Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 48 (1884)
- Issue
- Heft 20 (13.5.1884)
- Date
- 1884-05-13
- Page
- Seite 314 (sequence 6)
- Language
- German
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314 öffentlichte. Wir erwähnen dies hier, um zu zeigen, auf welchen schwachen Füßen die antireligiösen Parteien in Frankreich stehen und wie sie sich mit dem oberflächlichsten Zeuge begnügen, um sich einen philosophischen Anstrich zu geben, der die Menge blenden soll. — „Sollen die Juden Christen werden?" lautet der pikante Titel einer Schrift von I. Singer, die bereits in zweiter Auflage (Wien, Frank, 1884) erschienen ist. Es versteht sich, daß das Resultat des Verfassers ein verneinendes ist, und er erklärt den Uebertritt jedes Juden für eine „Feigheit". Er stützt sich dabei selbstverständlich auf die Mission Israels, den reinen Monotheismus und die aus diesem fließende Sittenlehre so lange aufrecht zu erhalten, bis die Menschheit sich zu ihm bekennt. Wir meinen, daß dies doch nur ein einseitiges Moment ist, während das viel wesentlichere die Ueberzeugung des Individuums ausmacht. Die große Mehrzahl der jüdischen Masie hat von einer solchen idealen Mission der Gesammtheit keine Vorstellung, sondern was sie in dem Glauben ihrer Väter festhält, das ist die Ueberzeugung jedes Individuums von der Wahrheit seiner Religion, wie er sie persönlich aufsaßt, und diese Ueberzeugung läßt es ihn als die schwerste Sünde betrachten, sich zu anderen, seinem Bewußtsein völlig widersprechenden Dogmen zu bekennen. Es ist also nicht sowohl der Blick auf die Gesammtheit und ihre providentielle Bestimmung als das individuelle Bewußtsein und die persönliche Gewissenhaftigkeit, welche die Mehrheit der Juden in der Treue für ihre Religion erhält. Wir haben schon früher das Talent und den Eifer des Verfassers gern anerkannt. Aber auch in dieser Schrift zeigt er den Mangel nicht blos an jedem Systematischen, sondern überhaupt an jedem Faden seines Gedankenganges. Unvermittelt springt er von einem Gegenstände zum andern über, und dies bringt eine Verworrenheit in das Ganze, wenn auch die einzelnen Gegenstände ganz interessant behandelt werden. Den größten Theil seiner Schrift füllt er mit der Apologie der Mischehen und mit der Polemik gegen den Antisemitismus, den Klerikalismus und das, was er für Mißbräuche im Judenthume hält. Man kann nicht sagen, daß dieses Buch den Haß namentlich der Katholiken gegen die Juden mindern werde. In seinem Eifer, in der Zukunft alle Religionen zu vereinigen, stellt er auch Behauptungen auf, die nicht zu den wohlbegründetcn gezählt werden können; z. B. wenn er (S. 24) ausruft: „Also ein Ende mit dem unwürdigen Seelenschacher auf beiden Seiten!" Will Herr Singer nicht Nachweisen, wo die Juden solchen „Seelenschacher" treiben? Wie würde man es wohl bezeichnen, wenn sich ein Christ zum Uebertritt meldet, und die Inden sagten: das geht nicht. Du gehörst nicht zu uns! Es genügt sicherlich, wenn die vom jüdischen Gesetze für einen solchen Fall getroffenen Bestimmungen beachtet werden, um jeden „Seelenschacher" auszuschließen. Was der Berf. am Ende von S. 35 mit fetter Schrift sagt, beweist nur, daß er das Neue Testament, namentlich die Briefe von Paulus nur wenig kennt, denn er brauchte nur den Brief an die Römer 1, 4. 3, 22—2ö. zu lesen, um seinen Satz nicht so aussprechen zu können. Solcher oberflächlichen Behauptungen könnten wir noch viele anführen. Jndeß gebricht uns hierzu der Raum. — „Drei Mahnworte an unsre Großen mit einem Schlußworte: „Auf zur That" von Dr. M. Dessauer, Herzogl. Landrabbiner in Meiningen. (Cöthen, Schettler 1881.) In nachdrücklicher und kerniger Sprache richtet der Berf. Mahnungen an die begüterten Klaffen unter den Juden, um des Heiles der Gesammtheit willen die Synagoge öfters zu besuchen, um ihres eigenen Heiles willen den Religionsunterricht ihrer Kinder sorgsam zu pflegen und die religiösen Satzungen nicht ganz aus ihrem Hause schwinden zu laffen. Zum Schluffe räth er zu jährlichen Versammlungen aus allen Parteirichtungen, um die religiösen Interessen zu besprechen und den religiösen Sinn zu wecken. Mögen diese Mahnworte recht weite Verbreitung und anhaltende Beachtung finden. ÜVwtcj yvxac Ij *vvc-Xcw. Deutschland. Leipzig, 2‘J. April 1884. Bonn, 1. Mai. (Privatmitth.) Wir erhalten folgende Hochgeehrter Herr. Zuschrift: Ignaz Kuranda hat in Leipzig promovirt am 28. Juni Nordhausen, 30. April. 1804 und zwar mit der Differtation: „Die letzten Habs- „Gegenüber der Behauptung des „Vaterland" in Wien, burger der ersten Ferdinandeischen Linie." daß vr. Ignaz Kuranda den Doktortitel zu führen nicht! Mit größter Hochachtung erg. vr. A. Leskien, berechtigt war, bin ich in der Lage, folgende an mich ge-! d. Z. Tecan der philosophischen Facultät? richtete Zuschrift anzuführen. Ich betrachte es als einen' Berlin, im April. (Privatmitth.) Der Ausschuß des Akt der Pietät gegen den großen Todten, dieses amtliche „Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes" hat Nr. 12 seiner Aktenstück zu veröffentlichen. Achtungsvoll! Mittheilungen" veröffentlicht. Der erste Gegenstand derselben vr. S. Gelbhaus, Rabb. ist der Religionsunterricht. Es heißt hier: