Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 48 (1884)
- Issue
- Heft 19 (6.4.1884)
- Date
- 1884-04-06
- Page
- Seite 304 (sequence 12)
- Language
- German
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freundlich ihm hinweggebannt. Wir aber, deine Kunstgenoffen,! bleiben auch eingedenk der Ehre, die Du uns erworben, der j Siege, die Du uns erfochten in mehr als dreißig Jahren. Du warst einer der Besten unter den Jüngern der Kunst! Siegreich hast Du Deine Banner aufgepflanzt in beiden Kaiserstädten. Nord und Süd hast Du gleich bezwungen mit jener Zaubergabe, die ein Gott nur leiht. Den Besten hast Du Dich zugesellt in der Geschichte des Theaters, und so lange Bolz lebt, so lange wird auch Dein Name leben in den Typen, die Du geschaffen. „Ach, wohin sind Deine Schwänke, Deine Lieder, der Blitz von Deinen lust'gen Lippen, worüber die Tafel in Lachen ausbrach? Alles, Alles weggeschrumpst!" Nein, kein lautes Lachen mehr! Dein Mund ist verstummt, Dein zündender Witz erloschen. Doch was über Deinem Grabe schweben bleibt, ist ehrende Liebe Deiner Kunstgenoffen und Freunde; für den Künstler hat die Nachwelt den verdienten Lorbeer, für den vorzüglichen, warmherzigen Menschen die treue Liebe. Also, Ascher, fahre wohl!" — Nach diesen Worten, die in der Trauerversammlung sichtlich einen tiefen Eindruck hervorgerusen, trat der Präsident der „Concordia", Regierungsrath v. Weilen, an den Sarg, um dem Verstorbenen gleichfalls ehrende Worte der Liebe und Verehrung zu widmen. Um halb 12 Uhr war die Feier zu Ende. Rom, im April. (Notiz.) Bon hier wird gemeldet, daß an der Via Labicana, in der Vigna Apolloni, Katakomben entdeckt sind, die entschieden den jüdischen Einwohnern Roms zur Begräbnißstätte gedient haben; es ist dies der vierte derartige Begräbnißplatz; der siebenarmige Leuchter und andere jüdische Symbole, und die Reste hebräischer Inschriften, mit rother Farbe auf Ziegeln gemalt, lasten keinen Zweifel darüber bestehen; andere Inschriften sind zwar griechisch abgefaßt, aber doch in den bekannten jüdischen Formeln. Es werden ordentliche Ausgrabungen dort angestellt werden. (Daß aus der sorgfältigen Durchforschung dieser Begräbnißplätze sich noch viele wichtige Resultate für die Geschichte der Juden im alten Rom ergeben werden, ist selbstverständlich, und es wäre deshalb sehr zu wünschen, daß sich sach- und sprachkundige Forscher recht bald daran begeben.) Bonn, 21. April. (Literarische Notizen). Von der verdienstvollen Schrift des Rabbiners vr. W. Horowitz: „Frankfurter Rabbinen", ist die dritte Lieferung als „Beilage zum Bericht der israelitischen Religionsschule" erschienen. (Frankfurt a. M., Jäger, 1884.) Sie befaßt die Biographien des R. Jakob Josua Falk und R. Abraham Lissa (1740—1769.) Der erstere, bekannt unter den Namen Pne Jeschia (von seinem großen autoritativen Werke), hatte eine sehr unruhige Zeit zu bestehen und so weittragende Streitigkeiten, daß er zuletzt sein Rabbinat aufgeben mußte. Diese Streitigkeiten, welche das damalige Gemeindeleben zu Frankfurt erschütterten, waren theils persönlicher, theils religiöser Natur, obschon auch dieser religiöse Hader sich zu persönlichem Zwiste zuspitzten. Es galt im ersteren Falle die Herrschaft in der Gemeinde, um welche sich zwei Familiengruppen stritten. Dann aber war es der Kampf gegen die Kabbalisten, besonders die Anhänger des Sabbathai Zwi, und als deffen vermeintlichen Repräsentanten R. Jonathan Eibeschütz. Dem Hauptgegner dieses Mannes, R. Jakob Emden, schloß sich R. Josua an mit seinem ganzen Gewicht als rabbinische Autorität. Dies erweckte ihm aber so viele Gegner in seiner Gemeinde, daß er ihnen zuletzt weichen mußte. Später bereuete man den Abgang deffelben, und berief ihn zurück. Aber ehe dies geschehen konnte, war der greise Rabbiner aus dem Leben geschieden. Der Berf. berichtet sorgfältig und unparteiisch über alle diese Begebenheiten und giebt mit kundiger Hand eine Charakteristik der Schriften R. Josua's, der, wie wir beiläufig bemerken wollen, zu den Voreltern des Schreibers dieses gehört. Ihm folgte R. Abraham Liffa. So friedliebend dieser allgemein verehrte Mann auch war, konnte er dennoch nicht vermeiden, in einen häßlichen Streit hineingezogen zu werden, der sich über einen Scheidungsakt erhoben hatte. Doch stand diesmal die Gemeinde auf der Seite ihres geistlichen Führers. Zu dieser Zeit wurde auch der Prozeß ausgetragen, welchen die Erben Eisenmengers gegen die Frankfurter Gemeinde wegen der durch kaiserliche Verordnung früher befohlenen Sequestrirung des verrufenen Werkes Eisenmengers führten, indem sie eine große Entschädigung von der Gemeinde forderten. Durch kaiserlichen Erlaß wurde die Gemeinde von jeder derartigen Verpflichtung losgesprochen. So enthält auch diese Lieferung höchst intereffante Beiträge zur Kulturgeschichte jener Zeit. — Pest, 22. April. (Literarische Notizen.) Wie der „Times" mitgetheilt wird, besitzt Herr Dr. Harkavy in Petersburg ein Bibel-Manuskript, das mit eigenthümlichen Lettern geschrieben ist! Harkavy beabsichtigt, Proben davon photographisch vervielfältigen zu laffen. Ieuilleton. Äus der Peßach-Hagada. kungen veranlassen kann. Er will das Berhältniß zu den III. überaus mannigfachen Vorschriften für die Feier des Peßach- Der Hagadist hat hier eine kleine Dichtung eingeschvben, festes schildern und stellt hierfür vier Menschenklaffen auf: die viel Eigenthümliches besitzt und zu mancherlei Bemerden Weisen, den Bösen, den Einfältigen und den Geistes-