Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 48 (1884)
- Issue
- Heft 18 (29.4.1884)
- Date
- 1884-04-29
- Page
- Seite 284 (sequence 8)
- Language
- German
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284 Wickler, der zeitlebens nach den sittlichen und nationalen! ins Stocken. Jetzt aber versetzte sich Auerbach aus dem Idealen, der Förderung und Befestigung derselben gestrebt heimathlichen Boden des Judenthums auf seine Geburtsstätte, hatte, und daran einen thätigen Antheil genommen zu haben! den Schwarzwald, und begann mit einer glücklichen Jnspiglaubte, sah darin einen schweren Rückgang der Nation in > ration die Reihe jener meisterhaften „Schwarzwälder Dorf' diesen Idealen, eine Vernichtung seiner eigenen Wirksamkeit,! geschichten", die sich schnell den allgemeinsten Beifall erwarben eine Störung und Schädigung alles ethischen und nationalen 1 und in der deutschen Literatur eine bleibende Stelle ein- Gleichgewichts. Auf ihn machte deshalb, noch dazu da er! nehmen. Von da ab wandte sich der Dichter von jeder Begerade in Berlin lebte, dem Hauptherde des Antisemitis-; rühruug mit dem Judenthume ab. Treu dem jüdischen Bemus und zugleich der gemeinsten und pöbelhaftesten Auskennt» ist, wenn auch in spinozistischer Gestalt, vermied er brüche, einen geradezu erschütternden Eindruck, der ihn in I jedoch jede weitere Mitwirkung an der Entwickelung des eine fast verzweifelte Stimmung versetzte. Man hat hierüber Judcuthnms, und schloß sich vielmehr in ein exclusives bei Gelegenheit des Todes des weithin verehrten Dichters j Tcntschthum ein. Wir haben dafür Beweise in Händen, viel gesprochen. Jetzt aber liegen uns die sprechendsten! daß er vorzugsweise als „Germane" sich fühlte und gelten Dokumente vor. Es erscheinen nämlich in den nächsten Tagen! wollte. Wenn er in seinen späteren Schriften Judenthum die Briefe Auerbachs an seinen Vetter und intimsten Freund und Juden berührte, geschah es in zweideutiger Weise. Da Or. Jakob Auerbach, den vieljährigen Religionslehrer am j war es in seinem späteren Lebensalter, wo er durch die an- Philanthropin zu Frankfurt a. M. und verdienstvollen Bertisemitische Bewegung, wie er selbst in einem Briefe vom fasser von Schriften für die Fugend, in zwei starken Bänden. U>. Sept. 1881 an Jakob Auerbach sagt, „auf den jüdischen Diese Briefe reichen vom Jahre 1830 bis zum Tode des Dichters, also über ein halbes Jahrhundert. In den Briefen aus den letzten Jahren finden sich nun vielfache Aeußerungen Auerbachs über die antisemitische Bewegung. Obschon nun diese Briefsammlung noch nicht erschienen ist, brachte doch die „Frankfurter Ztg." Auszüge aus ihr, und schließlich mehrere dieser letzten Zuschriften. Wir theilen diese schon heute mit, wie sie von jenem Blatte gegeben worden, müssen jedoch einige Bemerkungen voranschicken. Auerbach hat seine erste Erziehung in dem streng jüdischen Hause seiner Eltern im schwäbischen Dorfe Nordstetten erhalten, deffen jüdische und christliche Einwohner in Freud' und Leid friedlich mit einander lebten, sich gegenseitig achteten, und in ihrer Eigenart gegenseitig keinen Anstoß fanden. Er ging aus diesem Orte und Hause mit der Bestimmung heraus, Rabbiner zu werden und sich zu diesem Berufe vorzubereiten. Gab er denselben und die bezüglichen Studien bald auf, nachdem er den Boden der allgemeinen Bildung Ursprung znrückgelenkt wurde," und mit seiner feinfühligen Seele trat diese Umwandlung in ihm schon bei dem ersten Wellenschläge ein. Als der berühmte Chirurg Billroth in einer bekannten Schrift die Juden, soweit sie der Medicin angehören, mit Schmähungen überhäufte und ihnen sogar die Fähigkeit deutsch zu schreiben absprach, trat Auerbach, der persönlich mit Billroth bekannt war, mit einer schneidigen Entgegnung auf. Als in Rußland ein langer Prozeß über die Blutbeschuldigung einer Anzahl Juden geführt wurde, ließ Auerbach in der „Gegenwart" seine ganze Erbitterung über diesen Frevel an Wahrheit und Humanität aus. Da er schon von dem Ueberhandnehmen der antisemitischen Strömung tief gebeugt und sein Gesundheitszustand zerrüttet war, fühlte er sich gehoben durch den bekannten Brief Döllingers in der „A. A. Z.", in welchem der berühmte Gelehrte diesen Auswuchs unsrer Zeit auf's Schärfste verurtheilte. Auerbach schrieb und veröffentlichte ein enthusiastisch gefärbtes Danki schreiben an Döllinger. So war er durch diese Zeiterscheibetreten hatte, so zog er doch aus seiner Zusammengehörig-! nnng zu seiner Jugend zurückgeführt, mit deren Schilderung keit mit dem Judenthume seine ersten literarischen Arbeiten.! er sich damals eifrig beschäftigte. Wir lassen nun den Re Schon 1837 trat er mit seinem historischen Roman „Spinoza" gereuten der „Frankfurter Zeitung" sprechen: auf, an den sich l840 „der Dichter und der Kaufmann" | „Der schon erwähnte Brief Döllinger's ist die rühmliche (Ephraim Kuh) schloß. Aber schon 1838 gab er eine Bro- Kundgebung des freisinnigen Theologen, mit welcher derselbe schüre gegen die damaligen Judenhaffer, namentlich gegen damals gegen die antisemitische Bewegung in der „Allgem. die heraus, welche die Auswüchse des sog. jungen Deutschlands Ztg." an die Oeffentlichkeit trat. Es ist schon bei Gelegenden Juden zur Last schrieben: „das Judenthum und btc; tjeit seines Todes berichtet worden, wie tief Auerbach von neueste Literatur". Ferner gab er 1837 und 38 die Fortdieser Bewegung im Innersten getroffen, ja gebrochen wurde, setzung der vom Grafen von Breza und Otto Spazier be- Das also war das Ende! Sein ganzes Leben hatte er dem gonnenen „Galerie der ausgezeichneten Juden aller Jahr- Beweise gewidmet, wie gut der als Jude geborene Deutsche Hunderte, ihre Portraits und Bibliographien", in Verbindung von ganzem Herzen und mit jeder Faser im Denken und mit dem später rühmlich bekannt gewordenen Prediger, Thun ein ganzer und echter Deutscher sein könne und durch N. Frankfurter heraus; doch kam dieses Unternehmen bald die von oben herab geduldete Judenhetze, sah er dies ganze