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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1884-05-20 · Heft 21 (20.5.1884) · p. Seite 334

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
48 (1884)
Issue
Heft 21 (20.5.1884)
Date
1884-05-20
Page
Seite 334 (sequence 10)
Language
German
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334 bolz. Meine Ländereien stoßen unmittelbar an Nadelwald. Wenn dort eine solche Kinderheilanstalt eingerichtet würde, so bin ich bereit, dazu 2 Morgen Land zu schenken, wäre auch geneigt, gegen solide Entschädigung, die Beaufsichtigung der Kinder zu übernehmen. Für meine Befähigung dazu kann ich Zeugniß von der Stralsunder jüdischen Gemeinde beibringen, wo ich früher gewohnt." Vom Rheine, im Mai. (Privatmitth.) Nachdem das antisemitische Handwerk in Berlin nicht mehr vorangeht, sucht man wieder in den Provinzen möglichst kleine Anhaltspunkte zu finden, von denen man weiter wühlen könnte. So hat sich in Bochum ein kleiner „Patriotischer (d. h. antisemitischer) Verein" gebildet und holte sich, wie schon berichtet worden, um Propaganda zu machen, den bekannten Max Liebermann v. Sonnenberg als Redner aus Berlin. Daß diesem auch in Bochum keine Lorbeeren wuchsen und daß er in Dortmund völlig Fiasco gemacht, ist schon berichtet worden. Jetzt ist seine Rede gedruckt erschienen und das Antisemitenblatt „Westfälische Reform" trompetet deren Verdienste und Herrlichkeiten aus. Die Quintessenz dieser Rede, die nichts als die alten Redensarten gegen die Juden zum hundertsten Male wiederkäut, besteht in den Sätzen: Kauft nichts bei den Juden und verkauft nichts an Juden, und schafft die „Westfälische Reform" und meine (Liebermanns) „Deutsche Volkszeitung" an, die er seinen Zuhörern als „billig" anpreist. Darauf läuft auch die ganze Weisheit der „Westfälischen Reform" hinaus und wir ersehen hieraus nur, daß es mit der Verbreitung und den Finanzen dieser Blätter schlecht steht. Colmar, im Mai. Bon hier wird berichtet: Unser Rabbiner-Seminar, das Mühe gehabt, sich zu organisiren, blüht jetzt vollständig aus. Dank der Unterstützung der deutschen Regierung von 10,000 Fr. und den auf den Etat übernommenen Beiträgen der elsässischen Gemeinden, ist allen Bedürfnissen der Anstalt genügt. Besucht von 18 Zöglingen, die fast alle sich zum Rabbinat ausbilden wollen und die ersten Plätze im hiesigen Lyceum einnehmen, scheint das Seminar einer schönen Zukunft entgegen zu gehen. Esten, 11. Mai. (Privatmitth.) Drei Größen in Israel. Nur wenige Monate noch und von allen intelligenten jüdischen Gemeinden, jüdischen Körperschaften, Privaten und den vielen Tausenden, denen er ein ysns war, wird der 100. Geburtstag jenes großen Philanthropen an der Themse gefeiert werden. Sämmtliche jüdische Zeitschriften berichteten im vorigen Herbst über die stattgehabte Feier zur Vollendung des 99. Lebensjahres Moses Montefiore's und über die Vorkehrungen zu einer solchen, die, so Gott will, zum 100. Geburtstag getroffen werden. Aber ebenso gerechtfertigt wie die Feier dieser Leuchte auf dem Gebiete der -.or. ist es auch, an einen andern Großen in Israel zu denken, der eine Leuchte auf dem Gebiete der andern Säule de^ Judenthums, der r~in ist. Ich meine den „eigentlichen Begründer der Wiffenschaft des Judenthums", vr. Leopold Zu"Z- Zunz ist am 10. August 1794 in Detmold geboren. Er wird also in kaum 3 Monaten sein 90. Lebensjahr vollende"- Habe ich es nöthig, über die Bedeutung Znnz's ein Wort zu sagen? Jeder jüdische Gelehrte kennt ihn, der „das gpnze reiche Gebiet der jüdischen Wiffenschaft erschloß", der ^Ze^faffer des klassischen Werkes: die gottesdienstlichen Borträge per Juden, „das den ersten Platz unter den neueren Werken bei: jüdischen Wiffenschaft einnimmt", des Verfassers der Wer^: Zur Geschichte und Literatur, die synagogale Poesie des Mittelalters, der Ritus u. s. w. Ich glaube, es bedarf kaum dieser Worte der Erinnerung zur Begehung einer erhebenden sseier seines 90. Geburtstages. Die Berliner Gemeinde wird jhr gelehrtes Mitglied, die Gelehrten ihren Nestor und Meister, per deutschisraelitische Gemeindebund, ja alle, die Herz und Ainu haben, werden diese Zierde der Wissenschaft zu ehren usiffen. Im Jahre 1864 wurde eine Zunz-Stiftung gegründet. Wo ist das Curatorium? Wenn dasselbe noch existirt. so wird es sich des größten Dankes aller Rabbinen, Cnltnsheamten, Gelehrten :c. versichert halten können, wenn es Zryis s größtentheils vergriffene Werke neu auflegen lassen ivsixde. — Und welche ist nun die dritte Größe? Es ist k^ne physische Person. Und doch hat sie Großes geschaffen. Hunderte haben Bildung von ihr erhalten und verbreite" diese zum Segen der Gemeinden und verkünden Gottes Lob in den Synagogen Israels in allen Ländern. Am 6. ^ovember besteht das jüdische Lehrerseminar in Berlin 2o Jahre. Leider sollte der eigentliche Begründer dieses Seminare den 25jährigen Iubeltag nicht mehr erleben. Der Rectyj A. Horwitz ist vor nun mehr als 21/-> Jahren aus dem Lehen geschieden. Die Saaten aber, die er gesäet, sie keimten u^V blühen jetzt zum Heile des Judenthums. Der jetzige DirectX ist der sehr fähige vr. Holzmann. Nur 4 Lehrer im EvüeSium wirken seit seiner Begründung noch an demselben: %£. Musikdirektor Lewandowski, der sich ganz besonder^ um die Ausbildung der Lehrer als Cantoren verdient gerypcht hat, Herr vr. Simon und zwei technische Lehrer, die Her^n Cohn Und Löwenthal. Wäre es nicht angebracht, eine wss^vige Feier zum 25 jährigen Geburtstag dieser Anstalt zu veranlassen? Denn fast alle Schüler, die in dieser Lehranstalt ihre Ausbildung erlangt haben, gehören mit ganzer Seele ihr ay, und zu diesen zählt auch der Schreiber dieser Zeilen. Siegfried Graf. Oesterreich-Ungarn.; Wien, 9. Mai. (Privatmitth.) Am 4. ds. wählte der; Vorstand der hiesigen Gemeinde, an Stelle pes verstorbenen Herrn vr. Ignaz Kuranda, den bisherigen Hicepräses Herrn! Moriz Ritter v. Borkenau zum Präses. Dieser ist ein Mann

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