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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1884-05-13 · Heft 20 (13.5.1884) · p. Seite 315

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
48 (1884)
Issue
Heft 20 (13.5.1884)
Date
1884-05-13
Page
Seite 315 (sequence 7)
Language
German
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315 „Es ist eine traurige Thatsache, daß in sehr vielen deut-! Notariat ertheilt wurde. Er wurde als solcher nach Wormschen Gemeinden der Religionsunterricht vernachlässigt wird.! ditt und später Luckenwalde versetzt; als aber 1870 die Ad- Es findet nämlich theils gar kein Religionsunterricht statt, - vokatur freigegeben wurde, legte er sein Notariat nieder und theils liegt derselbe in den Händen von Männern, welche ging als Rechtsanwalt nach Berlin. Ueberall war er als keine seminaristische und überhaupt sehr geringe Bildung Mitglied und Leiter humanitärer, socialer und politischer haben. Man möchte es kaum glauben, daß z. B. unter Vereine thätig. Auch dem Deutsch-Israelitischen Gemeinde- 34 Gemeinden einer im Osten gelegenen preußischen Provinz bunde schloß er sich werkthätig an, und ihm ist es vorzügnur 12 einen seminaristisch gebildeten Lehrer unterhalten, lich zuzuschreiben, daß bei der Krisis, die dem Bunde im und daß in einem westlichen Regierungsbezirk Preußens in Beginn des Jahres 1882 drohte, die Uebersiedelung nach 17 Gemeinden gar kein Religionsunterricht ertheilt wird, Berlin gelang. Dem Ausschüsse widmete er angestrengte und leider ist zu sagen, daß diese beiden Bezirke nicht ein- Thätigkeit, bis ein Nervenschlag seinem arbeitsvcllen Leben ein mal die schlimmsten sind. Es giebt Gegenden, in welchen plötzliches Ende bereitete.-Der Bericht von der Sitzung der Mißstand noch größer ist, und welche sich dazu noch in des deutschen Reichstages am 28. April beginnt mit folgender Nähe großer Culturcentren befinden." den Worten: Präsident von Levetzow eröffnet die Sitzung Es wird dies zum Theil aus der Mittellosigkeit vieler um 1^/., Uhr mit geschäftlichen Mittheilungen. Von der Freikleineren Gemeinden erklärt, welche kaum das Notwendige! maurerloge Columbia in St. Francisco ist die Mittheilung einfür ihre gottesdienstlichen Einrichtungen aufzubringen vergelaufen, daß die Loge beschlossen hat, der Familie Lasters mögen. Man berechnet die Cultuskosten, welche die halbe das Beileid über dessen Ableben auszudrücken und hiervon Million Juden in Deutschland aufbringt, auf über 20 Millionen Mark, so daß also durchschnittlich auf jede Person (nicht auf den Familienvater) jährlich 40 Mark kommen, was einer Ueberbürdung sehr gleich kommt. Die Mittel des Bundes reichen zu einer wesentlichen Unterstützung des Religionsunterrichts nicht aus. Doch hat er durch Zuschüsse in 8 Gemeinden den Religionsunterricht erhalten, die Lehrer- Bereinstage subventionirt, einzelnen Lehrern Ehrengeschenke und Unterstützungen zufließen lassen und Stipendien für Seminaristen verliehen. Für diese Zwecke wurden in den letzten zwei Jahren Mark 7,948 verwendet. — Zu bedauern ist es, daß noch immer der bei weitem größere Teil der Gemeinden dem Gemeindebunde fern bleibt. In der letzten Zeit haben sich nur vier kleine Gemeinden angeschloffen. auch dem Reichstage Kenntniß zu geben. (Würde das nordamerikanische Repräsentantenhaus diesen einfachen Weg eingeschlagen haben, wäre viel Lärmens vermieden worden.) Minden, 1. Mai. (Privatmitth.) Wie den Lesern Ihrer geschätzten Zeitung noch erinnerlich sein dürfte, hat im vorigen Jahr die hiesige Königl. Regierung in einer Verfügung an die Kreisschulinspektion Minden nachdrücklich betont, daß jüdische Schüler auch am Sonnabend zum Schulbesuch verpflichtet seien. Auf meine an geeigneter Stelle vorgebrachte Remonstration, wenigstens für die Stunden des Hauptgottesdienstes die Schüler vom Unterricht zu dispensiren, falls die Eltern oder deren Stellvertreter dies wünschten, erhielt ich eine ablehnende Antwort. Nunmehr reichte ich eine Beschwerde beim Herrn Cultusminister ein, auf die heute folwährend die Gemeinde Minden gestrichen werden mußte.! gender gewährender Bescheid einlief: Die Zahl der Gemeinden beträgt jetzt 194. Dagegen hat! Königl. Regierung, Inn. Minden, den 25. April 1884. sich eine größere Zahl einzelner Mitglieder angemeldet. Ten! No. 525. I. N. N. weiteren Raum nehmen die Nekrologe von vier, dem Bunde! Auf die vom 28. Juli v. I. an den Herrn Minister eifrig zugethanenen Verstorbenen ein, des Rechtsanwalt j gerüstete Eingabe diene Ihnen hiermit zum Bescheide, daß vr. Albert Moßner, vr. Samuel Meyer, Hofrath! der Herr Kreisschulinspektor hier heute von uns ermächtigt Adolf Levi und vr. Moritz Landsberg. Ter drei ist, jüdische Schulpflichtige auf Antrag der Eltern oder der letzteren ist in diesem Blatte ausreichend Erwähnung ge- Stellvertreter derselben an den Sonnabenden wie an hohen schehen. Es mögen deshalb hier nur einige Notizen über Feiertagen behufs Theilnahme am Synagogengottesdienst Moßner Platz finden. Er war am 17. April 1829 zu vom Schulbesuch zu dispensiren, daß aber die Schule für Märkisch-Friedland geboren und verschied am 2. September die aus solchen Versäumniffen entstehenden Folgen keinerlei 1882 zu Berlin. Im Jahre 1848 bezog er die Universität Verantwortung übernimmt. Berlin, wurde ein eifriger Burschenschafter, deren Senior An den Prediger und Reli- Königliche Regierung, er wurde. Er war der erste Jude (1851), dem es gestattet gionslehrer der Synagogen-Ge- Abtheilung des Innern, wurde, den Grad eines vr. juris utriusque zu erlangen, meinde, Herrn I. Lippmannssohn, gez. v. Schlierstedt. während in Preußen früher Juden nur Doctoren des Civilrechtes hier. werden konnten. 1859 wurde er zum Rechtsanwalt und Notar Nordhausen, 24. April. (Magdeb. Z.) Der Bankier ernannt, wiederum der erste Jude, dem in Preußen das Jakob Plaut in Leipzig, bezw. in Italien, der unserer

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