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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1838-11-08 · Heft 134 (8.11.1838) · p. Seite 541

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
2 (1838)
Issue
Heft 134 (8.11.1838)
Date
1838-11-08
Page
Seite 541 (sequence 3)
Language
German
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541 und Europa an sich zu ziehen, sie in das Land ihrer Väter zurückzuführen, und ihnen das zu werden, was er so großsprecherisch verkündet hatte; denn es war nicht die gewöhnliche Achtung eines ausgezeichneten Privatmannes, in welcher Sabbathey stand; er genoß königliches Ansehen! Aus beiden obbenannten Welttheilen langten mit kostbaren Geschenken so viele Gesandschaften bei ihm an, daß manche erst nach drei bis vier Wochen vorgetassen werden konnten. Seine Widersacher wagten es nicht mehr, laut gegen ihn zu werden; denn seine Parthei war so mächtig und so wüthend, daß ein Gegner Sabbathey's des Lebens nicht mehr sicher war. Aaron de la Papa, das Oberhaupt jenes Rabbinen-Gerichts, welches den Bann über Sabbathey gesprochen und ihn zum Tode verurtheilt hatte, wurde seines Amtes entsetzt und mußte Smyrna verlassen. Banbanasti, der zweite in diesem Rabbinen-Tribunale, trat anfangs aus Furcht, nachher aus Ueberzeugung auf Sabbathey's Seite, und predigte zuletzt öffentlich, daß er der wahre Messias sei. Der reiche Pechina zu Smyrna hatte sich nur eines leisen Tadels gegen den neuen Messias schuldig gemacht; er wurde bis in die Synagoge verfolgt, und rettete nur durch schnelle Flucht sein Leben. Ein angesehener Jude zu Konstantinopel fürchtete die Unglücksfalle welche Sabbathey's Umtriebe über sammtliche jüdische Einwohner im türkischen Reiche herbeiführen könnten. Ihnen vorzubeugen beschloß er den Groß-Vezir die nöthigen Aufschlüsse zu ertheilen. Er stellte ihm vor, daß der größte Theil der gegenwärtigen Anhänger Sabbathey's ganz anderer Gesinnung wäre, und daß die meisten nur aus Furcht vor den wüthenden Sektirern sich öffentlich für den neuen Messias erklären mußten. Er bar, wenigstens zu seiner eigenen Sicherheit, um das schriftliche Zeugniß, daß er das Gestandniß abgelegt habe, der Parthei Sabbathey's nicht anzugehören. Die Sache wurde verrathen. Sogleich erkauften die Sabbathianer falsche Zeugen, ließen ihn eines Staatsverbrechens anschuldigen, und brachten es durch Bestechungen dahin, daß man ihn zur Galeere verurtheitte. So weit gingen die Schwärmer in ihrer Frechheit, daß, wenn der Messias dem Volke sich öffentlich zeigte, ihm eine Fahne mit der Devise „des Ewigen Rechte ist erhaben"*) vorgetragen wurde, daß sein Bildniß allenthalben mit Kro-. nen geschmückt zu sehen war, und dreimal täglich ihm zu Ehren der Psalm: „Jehova! deines Sieges freuet sich der König"**) gebetet wurde. Schon verteilte er Reiche unter seine Brüder und Freunde, und nannte sich selbst König der Könige. In seinem Siegel führte er eine kn einen Kreis gewundene Schlange; weil die Schlange im Hebräischen (wn?) gleichzahlig mit dem Worte Messias (rriöü) ist. Da Herodot, der Vater der Geschichte, nicht ansteht, uns zu erzählen, die Pythia zu Delphi habe es gewußt, daß Krösus zu Sardes Lammfleisch mit Schildkröten koche *), so will ich unseren Magnetiseurs es nicht vorenthalten ihnen zu sagen, daß auch Sabbathey seine Ctairvoyants hatte; denn um eben diese Zeit gab es zu Smyrna, Adrianopel, Thessalonich, Constantinopel, und an mehreren andern Orten, Menschen, jeden Alters und Geschlechtes, welche in einer Art epileptischen Anfalles, im Hebräischen und Aramäischen, Sprachen die sie sonst gar nicht verstanden, Prophezeiungen machten, welche des Inhalts waren: „Sabbathey Zwy aus dem Hause Davids ist der wahre Messias, Reich und Krone sind sein." Dieses bestärkte das Volk in seinen Glauben an Sabbathey, und die Unterrichteteren desselben bezogen sogar den Vers im Propheten Joel**): Einst werde ich meinen Geist über alles Fleisch ergießen, euere Söhne und Töchter werden weissagen," auf ihn. Wenn man bis jetzt leicht der Meinung werden konnte, Sabbathey sei ein Betrüger gewesen, so muß man ihm von nun an die Gerechtigkeit wiederfahren lassen, daß er mehr Betrogener als Betrüger war; denn er hatte nicht allein Andere, sondern sich selbst beredet, er sei der wahre Messias. Er, hatte die für ihn so günstige Stimmung seiner mächtigen Parthei nicht benutzt, um Waffenplätze anzulegen, sich ein Heer zu bilden, oder fremde Truppen in Sold zu nehmen; sondern wie ein Held in der Zauberoper saß er zu Smyrna in der gewissen Hoffnung, er werde durch seine kabbalistischen Hexereien den Erdball erschüttern und die Reiche der Welt nach Willkühr vertheiten. Dies glaubte er so fest wie seine blinden Anhänger, die ihn nun aufforderten nach Constantinopel zu gehen, um den Beherrscher der Osmanen das Diadem vom Haupte zu nehmen. Sabbathey den Abgrund nicht ahnend welchem er entgegenzueilen im Begriffe war, schiffte sich mit einem großen Gefolge ein, und kam am 20. des Monats Thebet 1666 nach Constantinopel, während eine Menge seiner Anhänger diese Reise zu Land machte. (Schluß folgt.) •) Herodot I. 43. °°) III. 1. °) Psalm 118. 17. ") Psalm 21. 2.

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