Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 2 (1838)
- Issue
- Heft 134 (8.11.1838)
- Date
- 1838-11-08
- Page
- Seite 542 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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342 Correspoudenzen, Auszüge, Repliken. Kleine Berichte. (Fortsetzung). Frankfurt a. M., Anfangs August 1838. C Unsre Zeit bietet bekanntlich dem aufmerksamen Beobachter, so wie demjenigen, welcher sich für die bürgerlichen und kirchlichen Angelegenheiten der jüdischen Glaubensgenossen intereffirt, hinsichtlich derselben so manche erfreuliche und mitunter auch unangenehme Erscheinungen dar. Indessen lassen sich die aufrichtigen Bestrebungen, die sich besonders zur Verbesserung des religiösen Zustandes überall von Seiten der Juden kund thun, nicht verkennen und so gereicht es auch uns zum wahrhaften Vergnügen, hiermit melden zu können, daß — trotz so vieler Anfechtungen von Seiten solcher Leute, die ein zeitgemäßes Forlschreiten, verbunden mit dem Festhalten an die rein mosaische Religion und deren Vorschriften als „Rückschritte zu den verworrenen Begriffen früherer Jahrhunderte" verschreien wollen — es doch mehreren der geachteten Männer unsrer hiesigen Gemeinde gelungen ist, für die Grundlage zur Verlagerung unserer kirchlichen Angelegenheiten recht Schönes und Lobenswerthes zu wirken. Durch die unablässigen Bemühungen und das umsichtige Verfahren dieser Männer sind wir denn zu der Hoffnung berechtigt, daß, nachdem man sich hier erst über die Verschiedenheit der Ansichten in Betreff einiger Punkte ausgeglichen haben wird, alle mäßigen Wünsche hinsichtlich der Reformen werden befriedigt werden. — Unsere beiden Hauptsynagogen sind freilich noch in dem ungeregelten Zustande, in welchem sie waren; jedoch ist es bekannt, daß für dieselben so wie für manche andere treffliche Einrichtungen vor der Entscheidung unsres Hohen Senates keine thätliche Handlungen vorgenommen werden dürfen: indessen werden alle nöthigen Materialien sorgfältig gesammelt, um zur Zeit ungesäumt Hand an's Werk legen zu können. ~ Unter diesen edlen Männern wollen wir, besonders zur Beseitigung mancher Mißdeutung, hauptsächlich diejenigen hcrvorheben, welche, bei anerkannter wahrer Frömmigkeit und achter Aufklärung, die Bedürfnisse der Zeit kennen und es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Leiter der Reform — jedoch nur stufenweise, nach reiflichem Erwägen aller Verhältnisse, aber mit desto sichrerem Schritte — hinanzusieigen. Es sind die fast in ganz Deutschland ehrenvoll bekannte Herren Berr M. Adler (degen Bruder Oberlandesrabbine in Hannover ist) und Aaron Moses Fuld deren früherer Beruf als Candidaten der Theologie und die Morenu, mit welcher sie seit längerer Zeit schon von dem hiesigen Herrn Oberrabbine beehrt sind, sie vor jedem Verdachte der Anmaßung sicher stellt — zu welchen sich auch noch Herr Abraham Trier, Sohn unsres Herrn Oberrabbines, gesellte. Diese drei würdige Männer benutzen ihre Einsichten und Erkenntnisse mit der größten Uneigennützigkeit dazu, die Religion unserer Väter in ihrer Reinheit zu lehren und Aller Herzen zu ihr — der -Tochter der Gottheit — zu leiten; das eigentliche Mittel, einst ein veredeltes Judenthum herbeizuführen. ES werden nämlich von denselben, in Ermangelung eines angestellten Predigers und mit Genehmigung des Herrn Ober-Rabbines, seit dem Tode des Rabbinatsmitglieds R. Jakob Silberkron ") (das Andenken des Gerechten sei zum Segen!) jeden Samstag der Reihe nach in der großen Synagoge*") volksthümliche so belehrende als erbauende Vortrage gehalten, wobei sie sich zur Erläuterung des jedesmaligen Abschnittes auö der heiligen Schrift der vortrefflichen Ideen unserer Weisen bedienen, um nicht nur Erstere in ihrer Herrlichkeit darzustellen, sondern auch allgemeine Achtung vor Letzteren einzuflößen. Diese bis jetzt noch unausgesetzten exegetischen und moralisch-religiösen Vorträge haben durch ihre Gediegenheit und systematische Anordnung; besonders aber durch die so zweckmäßige Methode, welche auch die des Herrn Chacham Bernays in Hamburg ist — die Allegorien, Parabeln und Mythen in dem Talmud und den auf die einfachste und ihren innern Werth schön darstellende Weise zu erklären — ungeteilten Beifall erhalten. — Derjenige Punkt, auf welchen die genannten drei Herren ihr Hauptaugenmerk richten, ist: der Jugend insbesondre klar zu erweisen und bei derselben der Ueberzeugung immer mehr Eingang zu verschaffen, daß, um mit der Zeit und ihrem Geiste zu leben, eS nicht der Abstreifung alles Religiösen, des Überschreitens aller Schranken bedarf; sondern daß die Ausübung aller Bürgerpflichten sich mit der Ausübung der Pflichten des Israeliten recht gut verträgt: daß ferner dem Israeliten, welcher sich an das Mosaische Gesetz halt, nichtsdestoweniger alle Reize des häuslichen Glücks, alle Annehmlichkeiten des Erdenlcbens und der Geselligkeit zu Theile werden können — da dieses Gesetz unS nur Beschränkungen im Genüsse auferlegt, welche zum Zwecke haben, uns zu sittlich guten Menschen zu machen und also zu unsrer eignen Wohlfahrt gereichen. — Solche Grundsätze, von solchen Männern vorgetragen, können ihre Wirkung nicht verfehlen und in der That wächst die Zahl der diese Vorträge Besuchenden von Jung und Alt mit jedem Sabbat, die, erbauet von Gottes Wort und seelenvergnugt die Synagoge verlassen. Auch gewährt es ein wohlthuendes und stärkendes Gefühl, daselbst auch die vornehmsten Männer vereinigt zu sehen, die früher weder die große Synagoge besucht, noch sonst an öffentlichen Predigten Theil genommen haben. — Aber auch Eine Meinung nur äußert sich hierüber. Jedesmal, wenn die Vorträge zu Ende sind, werden diese Männer mit Danksagungen und Segnungen überhäuft. — t Indem wir also das edle Wirken der mehrerwähnten edlen Männer hiermit öffentlich berichten, können wir nicht umhin, zugleich den Wunsch an den Tag zu legen, daß es durch eine baldige Herstellung unserer Synagogen, so wie durch die Abfassung der Vorträge in rein deutscher Sprache auch unseren Frauen und Mädchen bald vergönnt werden möge, an den allsabbatlichen Erbauungöstunden Theil nehmen zu können. M . . . . seine Predigten zu halten pflegt; sondern in einem Diametral vom entfernten, finstern Platze, der durch ein altherkömmliches Recht der N^2N, unter deren Patronat solche gebalten werden, zu diesem Behnfe überlassen ist. Warum aber gerade nach Beendigung des Gottesdienstes und nicht vor dem - Gebet? — warum nicht vor dem 'JVlK? — Deshalb, weil . . . . - sapicoti sat! _ . 1 Correfp. °) Eingesandt von dem Verf. der Corr. „über den gegenwärtigen Standpunkt in Frankfurt am Main" No. 82. Redact. •*) Gestorben den 23. Januar d. Z. **°) Diese Vorträge finden Statt eine halbe Stunde nach Beendigung des Gottesdienstes und nicht auf der Stelle, wo der Rabbiner Redacteurr Dr. L. Philipps»». — Verlag von Baumgärtners Buchhandlung. — Druck von I. B. Hirschfeld.