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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1838-11-08 · Heft 134 (8.11.1838) · p. Seite 540

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
2 (1838)
Issue
Heft 134 (8.11.1838)
Date
1838-11-08
Page
Seite 540 (sequence 2)
Language
German
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540 in diesen Blättern, daß hier und dort ein christlicher Volkslehrer bei jüdischen Feierlichkeiten Worte des Friedens und der Erbauung gesprochen. Und wie kann es anders sein, wenn wir einen Blick aus die graue, winterliche Zeit zurückwerfen! So sehen wir nun mehrere feste Eisschollen des Hasses aufchauen, und denken an den schönen Frühling, der bald kommen soll. Um so freudiger ist daher unser Selbstgefühl, da wir uns sagen können, daß der Mann, der bei uns zum Banner der Toleranz geschworen, sich auf den Höhen des Staates bewegt, und in allen Reiz der Milde, mit dem Füllhorn des Segens unter uns einherwandelt. K . . . th. Bernburg, 23. Okt. (Privatmitth.). Unter den mehrfachen Beweisen, welche die neueste Zeit, nicht sowol von gegenseitiger Tolerirung, als vielmehr von gegenseitiger Würdigung bei den verschiedenen Glaubenspartheien in Europa, herangebracht hat, erlaube ich mir auch folgenden Fall zu erzählen. Einer der würdigsten Mitglieder unsrer hiesigen Gemeinde, Namens Reichen heim, der zugleich nicht geringe Kevntniß der talmudischen und hebräischen Literatur besitzt, hatte seinen Sohn Eduard, einen jungen Mann von 26 Jahren, einen Gerber, nach Paris zur Ausbildung in seinem Gewerbe gesandt. Auf seiner Rückreise besuchte derselbe einen Meister, bei dem er früher gearbeitet, Herrn Jakob Dandleker in Thabweil bei Zürich, um ihm von seinen Ergebnissen in Frankreich einige Mittheilungen zu machen. Hier hatte er das Schicksal, beim Baden im See unterzusinken. Der dortige Pfarrherr Jakob Sprung er ließ, nachdem der Leichnam aufgefunden, ihn nicht nur aus dem dortigen evangelischen Kirchhof beisetzen, wobei die vornehmsten Jünglinge der Stadt den Sarg trugen, sondern hielt auch eine herrliche Leichenrede, und schrieb dem Vater einen trefflichen Trostbrief, worin er zugleich um die Beistimmung desselben anfrug, da dort keine jüdische Gemeinde, also auch kein jüd. Begrabnißplatz existirt. Der Vater antwortete, mit Zustimmung eines der bekanntesten und geehrtesten orthodoxen Rabbinen Deutschlands, wie sehr er sich von diesem Vorgänge geehrt fühle, und was ihm sonst die Dankbarkeit in das Herz legen mußte. Der Vater ließ spater das Grab schmücken, und mit einem eisernen Gitter versehen, und so ruhen die Gebeine des trefflichen jungen Israeliten unter den evangelischen Mitbrüdern. Geschichte. Sabbathey Z w y, . eine biographische Skizze. Von v r. Horschetzky. (Fortsetzung.) Sabbathey war nun mit seiner neuen Gemahlin nach Jerusalem zurückgekehrt. Nach mehrjährigem Aufenthalte daselbst, predigte er öffentlich in den Synagogen von seiner göttlichen Sendung. Dies bewirkte so große Gahrrmg unter den hier wohnenden Juden, daß 24 Rabbinen und der Oberrabbi von Jerusalem Ehananja ben Jakir den Bannstrahl gegen ihn schleuderten. . Sabbathey floh aus Furcht wieder nach seiner Vaterstadt Smyrna. Die Bannstrahlen der Rabbinen folgten ihm nach. Sie schrieben dahin, daß er ein Ruchloser sei; ihn auszurotten wäre dem Ewigen ein eben so verdienstliches Werk, als hatte man viele Seelen gerettet. Aber alles das hatte nicht den gewünschten Erfolg; denn der Pöbel Smyrnas sammelte sich um ihn, küßte seine Füße, und' erwies ihm königliche Ehre. Mit jedem Tage wurden Sabbathey's Anhänger zahlreicher, und sein Ruf durchflog Italien, Deutschland und Holland. Nicht nur die Bewunderung des Pöbels, auch die Aufmerksamkeit ausgezeichneter Männer und ganzer Gemeinden hatte Sabbathey auf sich gezogen. So erkundigten sich die amsterdamer israelitische Gemeinde, und der hier im Namen der Schwedischen Königin Ehristina rest'dirende Jude Texeira, bei ihren Handelskorrespondenten in der Levante, in Betreff der Messiaswürde Sabbathei's, und erhielten die sehr lakonische Antwort: „Er ist's, und kein anderer!"*) Man versammelte sich eben auf der Börse, als diese Antwort anlangte, und war voll Freude über die wichtige Nachricht. Nur der Kaufmann Anatia allein hatte Sinn und Muth genug das Ganze für ein Mährchen zu erklären. Er machte sich über Sabbathey lustig, und erwies den Uebrigen aus dem Talmud, daß die Begebenheiten, welche der Ankunft des Messias vorangehen müssen, sich noch nicht ereignet hatten, und daß Sabbathey auch nicht der wahre Messias sein könne. Man ging von der Börse zum Mittagsmahl. Anatia stürzte während der Tafel vom Schlage getroffen entseelt zu Boden. Die Vorurtheilhasten, wie wenige waren es nicht, hielten dieses zufällige Ereigniß für eine Strafe, weil er Sabbathey gelästert hatte. Sein Ansehen stieg in den drei obbenannten Ländern und in Polen durch diesen Zufall mit jedem Tage, und vermehrte seinen ohnehin schon bedeutenden Anhang. Hätte Sabbathey über 20000 Mann tvohldisciplinirter Haustruppen verfügen können, hatte er eben so viele militärische als kabbalistische Kenntnisse besessen, hätte er nicht selbst in dem eitlen Wahne gelebt, man könne mit Formeln aus dem Sohar Throne Umstürzen und Völker befreien, so wäre es für ihn vielleicht in damaliger Leit nicht so schwierig gewesen, als man im ersten Augenblicke glauben sollte, einen beträchtlichen Theil seiner Glaubensgenossen aus Asien *) ina *6*1 «in

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