Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 48 (1884)
- Issue
- Heft 21 (20.5.1884)
- Date
- 1884-05-20
- Page
- Seite 335 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3227501-3227523--41740-3310240- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Oradea 4× ep/1002404
- Odesa 1× ep/1000834
OCR text
335 von großer Begabung und eine Capacität ersten Ranges auf dem Gebiete der Administration (er ist seit Jahrzehnten Budgetreferent im Gemeinderath der Residenz), überdies aber besitzt er ein warmes Herz und regen Eifer für jüdische Angelegenheiten. Zum Vicepräses ward der Herr kaiserl. Rath Arminio Cohn gewählt. Von ihm gilt das Wort z':r:r: ”dd”. In Folge der lange Zeit andauernden Krankheit des verewigten Kuranda, hat da und dort der Geschäftsgang gestockt. Es wird wohl jetzt ein rascheres Tempo eintreten, um das Versäumte nachzuholen. Pest, 6. Mai. (Privatmitth.) Bekanntlich ist der Ministerpräsident Tißa in Groß-Wardein geboren und vertritt seine Vaterstadt im Abgeordnetenhause. Neuerdings langte eine große Wähler-Deputation der Groß-Wardeiner in Pest an, um Herrn Koloman Tißa das Ersuchen zu überbringen, auch im nächsten Parlament Groß-Wardein zu vertreten. Nach das Erscheinen des Abgeordneten-Kandidaten aufmerksam gemacht, sich versammelt hatte. Hier hielt vor Allem Jstoczy eine Ansprache, in welcher er seinen Jünger, den Baron Andreanßky, den Wählern auf das Wärmste empfahl und betonte, er brauche seine Prinzipien nicht auseinanderzusetzen, da dieselben aus den Zeitungen zur Genüge bekannt seien. Nun betrat Baron Andreanßky die Tribüne und verlas von einem Papier stotternd seine Kandidatenrede, in welcher er ausschließlich gegen die schlechte Wirthschaft der Regierung loszog, durch welche sie in die Hände von Wucherern, der Rothschilds, gerathen sei. Zum Schluffe ergriff Badnay das Wort, um sowohl auf die Regierung, wie auf die Juden zu schimpfen. „Zeigen wir — rief er aus —, daß dieser Boden uns gehört; wir haben ihn mit unserem Blute erkämpft, nnd daß nicht die eingewanderten Juden unsere Herren werden." In diesem Tone wollte er fortfahren, wurde jedoch von dem dem Empfange der großen Wähler-Deputation überreichte eine,j hiesigen jungen Lederhändler Ludwig Elkan und Anderen unter Führung des Herrn Salomon Löw, aus den Herren! unterbrochen. Ersterer sagte: „Wir sind eingeborene, gute Isidor Ullmann, Ignaz Adler, Ignaz Roos, Moriz Aufrecht! ungarische Staatsbürger; bisher hat hier Eintracht geherrscht und Anton Schwarz bestehende Deputation dem Minister-! zwischen den Konfessionen; solche Anfeindungen haben keinen Präsidenten das Diplom eines Ehrenmitgliedes der Groß-§ anderen Zweck, als Entzweiung und Verwirrung herbeizu- Wardeiner „Chewra Kadischa". Der in Groß-Wardein —! führen." Badnay sah sich in Folge der Unterbrechung gesagte der Sprecher — seit 153 Jahren ausschließlich mit i zwungen, seine Rede zu beendigen, doch zeigte er an, daß Aufgaben der Wohlthätigkcit sich befassende israelitische heilige sie am Sonntag, 18. d., wiederkommen werden, und erhoffe, Verein hat in seiner, am 13. v. M. abgehaltenen General-l daß dann die „Prinzipiengenossen" besser vertreten sein Versammlung, durchdrungen von der begeisterten Anhänglich-! werden. Damit war die „Wähler-Konferenz" zu Ende. Elkan fett, welche die Bewohner unseres geliebten Vaterlandes, namentlich aber die der Stadt Groß-Wardein für Ew. Exzellenz hegen, als schwachen, aber tiefgefühlten Ausdruck unserer innigen Liebe und Verehrung Ew. Exzellenz zum Ehrenmitgliede gewählt und uns wurde die große Ehre zu haben, zu reuffiren. Theil, Ew. Exzellenz zu bitten, unsere Huldigung annehmen zu wollen. Gestatten Ew. Exzellenz daher, daß wir das Ehrendiplom überreichen dürfen mit dem zum Himmel ge wurde wegen seiner Rede vom Richter, welcher Badnay applaudirte, aus dem Gemeindehause gewiesen. Zum Schluffe sei erwähnt, daß die Bevölkerung unseres Bezirkes eine besonnene ist und daß die Antisemiten hier keine Aussicht Rußland. Aus Polen, 0. Mai. (Privatmitth.) Neben der außerrichtcten Flehen, daß die Vorsehung Ew. Exzellenz zum Heile ordentlichen Arbeitslosigkeit, welche im russischen Polen, naunsercs Vaterlandes und zum Stolze Groß-Wardeins, Ihrer mentlich in Warschau, Lodz und in anderen Städten die Vaterstadt, noch lange in voller Kraft erhalten möge." jüdischen Arbeiter betroffen hat, und von dem größten Elend (Eljenruse.) — Ministerpräsident Tißa dankte für die Ausbegleitet ist, spielen die Hetzereien der antisemitischen Zei- Zeichnung, indem er der Ueberzeugung Ausdruck gab, daß tungen, die Excesse und die Verbote und Beschränkungen eine die israelitischen Bürger von Groß-Wardein sich stets durch grausame Rolle. Wenn auch die Excesse schließlich von der ihren Patriotismus auszeichneten. Polizei unterdrückt werden, so geschieht dies doch nur immer, — Aus Pinczehely (Tolnaer Komitat), wird dem nachdem eine Zeit lang Läden und Häuser der Juden ge- „Pester Journ." unter dem 3. ds. geschrieben: Am Freiplündert, die Juden mißhandelt und ihnen großer Schaden tag Nachmittag trafen Viktor Jstoczy, Baron Gabriel zugefügt worden. So jüngst in Worosmidien, Rossirin, Andreanßky und Andor Badnay hier ein, um für die Kandidatur Bochnut, (wo der Schaden sich auf 50,000 Rubel belief) und Andreanßky's Propaganda zu machen. Sie begaben sich zuin Odessa. Es werden allerdings hernach die vorzüglichsten nächst zum Pfarrer, der, ein menschenfreundlicher, humaner Excedenten und Agitatoren verhaftet und zum Theil dem Mann, ihnen eben keinen freundlichen Empfang bereitete. Strafgericht übergeben. Hierüber aber tröstet sich die Menge Die Herren verfügten sich sodann in das Gemeindehaus, wo mit den von ihr geraubten Gegenständen, und da den Juden eine geringe Zahl von Bürgern', durch Trommelwirbel aus > keinerlei Ersatz geleistet wird, verarmen diese immer mehr. 21*