Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 2 (1838)
- Issue
- Heft 134 (8.11.1838)
- Date
- 1838-11-08
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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ii. Mrs-»-. Allgemeine No. 134. Zeitung des Zudenthums. Ein unpartheiisches Organ für alles jüdische Znlereffe. (Mit Königl. Sächsischer allergnädigster Concefsion.) Leipzig, den 8. November 18L8. Zeitungsnachrichten. Delmenhorst, *) 23. Sept. (Privatmitth. Verspätet.) Unsere kleine Gemeinde unternahm es mit Unterstützung Sr. königl. Hoheit des Großherzogs eine neue Synagoge mit Schullokal und Lehrerwohnung zu erbauen. In der Woche ann ■’D war der Bau vollendet, und wir luden unseren verehrten Land -Rabbinen, den durch seine Schriften rühmlichst bekannten Ben Usiel (Hirsch) zur Einweihung ein. Auch ein zahlreiches christliches Publikum, worunter die beiden Ortsgeistlichen und der Magistrat, welcher Letzterer zu allen edlen Unternehmungen hilfreiche Hand bietet, fand sich in der Synagoge ein. Der H. Land - Rabbine gewahrte uns durch zwei Predigten einen geistigen Genuß, welcher uns lange in Erinnerung bleiben wird. Die erste, die Einweihungspredigt, welche die Auseinandersetzung der Synagogen-Benennungen: mn, rfrsn 'a, rra zum Inhalte hatte, regte alle Zuhörer tief an. Fast noch tiefem Eindruck machte die zweite Predigt — „die Synagoge eine Schule für das Leben" — am Morgengottesdienste des Sabbats. Wahrhaften Enthusiasmus weckte sie in uns, und man muß wohl bemerken, daß der Redner nicht allein Worte des Herzens zum Herzen spricht, sondern N82 Ndtti tmx Alles Gute und Edle bethatigt er mit den größten Opfern im eigenen Leben. — Was unsere Stellung gegen die Gesellschaft betrifft, so ist sie sehr vortheilhast. Von oben herab werden wir gleich den übrigen Eonfessionen behandelt, und es gereicht unserm erlauchten Fürsten zum größten Ruhme, daß ihm die Angelegenheiten aller seiner Unterthanen ohne Unterschied am Herzen liegen. Neulich erst wurde ein jüdischer Feldwebel zum Landgerichtskopisten ernannt. In unserer Stadt ist vollends der Religionshaß, woran manches Land noch laborirt geschwunden, und es dürfte nicht leicht etwas Erhebliches Vorfällen, woran Juden und Christen nicht gleichen Antheil nähmen. — I. I. Schwabe, Gemeinde-Vorsteher. London, 15. Oktbr. Der Lor'okanzler hat auf die Empfehlung des Herzogs von Richmond den Israeliten David Salomons, ehemaligen Sheriff der Grafschaft Middlesex, zu einem der Friedensrichter der Grafschaft Sussex ernannt, wo er Güter besitzt. Jeder Freund bürgerlicher und religiöser Freiheit wird sich über diese Ernennung freuen, die ein Triumph über engherzige und bigote Vorurtheile ist. (Morning Chronicle.) *) Großherzogthum Oldenburg. -Nürnberg, 18. Oktbr. Schon in No. 111 d. Z. wurde in einem Schreiben aus München gegen die neue Verordnung, daßMilitairs jeder Eonfession den katholischen Heiligthümern eine Kniebeugung mache, auf bescheidene, aber eindringliche Weise protestirt. Jetzt sollen nach der L. A. Z. vom 23 L verschiedene Landwehrcorps protestirt haben. Der Nürnberger Correspondent enthält folgende Bemerkung: „Nach einer königlich bairischen Verfügung soll, so lange der König nicht anders bestimmt, bei Kirchenparaden den Landwehrmannern, welche einer andern Eonfession zugethan sind, gestattet sein, vor dem Eintritt in die Kirche, somit den Protestanten und Israeliten vor dem Eingang in die katholischen, der Katholiken und Israeliten vor dem Eingang in die protestantischen Kirchen, sich wegzubegeben; wenn aber die Landwehrmanner in Reihe und Glied stehen, haben Alle, ohne Unterschied der Religion, dem Commandowort Folge zu leisten." Odessa, 27. August. (Privatmitth.), In diesen Tagen geht unser General-Gouverneur, Graf Woronzow als Gesandter auf ein Jahr nach London. Wol kein Bewohner Neurußlands sieht ohne die innigste Wehmuth, und selten Einer thranenlosen Blicks diesen Freund der Menschheit und Vater seiner Untergebenen aus einem Bezirke scheiden, in dem sich ein jeder nur durch ihn glücklich fühlt. Vor Allen aber empfindet es Odessa mit dem tiefsten Schmerze; und wie rasch auch die Zeit vorübereilen' mag, wie erfreulich auch die Hoffnung ist, daß er bald wieder in seinem gewohnten Wirkungskreise walten wird; so bleibt doch der jungen Stadt der Genuß ihres kräftigen Btüthenlebens verleidet, so lange sie ihren liebevollen Beschützer fern weiß. In dieser Nothwendigkeit muß es uns angenehm sein, daß wenigstens sein interimistischer Stellvertreter kein Anderer ist als unser humaner Stadtgouverneur, welchem Graf Woronzow bis zu Rückkehr die Hauptverwaltung übertragen. Am -21. d. M. wurde von der hiesigen Kaufmannschaft zu Ehren des gefeierten Grafen ein Abschiedsball angestellt, wo auch ein paar jüdische Kaufleute zugegen waren. Nach manchem fröhlichen Toast ergriff auch der König des Festes den schaumenden Becher, und brachte — den „israelitischen Mi t brüdern" ein Lebehoch aus, worauf Alles mit lautem Jubelruf einfiet. Wir glauben uns der Mittheilung solcher Einzelheiten am allerwenigsten schämen zu müssen, und sind überzeugt, daß dieser Fall unter vielen ähnlichen nicht von geringerer wol aber von größerer Erheblichkeit sein dürfte. Wir lesen schon mit vielem Interesse