Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 48 (1884)
- Issue
- Heft 17 (22.4.1884)
- Date
- 1884-04-22
- Page
- Seite 263 (sequence 3)
- Language
- German
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263 von Synoden abgeben würden und aus denen eine allgetenden und neuen Gebetstücken die schon in den alten Gebeten meine Synode sich organisiren könnte. Wenigstens müsse angedeuteten und ausgesprochenen Ideen zum vollen Ausdrucke doch eine Rabbiner-Versammlung, wenn sie nicht die Stellung gebracht werden, nämlich: die religiöse Mission Israels, die des Rabbinats vollständig aufgeben wollte, der Synode eine providentielle Führung in der Geschichte Israels, die großen gutachtliche Vorlage schaffen. Da, wenn auch eine schwache Prinzipien des Judcnthums: der fortschreitenden Entwickelung, Majorität zu Gunsten der Synodalfrage zu bestehen schien, der dereinstigen allgemeinen Herrschaft der Gotteserkenntniß, kam man zu dem vermittelnden Beschluß, die eingelaufenen der Liebe, des Rechts und des Friedens (messianische Zeit), Anträge zuvörderst durch das Präsidium sichten und in eine der Nächstenliebe, der Gleichberechtigung Aller, der Zusammen- Reihenfolge bringen zu lassen. Es wurden fünf Kategorien gehörigkeit in Religion und Gesellschaft (Staat), der persönresolvirt: 1. die Synode, 2. den Gottesdienst, 3. das Ehelichen Freiheit, selbstverständlich wie und inwieweit dies für gesetz, 4. die Schule, 5. Ritualien betreffend. Nach langer Debatte wurde beschloffen, daß 1. periodisch wiederkehrende Synoden, bestehend aus Rabbinen, Gemeindevertretern und Gelehrten, 2. Provinzial- oder Kreissynoden bewirkt werden sollen. Bekanntlich ist man späterhin so rasch auf Berufung einer Synode losgegangen, daß der Gedanke der Provinzialsynoden gänzlich verloren ging. Man setzte sich der Gefahr aus, ein Dach herzustellen, ohne ein Fundament zu haben. Mit der Art und Weife, wie der Zusammentritt einer Synode bewirkt werden solle, beauftragte man die drei Vorsitzenden: Adler, Philippfon und Aub, und wir werden die Gründe später angeben, aus welchen wir persönlich uns diesem Aufträge nicht entzogen, obschon unsre Ansicht mit demselben nicht übereinstimmte. — Man ging nun (am zweiten Tage) zur gottesdienstlichen Frage über. Es beliebte eine Generaldebatte, und hier traten sofort die verschiedensten Meinungsäußerungen hervor, die, wenn sie auch in der Tiefe gar nicht so verschieden waren, doch in ihrer Ausdrucksweise Entgegnungen hervorriefen und eine bewegte Diskussion bewirkten. Ta nun Schreiber dieses diese ganze prinzipielle Erörterung für unfruchtbar erklärte, so daß daraus der Synode gar nichts vorzulegen sei und er auf diese Weise die ihm ertheilte Mission für den Zusammentritt der Synode wirksam zu sein, zurückgebcn werde, ging man auf die Spezialdebattc ein. Tie erste Frage wurde in der Fassung angenommen: „der dreijährige Cyclus der Thoravorlesung soll den Gemeinden empfohlen werden." Die Zweite wurde dahin beantwortet: „die Haphtora soll beibehalten, aber in der Landessprache vorgetragen werden. Für dieselbe soll mit Berücksichtigung der bisherigen zur Ausfüllung für den dreijährigen Cyclus von der Commission eine neue Auswahl und zwar auch aus den Ehethubim getroffen werden." Die übrigen Fragen wurden der Commission überwiesen, mit Ausnahme folgender: „Die Thephillah (die sog. Schemone Esre) soll in jedem Abschnitt des Gottesdienstes nur einmal gesprochen werden." Ferner wurde beschloffen, daß „das Minjan erforderlich bleiben; müsse." Hinsichtlich der 10. Frage verlangten wir (als Antragsteller) eine positive Aeußerung, und zwar aus Gründen, die in den damaligen Zeitverhältniffen lagen. Es geschah dies in folgender Fassung: „Es sollen in den zu überarbei- Gottesdienst und Gebet angemessen ist." — Da nach Mehrheitsbeschluß die Versammlung nicht über den dritten Tag fortgesetzt werden sollte, wurden die übrigen 20 Fragen der Commission überwiesen. Gleiches Schicksal hatten die ehegesetzlichen Anträge, namentlich der Wieners auf Zulassung der Trauung während der Sephira, über welchen eine lebhafte Diskussion geführt worden. Man schritt deshalb zur Wahl von vier Commissionen für Cultus, Schule, Eherecht und Ritualien. Man beobachtete hierbei die Vorsicht, jede Commission aus verschiedenen Mitgliedern bestehen zu lassen. Acht bis zehn Wochen vor dem Zusammentritt der Synode sollten die Commissionen ihre Arbeiten veröffentlichen. Adler schloß die Versammung mit einer beredten Ansprache. Bemerken wollen wir noch, daß der Magistrat der Stadt Cassel die schönen Räumlichkeiten im „Stadtbau" für die Versammlung zur Verfügung gestellt hatte. Wir verweisen auf den objektiven Bericht in Nr. 35 Jahrg. 1868. Die Protokolle sind unsres Wissens nicht veröffentlicht worden. So hatte die vierte Rabbinerversammlung kein weiteres Ergebniß, als daß die Idee der Snnode verallgemeinert, die Form ihrer Ausführung bestimmt und zur Vorbereitung für dieselbe Commissionen gewählt wurden. Dahingegen wies die Versammlung, bestimmt durch eine kleine Majorität (12 gegen 10 Stimmen, 2 enthielten sich der Abstimmung) jede Resolution, jede Beschlußnahme über eine Spezialfrage ab und überließ diese der zukünftigen Synode. Das Motiv hierfür kann nicht in einer etwaigen Unklarheit über die bez. Fragen gelegen haben, die doch längst so vielfach erörtert waren, daß jedes Mitglied der Versammlung ein Urtheil darüber haben mußte; auch nicht etwa in einer Befürchtung, deshalb mit ihren resp. Gemeinden in Conslikt zu gecathen, denn sonst hätte ja jedes der Mitglieder zu Hause bleiben können; sondern vielmehr in der Ansicht, daß die Beschlüsse der früheren Rabbincrversammlungen praktisch erfolglos geblieben seien, und man sich gleicher Erfolglosigkeit nicht wieder ausfetzen, vielmehr die Laienwelt in der Synode durch ihre offiziellen Organe an den Berathungen und Beschlüssen theilnehmen lassen wollte, um so der Ausführung und Veri wirklichnng sicherer zu sein. Wir haben schon oben bemerkt, j daß wir diese Ansicht von der Erfolglosigkeit der früheren 17*