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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1884-04-06 · Heft 19 (6.4.1884) · p. Seite 296

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
48 (1884)
Issue
Heft 19 (6.4.1884)
Date
1884-04-06
Page
Seite 296 (sequence 4)
Language
German
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296 Steinthal, den Antrag gestellt, zur endgültigen Feststellung! eines oder zweier solcher Pläne eine Delcgirten-Bersammlung von Schulmännern nach Berlin zu berufen. Dieser Antrag wurde denn auch nach kurzer Debatte von den anwesenden! Mitgliedern, in welchen alle religiösen Richtungen vertreten! waren, einstimmig angenommen. Denselben erfreulichen Er-' folg hatte der nächste Antrag des Ausschusses. Es handelte sich hier darum, die heilsamen Erfahrungen, welche der Ostpreußische Gemeinde-Verband mit seinen geordneten Jnspectionen der Religionsschulen gemacht hat, auch den übrigen Theilen des Reichs zugängig werden zu lasten. Demgemäß war von Seiten des Ausschustes der Antrag auf Bildung von Gemeindegruppen zur Veranstaltung regelmäßiger Jnspection der Religionsschulen gestellt worden. Nach einer sehr lebhaften Debatte, in welcher namentlich vr. Vogelstein- Stettin mit Wärme für den Ausschußantrag, vr. Kroner- Ersurt für die Uebertragung der Jnspection aus die Lehrervereine eintraten, erlangte der Vorschlag des Ausschustes einstimmig Genehmigung. — Nach einstündiger Pause wurden gegen 2 Uhr die Verhandlungen aufs Neue eröffnet. Es folgte derjenige Punkt der Tagesordnung, welcher zu erregtesten, aber doch resultatvollen Erörterungen Anlaß gab, der Antrag auf Vermehrung von lokalen (d. i. provinziellen) Vereinen für die Pflege des Handwerks, der Landwirthschaft und der technischen Gewerbe unter den Juden. Der Referent, der Historiker Profestor vr. Breßlau, der Vorsitzende des Berliner Vereins, welcher für diesen Zweck seit einer Reihe von Jahren erfolgreich wirkt, führte aus, daß die Bestrebungen dieses Vereines verallgemeinert werden müßten, und daß im D. I. G. B. diejenige Centralstelle gefunden sei, von der aus eine gleichmäßige Handhabung des Dereinsprinzips in ganz Deutschland sich bewerkstelligen ließe. Es betheiligten sich an der Debatte hierüber, außer dem Referenten, noch die Herren Marcus Adler-Berlin, Rechtsanwalt Lehmann-Dresden, Geheimrath Kristeller, vr. Ludwig Stein-Berlin, vr. Brann-Berlin, I. Landsberger-Glogau, vr. Kroner-Erfurt, vr. Vogelstein- Stettin, Prediger Wolff-Berlin, Theodor Marcus-Berlin und Profestor Lazarus. Während Wolff-Berlin sich vollständig ablehnend gegen den Antrag verhielt, wurden von den Herren vr. Stein und Landsberger dem Ausschuste Untcranträge zur Erwägung und Vorbereitung übergeben, welche sich auf die Herstellung einer Statistik, sowie auf die Beschaffung eines Sripendienfonds für Handwerkslehrlinge bezogen. Dr. Kroner'Erfurt rückte durch eine Bitte an den Ausschuß die Sabbathfrage in den Vordergrund, indem er unter Hinweis auf die Schwierigkeit der Unterbringung von Lehrlingrn den Ausschuß angeht, eine Anzahl Lehrmeister zu suchen, welche den Lehrlingen die Möglichkeit der Sabbathheiligung gewähren. Nachdem eine Anfrage des Redacteurs vr. Hildesheimer-Berlin, ob diese Bitte Berücksichtigung finden werde, unter allgemeinem Beifalle von vr. Kristeller bejaht worden, gelangte der Antrag selbst zur Annahme. Die Ausbildung von jüdischen Personen für die Krankenpflege war Gegenstand eines Berichtes des Sanitätsrath vr. Marcuse-Berlin. Der Ausbildung steht, wie aus dem Referate zu entnehmen, der Mangel geeigneter jüdischer Lehranstalten hindernd im Wege. Der letzte Punkt der Tagesordnung war der Antrag auf Verallgemeinerung der Maßregeln gegen die Wanderbettelei. Dieser Antrag wurde nach einem ebenso umfaffenden, wie klarem Referate des Rechtsanwalt Hermann Stern- Berlin nach kurzer Debatte widerspruchslos angenommen. Nachdem noch die Amtsdauer des Ausschustes auf 4 Jahre normirt worden war, wurde der bisherige Ausschuß auf Vorschlag des Justizrath Meyer durch Acclamation wiedergewählt. Profestor Lazarus dankte dem Vorsitzenden für die umsichtige Leitung der Verhandlungen, worauf gegen 4Vs Uhr der Gemeindetag schloß. Um 5 Uhr versammelte sich eine Anzahl der Theilnehmer zu gemeinsamen Festmahle, bei dem Geheimrath Kristeller den Toast auf den Kaiser unter begeisterter Zustimmung aller Anwesenden ausbrachte. Geistvolle Toaste, gesprochen von den Herren Profestor Lazarus, vr. Rahmer, vr. Kroner, vr. Bodek, Sal. Marx, und vr. Ludwig Stein gaben den Theilnehmern der Tafel eine gehobene Stimmung. Nicht minder erfreuten ftöhliche Weinlieder unserer klastischen Dichter Gabirol, Jehuda Halevi und Alcharisi, übersetzt von Kristeller, componirt von Lewandowski und gesungen von den talentvollen Brüdern Melamet aus Wilna, die Festgenosten, bis der Abend hereinbrach und einen Theil der Gäste zwang, die Rückfahrt in ihre Heimathsgemeinden anzutreten. Literarischer Wochenbericht. Bonn, 25. April. Im vorigen Jahre erschien eine Sammlung von „Dorf- und Schloßgeschichten" von Marie von Ebener-Eschenbach. (Berlin, Paetel, 1883). Die Berfafferin besitzt in hohem Grade die Kunst, Personen und Situationen realistisch zu zeichnen, und ihnen dochhoch ideale Tendenzen und Züge einzusenken. Wir erachten dies für den bedeutendsten Grad novellistischer Kunst. Auf diese Weise schafft die Berfafferin echte kleine Kunstwerke, die den Leser spannen und befriedigen, selbst wo der Ausgang ein tragischer ist. Die Charaktere sind alle wahr und entwickeln sich naturgemäß. Dabei benutzt die Berfafferin, was wir ihr hochanschlagen, gar keine Liebesgeschichten, sondern Verwickelungen des wirklichen Lebens, größtenteils geschichtlicher Art.

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