die Militairmusik spielte. Ein Bataillon Infanterie that den Ehrendienst. Die Synagoge wurde durch den Oberstlieutenant, den obersten Commandanten der Stadt, geöffnet. Nach der Ceremonie der Einweihung hielt der Rabbiner Abraham Levy eine Rede, in welcher er die wärmsten Wünsche für das Gedeihen Bulgariens aussprach. Der bulgarische Poze der Stadt, Herr Roussi, bestieg alsdann die Kanzel und übersetzte ins Bulgarische die Ansprache des Rabbiners. Beifall begleitete diese Worte. Die Versammlung ließ die Rufe ertönen: es lebe die bulgarische Nation! Es lebe die israelitische Bevölkerung! Zahlreiche Bulgaren spendeten der Synagoge Geschenke, die Einen Lampen, die Anderen Geld u. s. w. Es ist eine große Befriedigung für uns, zu sehen, wie die Vorurtheile, welche noch zwischen den Nationalitäten und den Confcssionen bestehen, nach und nach aus unserer Mitte verschwinden, wie der Fanatismus erlischt und wie die Eintracht unter den Bürgern unseres Landes herrscht, ohne Unterschied der Race oder des Cultus." Bonn, 11. Mai. (Notizen.) Man schreibt aus Luxemburg: Am 5. Mai ward, bei Sturm und Regen, der neue israelitische Friedhof auf Bellevue inaugnrirt, mit der Bestattung der Leiche eines geachteten Industriellen, des Hrn. I. Bloc, Handschuhfabrikant zu Luxemburg. Dem Sarge folgten eine Menge Bürger der Stadt. Vor demselben schritten die Arbeiter der Fabrik, die in dem Verstorbenen einen humanen Patron verlieren, dessen gute Eigcni schäften sie zu schätzen gewußt haben. Einer der ältesten Arbeiter, der Werkmeister Hr. Schwarz, sprach am Grabe einige Worte, die wir nachstehend wicdergeben: „Meine Herren! Es geziemt sich sicher einem alten Arbeiter aus der Handschuhsabrik des Herrn Gabriel Meyer, im Namen aller seiner Kameraden, einem der Chefs dieses Hauses, dem ältesten der Luxemburger Handschuhverfertiger, ein letztes Lebewohl zu sagen. Nie, das wage ich zu behaupten, wurde ein Leben ehrenhafter durchgeführt; obgleich Patron hat man ihn nie uuthätig gesehen, immer der Erste und der Letzte bei der Arbeit, so hat er seinen Arbeitern das Beispiel gegeben und hat ihnen diesen Respekt und diese Achtung eingeflößt, welche ich aus tiefstem Herzen von diesem Grabe aussprcche. Wir haben leider den Typus des Ehrenmannes, das Vorbilv, das sich alle Arbeiter zum Muster nehmen sollten, um einst so wie er geehrt und beweint zu werden, verloren. Bloc, zu Luneville in Frankreich geboren, ist um das Jahr 1633 nach Luxemburg gekommen, um dort seine Lehrjahre zu halten, das sind mehr als 50 Jahre her; als ein bescheidener Arbeiter von vorzüglicher Führung, legte er noch Ersparniffc i von seinem geringen Salair zurück. Später wurde er Werkmeister im Hause De Marie et Barrot in dieser Stadt, vollzog eine ehrenhafte Heirath und erreichte durch seine Tugenden und sein Talent eine der geachtetsten industriellen Stellungen. Sie Alle, die mich hören. Sie wiffen wie wohlthätig und sanft er gegen alle seine Untergebenen war. Seine trauernde Gattin, seine betrübten Kinder haben in ihm, als

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