Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 48 (1884)
- Issue
- Heft 19 (6.4.1884)
- Date
- 1884-04-06
- Page
- Seite 298 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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298 einigung von Gemeinden zu gemeinsamen Zwecken, zu gemeinsamen Veranstaltungen aber fast keine. Es ist das Verdienst des jüdischen Schriftthums und besonders der Rabbinen, welche wegen kasuistischer Fragen einen sehr lebhaften Briefwechsel unter einander erhielten, den Gedanken der Gesammtheit lebendig erhalten zu haben. Um so mehr drängte sich mit dem zweiten Viertel unseres Jahrhunderts das Bedürfich nicht verhehlen, daß es mich sehr erfreute, Männer der Wissenschaft, namentlich Professoren wie Barth, Bergson, Breßlau, Breslauer, Lazarus, Steinthal, an der Versammlung thätigen Antheil nehmen zu sehen. Allzulange haben sich Persönlichkeiten der gelehrten Welt, soweit sie nicht jüdische Theologen, von der Bethätigung innerhalb ihrer Religionsgenossenschaft ferngehalten, und eine Gleichgültigkeit gezeigt, niß auf, diese Weichbildspolitik, diese Absonderung jeder! die nach vielen Seiten hin schädlich wirken mußte. Wir sind einzelnen Gemeinde für sich zu bekämpfen und den Gemein-! also auch hierin auf dem Wege der Besserung. Die Versammsinn durch Verbindung der Gemeinden zu allgemeinen Zwecken > lung bezeugte andererseits, daß der Gemeindebund im Wachsen zu entzünden. Es ist dies, lassen Sie es mich sagen, das! begriffen ist, aber des weiteren Wachsthums nicht allein fähig besondere Verdienst der seit bald einem halben Jahrhundert! ist, sondern auch bedarf. Ich meine nicht sowohl die Verwirkenden „Allgemeinen Zeitung des Judenthums", diesen für die Gemeinden fast neuen Geist, diesen Sinn für allgemehrung seiner materiellen Mittel, als vielmehr die Erreichung seiner besten Zwecke, die so lange nicht in Aussicht meine jüdische Interessen geweckt, gefördert und unermüdsteht, als nicht die große Mehrheit der deutschen Gemeinden lich repräsentirt zu haben. Hieraus resultirte dann gegen Ende der sechsziger Jahre die Schöpfung des deutsch-israelitischen Gemeindebundes, die wir den sel. Herren Kohner und Nachod zu verdanken haben, denen in dem Geheimen Sanitätsrath Dr. Kristeller ein würdiger und eifervoller Nachfolger geworden sich angeschloffen haben. Die Versammlung bestand aus 84 Vertretern, welche Gemeinden repräsentirten. Von größeren Gemeinden waren Berlin, Breslau, Frankfurt a. M., Nürnberg, Liegnitz, Glogau, Köln, Aachen, Düsseldorf, Elberfeld, Magdeburg, Gnesen, Stettin, Dresden, Leipzig. Emden Verist. Es war ein glücklicher Gedanke Kohners, mit der nach j treten, die übrigen kleineren Gemeinden. Man sieht hieraus, Leipzig berufenen ersten Synode einen Gemeindetag zu verbinden, auf welchem die Gründung eines Gemeindebundes d. h. einer Verbindung der einzelnen Gemeinden zu gemeinsamen Zwecken, von welchen alles religiöse Parteiwesen und alles Politische ausgeschlossen sein sollte, zu besprechen wäre. Es kostete noch mancherlei Anstrengungen und Versammlungen, welche und wie viele durch ihre Abwesenheit glänzten. Hoffen wir, daß durch dieses Aktum endlich auch in den übrigen Gemeinden, namentlich in ihren Vorständen, das Pflichtgefühl, sich der Gesammtheit nicht zu entziehen, erwachen werde. Nichts bekämpft den Jndifferentismus, über welchen die Vorstände in ihren eigenen Gemeinden so oft zu denen auch Sie, Herr Redakteur, Ihre Mitwirkung widmeten, j klagen haben, mehr als die Theilnahme an allgemeinen Jnum diese Schöpfung einer neuen Zeit ins Leben zu rufen, I teressen und Instituten. ihr Gestalt und Tendenz in fester Weise zu geben. Daß diese Aufgaben zu lösen, gelungen ist, das bezeugt die Geschichte dieses jungen Instituts, das mehrfache Krisen zu bestehen hatte, wie das Hinscheiden Kohners und dann Nachods, die durch die sächsische Ministerialverordnung ernöthigte Verpflanzung von Leipzig nach Berlin, und welches mit dem Jndifferentismus und der Engherzigkeit immerfort zu kämpfen hat. Daß praktisch geschulte Männer an der Spitze des Bundes standen, bewährte sich darin, daß mit ihm nicht bloß Ideen und Ideale ausgesprochen, sondern faktische Veranstaltungen, Stiftungen u. s. w. verbunden wurden, so daß sich alsbald thatsächliche Interessen an ihn knüpften. — Doch Berlin, 27. April. (Privatmitth.) Bekanntlich hatten eigenthümlicher Weise die Fragebogen der vor zwei Jahren aufgenommenen Berufsstatistik auch die Rubrik „Religion", als ob Religion und Beruf irgend einen Zusammenhang hätten. Wir brauchen nicht zu sagen, aus welcher Stimmung heraus diese auffällige Einrichtung erklärt wurde. Jetzt wird bekannt, daß die amtliche Bearbeitung der Berufsstatistik die „Confession" nicht berücksichtigen werde. Hierüber ist die „Kreuzzeitung" sehr unglücklich. Sie meint, das müsse noch nachgeholt werden, da eine „sachliche Würdigung" der Ergebnisse ohne Berücksichtigung der Confessionsverhältnisse nicht möglich sei!! Natürlich hatte die „Kreuzzeitung" kommen wir nun zu dem vierten ordentlichen Gemeindetage, gehofft, aus der Berufsstatistik antisemitisches Kapital schlagen Bon der würdigen Haltung desselben, von der trefflichen Leitung durch den Justizrath Meyer und den guten Resultaten wird der Bericht Kunde gegeben haben. Hier nur einige Bemerkungen. Zunächst die erfreuliche Thatsache, daß die Versammlung Vertreter aller religiösen Richtungen, selbst der extremsten, friedlich mit einander vereinigte, also die Erreichung dieses Zieles des Bundes, von allen religiösen Spaltungen zu können, noch dazu, da es den Antisemiten bei Bearbeitung von Ziffern nicht ankommt, durch einige Kunstgriffe in der Gruppirung das gerade Gegentheil von dem herauszubringen, was die Zahlen besagen. Man erinnere sich der antisemitischen Bearbeitung der Criminaltabellen. Hamburg, 21. April. (Privatmitth.) Schon seit langer Zeit war dem Vorstand der israelitischen Mädchenschule von sich fern zu halten, vollkommen geglückt ist. Auch das will 1798 das Bedürfniß klar, einen Neubau des alten, den