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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1884-04-22 · Heft 17 (22.4.1884) · p. Seite 271

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
48 (1884)
Issue
Heft 17 (22.4.1884)
Date
1884-04-22
Page
Seite 271 (sequence 11)
Language
German
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271 bilien Zunfthandwerker waren, jetzt aber kein Handwerk betreiben. Der Senat hätte sich hierbei dahin ausgesprochen, daß der betreffende Verkaufszwang unzulässig sei, auch in dem Falle, wenn Juden als Handwerker die Immobilien erwarben. Allerdings verlieren diejenigen Juden, welche ein Handwerk aufgegeben haben, sobald sie von dem Handwerkerj amt aus der Mitgliederliste gestrichen sind, das Recht, sich i außerhalb des Bezirks ihrer beständigen Ansässigkeit aushalten! zu dürfen, des Bcsitzrechtes auf das Eigenthum, welches sie! in gesetzlicher Weise erwarben, begeben sie sich dadurch! jedoch nicht. - Aus Rußland, im April. (Privatmitth.) In zwei! Städten, Dobra-Dureg und Dombie-Kollo (Gouv. Kalisch)! fand man in der letzten Zeit in der Synagoge Thorarollen! zerschnitten auf dem Boden und ebenso Perauches und Mäntel,! an dem einen Orte lag ein großes Kreuz daneben. Tie Juden vollzogen die bei solcher Entweihung üblichen Fasten, die Thäter konnten aber nicht ermittelt werden. In einer anderen Stadt desselben Gouvernements, Conin, sand ein Tumult gegen die Juden statt, weil der neu erwählte Rabbiner in der Synagoge gegen die Judenfeinde gesprochen haben sollte. Nur durch Polizei und Militär konnte die Aufregung unterdrückt werden. Durch die Warschauer Hauptpolizei wurden in Zschiersch (Gouv. Petrokow) 6 ausländische, zumeist deutsche Gesellen aus einer dortigen Fabrik verhaftet und nach Warschau transportirt. Dieselben trieben antise-! mitischc Agitation und man soll bei ihnen Briefe mit der! Unterschrift Stöckers gefunden haben. — Der Pariser Gau-! lois hatte über große Arbeiterunruhen gegen die Juden in! Kiew berichtet. Das Journal cke 8t. Petersbourg erklärt; diese Nachrichten für völlig erfunden. — In Kollo (Gouv.! Kalisch) belegte der Friedensrichter 15 Inden, weil sie auf! den Dörfern ihre Schenken keinem Christen übergeben hatten, mit loO bis 150 Rubeln Strafe; In Lodz erschien der Missionär I)r. Lois aus Berlin, um antisemitische Reden zu halten. Als die Polizei dies erfuhr, brachte sie ihn mit Schande und Spott zur Grenze. — In Maltiz (Gouv. Mohilew) fand infolge einer Mischehe und der von den Juden darüber bekundeten Unzufriedenheit ein großer Tumult gegen die Juden statt, der jedoch von den Bürgern der Stadt und der Polizei unterdrückt wurde. Es fanden dabei viele Verhaftungen statt. — In Mitau ist gegenwärtig ein umfassender, über die ganze Provinz sich erstreckender Verein in der Bildung begriffen, ein Verein zur Unterstützung Arbeitsbedürftiger ohne Unterschied des Glaubensbekenntniß. In die Zahl der Mitglieder deffelben sollen, wie die „Mit. G." referirt, alle Personen ohne Unterschied des Geschlechtes, Standes und der Nationalität ausgenommen werden, die sich verpflichten, alljährlich einen, ihren Mitteln und freiem Willen entsprechenden Mitgliedsbeitrag zu leisten und fortan keinem Bettler oder Vagabunden eine Geldunterstützung zu reichen. Die reale Grundlage des Vereins sollen, abgesehen von den Mitgliedsbeiträgen, verschiedene Legate bilden, die seit einer Reihe von Jahren — das älteste stammt bereits aus dem Jahre 1812 — beim Mitau'schcn Stadtmagistrate deponirt sind und von Menschenfreunden unter Bestimmungen gegründet worden sind, die den Tendenzen dieses Vereins durchaus entsprechen. Der Verein wird seine Thätigkeit darauf erstrecken, allen arbeitslosen aber arbeitsfähigen Personen die Gelegenheit zur Arbeit zu vermitteln, bezw. dieselben nach Möglichkeit zur Arbeit anzuhalten. Doch nicht die Vermittelung der Arbeit an und für sich ist der Zweck des Vereins, sondern durch Beseitigung der Hemmnisse, durch Gewährung von Obdach, Kleidung und Brod, durch sittliche Erziehung und moralischen Einfluß soll der vom Verein! Anfgenommene aus seiner drückenden Lage befreit, mit seinem! Loose und der Menschheit wieder versöhnt, soll ihm der Segen > der Arbeit zum Bewußtsein gebracht und ein menschenwürj diges Leben bereitet werden. Moses Feindkind. j Rumänien. j Bukarest, 6. April. (Privatmitth.,, Tie rumänische! Regierung hat zur Regelung der Ausverkäufe und Waaren- , lager ein neues Gesetz erlaffen, dessen Bestimmungen hauptsächlich die Juden treffen. Nach diesem Gesetze sind alle, welche als Vermittler zwischen Fabrikanten, Industriellen und Kaufleuten dienen, gehalten, der Handelskammer oder wo eine solche fehlt, der Kommunalbehörde die Häuser für welche sie arbeiten, schriftlich anzuzeigen und die Vollmacht jener Häuser zur Vertretung in allen Srten vorzuzeigen, wohin sie ihre Geschäfte machen. Ferner dürfen sie nur an oder für ihre Kunden Waaren anbieten und Bestellungen ausnchmen. Palästina. Paris, im März. Was wir so oft und so nachdrücklich ausgesprochen, daß jüdische Colonieen in Palästina keine Aussicht haben, bewährt sich jetzt leider thatsächlich. Tie isr. univ. sieht sich in ihrem Märzbulletin bewogen, folgende Warnung zu veröffentlichen: „Seit einigen Jahren sind eine große Anzahl russischer und rumänischer Israeliten nach Palästina gewandert, um dort Colonieen zu gründen. Selbst Comitees haben sich in einigen Städten Rumäniens zu dem Zwecke gebildet, diese Emigration zu begünstigen. Tie rumänischen Comitees, unfähig die Colonisten zu unterhalten, welche sie unvorsichtig nach Palästina geschickt hatten, haben sich aufgelöst und haben Anderen die Ausgabe überlassen, für die Bedürfnisse der Colonien zu sorgen, welche sie gegründet hatten. Tie neuen Colonisten, welche sich nach Palästina begaben, trafen dort auf die ernstesten Schwierigkeiten.

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