Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 48 (1884)
- Issue
- Heft 17 (22.4.1884)
- Date
- 1884-04-22
- Page
- Seite 266 (sequence 6)
- Language
- German
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266 glieder des Deutsch-österreichischen Lesevereins, der Wiener Hochschulen, die fremden Deputationen, sämmtlichc jüdischen Religionslehrer an den Wiener Mittelschulen, der Krankcn- und Unterstützungsverein „Nächstenliebe" in der Leopoldstadt und viele Andere an. Es war ein schier endloser Zug. Der Verkehr in den Straßen mußte während dieser Zeit unterbrochen werden. Bis zum Jnvalidenhause auf der Landstraßer Hauptstraße gaben die Trauergäste dem Sarge das Geleite zu Fuß, dann wurden die Wagen bestiegen, und die lange Colonne setzte sich nach dem Central-Friedhofe in Bewegung. Als der Conduct um 11 Uhr auf dem Friedhofe anlangte, waren auf demselben schon ungemein zahlreiche Personen, welche früher gekommen waren, versammelt. Recht stürmisch gestalteten sich die Scenen beim Einlaffe in die große, für Nachdem Dr. Güdemann geendigt hatte, trug der Chor wieder einen Psalm vor, und dann ergriff Dr. Herbst unter allgemeiner Bewegung das Wort. Er sprach: „Es ist ein theurer College, den wir heute trauernd auf seinem letzten Wege begleiten. Mit tiefer Wehmuth muß uns an diesem Tage der Gedanke erfüllen, wie sich immer mehr und mehr der Kreis derjenigen Männer lichtet, welche an den ersten Anfängen fortschrittlicher Entwicklung in unserm Vaterlande theilnahmen und der Ueberzeugung, welche sie damals beseelt, unverbrüchlich während ihres ganzen Lebens treu blieben. Zu den besten dieser Männer zählte er, deffen Hinscheidcn wir heute bedauern. Schon die erste Zeit seines publicistischen Wirkens, welches er fern von der geliebten Heimat entwickelte, lieferte den Beweis und gab Zeugniß von der innigen Liebe für Oesterreich und von der die Vornahme der Leichenfeier bestimmte Halle. Die zahlreich > Begeisterung, mit welcher er dem Gedanken der Fortbildung aufgebotenen Sicherheitswachmänner waren kaum im Stande, i 1e*ne§ Vaterlandes im Geiste der modernen Zeit huldigte, dem ungeheuren Andrange derer, welche in die Halle gelangen! ^^lche Bedeutung dieses Wirken hatte, welchen Einfluß daswolltcn, zu steuern. Nur in kleinen Partien konnten bieje^e au^ Oesterreich» übte, welche Sym- Trauergäste eingelaffen werden, und bald war die Halle demselben entgegengebracht wurden von Männern, überfüllt. Der mit dem Kranze der Familie geschmückte einderen österreichischer echter Patriotismus und deren in bestem fache Sarg wurde nun vor die Estrade gestellt, auf welcher die Reichsrathsabgeordneten Dr. Herbst, Dr. Kopp, die Vorstandsmitglieder der Cultusgemeinde und der Tempelchor sich befanden. Die Leichenfeier wurde durch Absingung eines Psalms cingeleitet, dann trat der Prediger Dr. Jellinek vor und Sinne konservative Gesinnung von Niemanden bezweifelt werden kann, das wissen wir Aelteren, wenn auch die leichtlebige Zeit sich nicht mehr in vollem Maße an diesen Einfluß zu erinnern vermag. Als ihm gestattet war, in die Heimat zurückzukehren, hat er sich unvergängliche Verdienste um die österreichische Publicistik erworben. Das Blatt, welches er gründete, ist nicht mehr übertroffen worden, was schilderte Kuranda als Menschen, als den guten Genius fccn vornehmen, würdigen Ton, was den gediegenen Inhalt, seines Hauses, in welchem er die äugend des Familienlebens oor Qflem yejne unter Verhältnissen, die wir uns heute still und geräuschlos offenbarte. Der Redner schloß mit den mehr vorstellen können, bethärigte Unabhängigkeit und Worten: Kuranda bewährte während seines langen Lebens!, Gesinnungstreue betrifft. Er hat dadurch der österreichischen da» Wort des Spruchdichters: „Pietät und ^.reue mögen Publicistik die Anerkennung und Achtung des In- und Auslandes dich nie verlaßen; binde ite um deinen Hals, schreibe ße ^uiorben. und aus seiner Schule sind viele unserer hervorragendauf die tafeln deine» Herzens, denn sie sind der schönste ^en P^blieisten hervorgegangcn. Als dann in Oesterreich die schmuck des Menschen; vor ihrem Glanze erbleichen alle 2jera jje» Parlamentarismus anbrach, wurde er durch das strahlen irdischen Ruhmes." Vertrauen der Bürger der ersten Commune des Reiches, der Dann sprach Rabbiner Dr. Güdemann, der ein Person- Reichshaupt- und Residenzstadt, bald in den Landtag und licher Freund Kurandäs gewesen und aus deffen Worten Rcichsrath entsendet, und dieses ehrenvolle Vertrauen ist ihm treu geblieben bis an das Ende seines Lebens. Beweis dessen die stets unangefochtene Wiederwahl des allgemein geachteten und geliebten Mannes, Beweis dessen, daß er durch viele Jahre auch im Gemeinderathe für die Stadt wirkte, und daß ihm endlich durch die Verleihung des Ehrenbürgerrechtes die höchste Auszeichnung dieser Stadt zu Theil wurde, an der er mit so inniger Liebe hing und deren großartige Entwickelung ihn stets mit großer Freude erfüllte. Er tiefer Schmerz zu vernehmen war. Er pries die Familienlugenden des Verstorbenen, deffen häusliches Leben, welches die Probe für die Echtheit und Aufrichtigkeit des öffentlichen Wirkens eines Mannes sei, und fuhr fort: „Kuranda war nn Hause derselbe, als welcher er sich öffentlich gab. Wie er in der Oeffentlichkeit das Bürgerthum vertrat, so kannte er auch für sich persönlich keinen höheren Ehrgeiz als den, ein Bürger zu sein und wie ein Bürger zu leben, und trug nie Verlangen danach, seinen inneren Adel sich durch den hat dieses Vertrauen nicht nur bewahrt, das Vertrauen, das äußeren bescheinigen zu laffen. zug seines Wesens." Tie Treue war der Grund-; seine Mitbürger ihm schenkten, war auch ein gerechtfertigtes.; Gleich bei seinem ersten Eintritte in das Parlament gehörte