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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1884-04-22 · Heft 17 (22.4.1884) · p. Seite 269

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
48 (1884)
Issue
Heft 17 (22.4.1884)
Date
1884-04-22
Page
Seite 269 (sequence 9)
Language
German
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269 kommissär übergeben wurden, der sie dann durch Mißhand-! lungen zum Geständnisse gezwungen hat, durch die Daten ' der Untersuchung unterstützt wird und die Zurückziehung der! Geständnisse nicht als unmotivirt angenommen werden kann; theils weil gegenüber dem Leugnen der übrigen Angeklagten auf Grund der Zeugen-Aussage Ignaz Matej's, der sich in Widersprüche verwickelte, ein gesetzmäßiger Beweis nicht hergestellt werden konnte, das freisprechende Urtheil der königlichen Tafel aus diesen, sowie aus den hierauf bezüglichen Motiven der unteren Instanzen bestätigt werden." — Dies ist das Ende des traurigen Prozesses, der ein so kümmerliches juridisches, aber ein reiches sittliches und culturvolles Resultat gehabt. Jndeß fiel sowohl in dem vor der k. Kurie erstatteten Referat, wie in der Motivirung des Urtheils, die starke Betonung der Unregelmäßigkeiten in dem Untersuchungsverfahren und der Vexationen und Torturen gegen Angeklagte und Zeugen auf. Und dies scheint endlich eine Folge zu haben. Es wird nämlich aus Pest berichtet: Tie k. Ober-Staatsanwaltschaft wird auf Grund jenes Passus im Urtheile der k. Kurie vom 4. d., in welchem cs heißt, daß die Flößer von Organen der Untersuchung durch Mißhandlungen und Vexationen zu einem Geständnisse gezwungen wurden, sobald die Akten zum Nyiregyhazaer Gerichtshöfe gelangt sein werden, beim Justizministerium um die Delegirung eines Untersuchungsgerichtes zu dem Zwecke ansuchen, um gegen jene Organe des Nyiregyhazaer Untersuchungsgerichtes, welchen ein Verschulden in dieser Richtung zur Last fällt, die Einleitung des Strafverfahrens wegen Mißbrauchs der Amtsgewalt zu beantragen. %cit*U41CJ >V\,aC^%A'C^CCYl. Deutschland. Berlin, 8. April. (Privatmitth.) Es giebt gegenwärtig Männer, für die wir uns, wenn auch nicht aus freiem Antriebe, gewissermaßen interessiren müssen. Dazu gehört auch Heinrich von Treitschke. Er war es, der einzige wissenschaftlich bedeutende Mann, welcher sich bei dem Beginne der antisemitischen Agitation zu einem Hauptredner derselben aufstelltc, und, obschon seine Anschuldigungen und Klagen bald widerlegt wurden, doch durch seine Stellung und sein Ansehen dieser schmählichen Bewegung starken Vorschub leistete. Glücklicherweise zeigte es sich bald, daß er auf diesem Wege sich völlig isolirte, und dies kam ihm allmählig so zum Bewußtsein, daß er jetzt aufs Bestimmteste erklärt hat, kein Mandat für den Reichstag wieder anuehmen zu wollen. Er glaubt, „im Reichstag nicht die Stellung einzunehmen, die seiner politischen Bedeutung zugckommen wäre." Darin irrt er sich allerdings nicht, und nachdem er von der .nationalliberalen Partei abgestoßen war, sank er in parlamentarischer Hinsicht zu völliger Bedcutungslofigkeit herab. Bonn, 7. April. (Privatmitth.) Im vorigen Jahre verfiel hier ein Bürstenmacher Maaß darauf, es mit dem ^Antisemitismus zu versuchen. Es erschienen Plakate, Flugblätter, die „keinem Juden verkauft werden" sollten und dgl. Niemand achtete darauf. Da ließ er ein Gedicht „die Jsakiade" von Stapel. Die Staatsanwaltschaft belegte sie mit Beschlag und erhob die Anklage. Im Termine erbot sich der Angeklagte, den Beweis der Wahrheit durch einen Sachverständigen anzutreten. Hierüber berichtet der hier erscheinende „General- Anzeiger" Nr. 10. „Die am 4. mit großer Spannung erwartete Verhandlung gegen den famosen Herausgeber der „Jsakiade", August Maaß .sun. und den Drucker derselben, Jean Trapp, beide zu Bonn wohnend, fand wider Erwarten vor der Strafkammer des Königl. Landgerichtes nicht statt, und zwar weil Maaß gebeten hatte, die Sache hinauszuschieben, da er noch keine Sachverständige als Schutzzeugen vorführcn könne; das Gericht hat denn auch diesem Wunsche willfahrt, und ist Maaß Gelegenheit gegeben. Beweismaterial herbeizuschaffen. Daß er aber ein solches Material nicht herbeischaffen kann und wird, das Hallen wir schon jetzt! außer allem Zweifel stehend. Tie in der „Jsakiade" in gemeinster Weise ausgestellten Behauptungen als wahr zu ergründen, wird sich schwerlich Jemand finden lassen; denn selbst ein Prosessor Rohling (Verfasser des „Talmud-Juden"), der doch auf diesem Gebiete auch etwas zu leisten vermag, würde nicht den Muth haben, in einer solchen Schmutzgeschichte die Partei des Herrn Maaß zu ergreifen, abgesehen davon, daß es dem Herrn Professor wohl auch nicht sehr lieb sein würde, einmal aus seinem Winkel heraus und vor das unparteiische Gericht vernünftiger Männer zu treten. — Schon in der Eröffnungsverhandlung am 7. März d. I., hatten wir Gelegenheit den Maaß in seiner Eigenschaft als Antisemit kennen zu lernen. Nicht wie ein Mann stand er da, der seiner Ueberzeugung treu und seines Rechtes bewußt ist und das Strafgericht nicht zu fürchten braucht, sondern wie ein Schwätzer, der durch seine Blasphemien Freunde und Geld zu erwerben suchte, und nun bei Verleumdungen entdeckt, sich hinter allerlei Ausflüchte zu verbergen strebt. So stand er da, und auf die Frage des Vorsitzenden des Gerichtes nach Beweisen für die in der „Jsakiade" aufgestellten Behauptungen, zog er vergilbte Zeitungsausschnitte und Broschüren hervor. Als aber das nicht genügte, um so schwere 17

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