Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 48 (1884)
- Issue
- Heft 17 (22.4.1884)
- Date
- 1884-04-22
- Page
- Seite 270 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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270 Anschuldigungen einer vom Staate conccssionirten Genossen-! schaft gegenüber, aufrecht zu erhalten, da verfiel Herr Maaß aus einen Professor, der in Münster in Westfalen leben soll, und gab denselben als Bcweiszeugen für die Richtigkeit der aus-, gesprochenen Gemeinheiten an. Die Sache wurde daraufhin ' zum 4. April vertagt; aber Maaß erschien wieder mit der Bitte um weitere Vertagung, weil nach unserer Meinung der j Professor entweder noch nicht gefunden, oder weil der gelehrte : Mann nicht ohne vorherige Einsendung von Reisespesen nach j hier kommen will, um vielleicht zu Gunsten des Maaß ein j Jiic haeret aqua1-. :c. „zu deutsch: hier steht der Ochs am Berge" zu inszenircn. — Maaß behauptet steif und fest, die „Jsakiade" selbst verfertigt zu haben, aber das glaubt ihm sicherlich Niemand, denn wenn auch derjenige, der den Bürstenfabrikantcn Maaß jun. kennt und weiß, daß er eine ziemlich Dosis Dreistigkeit, um nicht zu sagen Frechheit besitzt, so wird er ihm doch keine, selbst keine in Knittelversen „gemachte" Poesie?! zutrauen. Herr Maaß würde gut thun, den wahren „Fabrikanten" der „Jsakiade" persönlich namhaft zu machen, um sich so aus dem Strudel, in den ihn vielleicht nur die Sucht nach Gewinn geworfen, herauszuziehen. Dresden, im April. (Privatmitth.) Wie alljährlich hat der Vorstand der hiesigen Gemeinde seinen Verwaltungsbericht auf das Jahr 1883 ausgezeben. Ter Bericht enthält nichts, was das allgemeine Interesse in Anspruch nähme, wenn nicht, daß die Dresdner Gemeinde zu den seltnen gehört, welche für die Gemeindekosten einen immerhin beträchtlichen Fond besitzt, und im Stande ist, nach dem Abschluß der Bilanz Kapitalien in Effekten anzulegen. Hiermit ist nicht gesagt, daß die Gemeinde etwa keine Kultusbeiträge brauche: vielmehr belaufen sich diese auf M. 17,653, was auf die 417 stimmberechtigten Mitglieder vertheilt, durchschnittlich fürs Jahr M. 40 ausmacht, was immerhin keine zu drückende Last ist. Jedenfalls ist die Dresdner Gemeinde in Synagoge, Schule, Wohlthätigkeitsanstalten und in ihrer Finanzlage eine blühende. einer anderen Regierung in einem ähnlichen Falle gegenüber lobend hcrvorzuheben. Nicht unbemerkt wollen wir auch lassen, daß einige große deutsche Zeitungen gerade wie nach dem Tode Lasters verfuhren: im ersten Augenblicke nach dem Eintreffen der Trauerkunde ein lautes Rühmen des Verstorbenen; gleich darauf abschwächende Artikel, welche die Bedeutung des Heimgegangenen möglichst zu verkleinern suchten. Die Publicistik unserer Tage hat uns an alle diese Methoden gewöhnt, so daß sie kaum noch aussallen. Pest, 7. April. In den jüngsten Tagen wurde im Veruntreuungsprocesse des Abgeordneten Verhovay, des bekannten äußersten Antisemiten, Redakteurs des wüthigsten ungarischen Antiseruitenblattes der Anklagebeschluß publicirt, wonach Julius Verhovay, dessen Bruder Ludwig und Buchdrucker Willens wegen Veruntreuung in den Anklagezustand versetzt werden. Die Motive des Anklagebeschluffes sind viel schärfer und für Verhovay weit gravirender als die Begründung des staatsanwaltschastlichen Strafantrages. Pest, 7. April. In Siebenbürgen wird die Magyarisirung mit Dampf betrieben. Mit den Juden macht man selbstverständlich dte wenigsten Umstände. In der Nähe von Bistritz ist ein Dorf, Ungersdors genannt, in dem 500 Rumänen, 200 Sachsen und 200 Juden wohnen. Eines Tages erhält der Notar vom Vicegespansamt den gemessenen Auftrag, allen jüdischen Einwohnern magyarische Familiennamen zu geben. Derselbe versammelt sofort die Juden in seiner Kanzlei und theilt ihnen mit, daß hinfort ihre deutschen Namen so und so magyarisch zu lauten hätten. Auf diese Weise sorgt man für die Vermehrung des magyarischen Volksstammes. In ähnlicher Weise wird in Kronstadt verfahren. Tort weigert sich der Richter, ein anderes als magyarisches Protokoll mit den Borgeladenen aufzunehmen. Auch dort werden den Juden von Amtswegen magyarische Familiennamen gegeben. (Ob das Verfahren echte Magyaren giebt? Das Beispiel könnte, bei irgend einem Unglück der Magyaren, zu deren Schaden nachgeahmt werden!) Oesterreich-Ungarn. Wien, 7. April. Hinsichtlich der Beerdigung Kuranda's tragen wir noch Folgendes nach: Tie Beerdigung Kuranda's in Wien war ein Akt von politischer Bedeutung. Sckion Tags zuvor waren über 2000 Beileidsschreiben bei den Hinterbliebenen eingegangen. Wer irgend zu den politischen und literarischen Notabilitäten des Kaiserstaats zählte, hatte zur Kundgebung seiner Theilnahme sich verpflichtet gefühlt; allen voran der österreichische Ministerpräsident Graf Taaffe und der Präsident des Abgeordnetenhauses Dr. Smolka, die beide keinen Anstand nahmen, dem politischen Gegner ihre Hochachtung zu zollen. Wiener Blätter stehen nicht an, dieses Verhalten dem Verfahren Nußland. Petersburg, 7. April. Neun Bauern aus dem Dorfe Karabinowska im Kreise Nowomoskowsk sind wegen Widerstandes gegen die Obrigkeit gelegentlich der vorjährigen Ausschreitungen gegen die Juden dem Geschwornengerichte überwiesen; die gerichtliche Verhandlung soll in nächster Zeit stattsinden. Petersburg, 0. April. Wie die „Nowosti" melden, wurde bei Gelegenheit einer Privatklage in dem Senat die Frage erörtert, ob Juden auf Grund der jetzigen Judenordnung angehalten werden können, diejenigen Immobilien zu verkaufen, welche sie vor dem Erlasse dieser Ordnung erwarben, zumal wenn sie zur Zeit der Erwerbung der Jmmo-