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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1884-04-22 · Heft 17 (22.4.1884) · p. Seite 265

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
48 (1884)
Issue
Heft 17 (22.4.1884)
Date
1884-04-22
Page
Seite 265 (sequence 5)
Language
German
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265 er sich den Großdeutschen anschloß und sür Oesterreichs Verbleib in Deutschland kämpfte. Die Unhaltbarkeit der Frankfurter Thätigkeit bald einsehcnd, kehrte er nach Wien zurück und begründete hier die „Ostdeutsche Post", in der viele bedeutende Männer ihre journalistische Thätigkeit be- 1 gannen. Der Politik lange Zeit fern, betrat er mit dem! Jahre 1861 die parlamentarische Bahn, er wurde von dem' ersten Bezirke Wiens in den österreichischen Landtag und von ■ diesem in den Reichsrath gesendet und durch 20 Jahre von! derselben Wählerschaft stets neugewählt. Als Reichsrathmit- > glied fand er Gelegenheit zur Bethätigung seiner ungewöhn-j lichen rednerischen Begabung. Wie seine Schreibweise, so! waren auch seine Reden durch Eleganz, und Schönheit aus- * gezeichnet. Kuranda war ein warmer Verfechter seiner Glaubensgenoffen. Mit aller Entschiedenheit trat er seinerzeit gegen den die Juden angreifenden Sebastian Brunner auf, ja er scheute sich nicht gegen einen Kardinal, der nicht die Juden, sondern das Judenthum schmähte, im Reichsrathe das Wort zu ergreifen. Seit 13 Jahren wirkte er als Präses der israelitischen Gemeinde Wien und vertrat dieselbe würdig nach Innen wie nach Außen. Kuranda gehörte zu den beliebtesten und populärsten Persönlichkeiten der Stadt Wien, deren Gemeinderath ihm anläßlich seines vor drei Jahren gefeierten 70. Geburtstages das Ehrenbürgerrecht verlieh. Viele berühmte Männer Deutschlands und Oesterreich-Ungarns bezeigten ihre Verehrung dem Manne, dessen Leben und Wirken dem Liberalismus und dem öffentlichen Wohle gewidmet war. 2. Kuranda's Leichenbegängnis. j Wien, 6. April. (Nach der „Neuen Freien Presse").! Mit allen bürgerlichen Ehren, die dem alten Vorkämpfer für i Freiheit und Aufklärung, dem Mitbegründer der constitutio-1 nellen Aera in Oesterreich, dem verdienstvollen Parlamentarier! und Publicisten gebühren, wurde heute Dr. Ignaz Kuranda zu Grabe getragen. Tie Vertreter aller Kreise der Intelligenz und des politischen Lebens in Wien, seine zahlreichen Gesinnungsgenoffcn und Freunde gaben ihm bei seiner letzten Fahrt das Geleite, und unübersehbar war die Menge der Menschen, die der Trauerseier beiwohnten. Lange vor der für den Beginn der Leichenseierlichkeit festgesetzten Zeit hatte sich eine nach Tausenden zählende Menge vor dem Trauerhause und in der Umgebung desselben angesammelt. Die Fenster der sämmtlichen angrenzenden Häuser waren dicht besetzt. Die Commune hatte die Verfügung getroffen, daß in den Straßen, durch welche sich der Zug bewegte, die Gaslaternen brannten. Im Salon der Wohnung war die Leiche Dr. Kuranda's ausgebahrt, genau nach der jüdischen Sitte in einem einfachen schwarzen hölzernen Sarge aus niedrigem Katafalk. Der Sarg war bedeckt mit den zahlreichen Kränzen, die im Laufe des gestrigen Tages und auch noch heute an der Bahre niedergelegt worden waren. Bedienstete der Commune, der Nordbahn und der israelitischen Cultusgemeinde bildeten an dem Sarge Spalier. Bon den Persönlichkeiten, die der Leichenfeier beiwohnten, seien, so weit bei dem großen Andrange ein Ueberblick möglich war, genannt: Handelsminister Baron Pino, die Herrenhausmitglieder Anton Ritter v. Schmerling, Ignaz Edler v. Plener, General-Intendant Baron Hofmann, Baron Hye, Baron Tinti, Hofrath Professor v. Neumann, Baron Königswart-r^ Fürst Konstantin Czartoryski, Leopold Ritter v. Hafner, , die Mitglieder des Vorstandes der Bereinigten Linken des! Abgeordnetenhauses: Dr. Eduard Herbst, Dr. Eduard Sturm, j I)r. Joseph Kopp, Ritter v. Chlumecky, ferner die Reichsrathsj abgeordneten Fürst Georg Czartoryski, Grocholski, Professor! Eduard Sueß, Dr. v. Banhans, Hofrath Dr. Beer, Skene,; Professor Dr. Lustkandl, Dr. Granitsch, Alfred Lenz. Dr. Ernst! Edler v. Plener, Freiherr v. Scharschmid, Ritter v. Carneri, , Hofrath Dr. Meznik, Sochor, Schwab, Dr. Ruß, Dr. Bareuther, Schier, Wagner, Stöhr, Dr. Bloch, Mauthner, Obratschai, Freiherr Albert v. Rothschild und zahlreiche Vertreter der Finanzkreise, General-Procurator Dr. Julius Glaser, der zweite Präsident des Obersten Gerichtshofes Ritter v. Stremayr, Senatspräsident Baron Lapenna, Hofrath v. Doczi, Hofrath Steingraber, Bürgermeister Uhl mit den BicebürgermeisternDr.Prix und Stendel und mit zahlreichen Gemeinderät hen, Polizeipräsident vonKrticzka, die niederösterreichischen Landtagsabgeordneten Nikola, Baron Sommaruga und Naschauer, Franz Freiherr v. Hopfen, der Präsident und der Bicepräsident der „Coucordia", Regierungsrath Ritter v. Weilen und Johannes Nordmann, Dr. Ludwig August Frankl, zahlreiche Schriftsteller und Journalisten, Hofrath Ritter v. Eichler, Ritter Wiener v. Welten, Ritter v. Borkenau mit sämmtlichen Mitgliedern des Vorstandes der israelitischen Cultusgemeinde, die Mitglieder der Deputationen auswärtiger Gemeinden, der Präsident der Israelitischen Allianz in Wien, Joseph Ritter von Wertheimer, und Obercantvr Sulzer. Kurz vor 10 Uhr intonirte Obercantvr Singer in Begleitung des Obercantors Goldstein und des Tempclchores einen Trauerchoral, und unter den Klängen desselben wurde der Sarg zu dem Leichenwagen getragen. Der Zug rangirte sich nunmehr in folgender Ordnung: Hinter dem Särge schritten die drei Söhne Dr. Kuranda's, dann kam der Bürgermeister Uhl mit den beiden Vicc-Bürgermeistern, der Vorstand der Bereinigten Linken des Abgeordnetenhauses mit Dr. Herbst an der Spitze und die Mitglieder des Vorstandes der israelitischen Cultusgemeinde mit dem Bicepräsidenten v. Borkenau an der Spitze. Ihnen schlossen sich die Abgeordneten, die Gemeinderäthe, die Mit-

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