Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 48 (1884)
- Issue
- Heft 17 (22.4.1884)
- Date
- 1884-04-22
- Page
- Seite 262 (sequence 2)
- Language
- German
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262 Auf diesem großen Hintergründe mußte sich denn auch von welchen sieben an den früheren Versammlungen theiluach und nach der religiöse Geist aus jener Apathie wieder genommen hatten. Obschon aber einer der früheren Docenten freimachen, das religiöse Bedürfniß, das so tief in der menschan dem Breslauer Seminar, Herr Nabb. Dr. Jokll zu Breslau lichen Natur begründet ist, wieder erwachen, und die Fäden erschienen war, vermißte man doch jeden aus dieser Lehrvon Neuem anspinnen, die den Händen entfallen waren. In anstalt hervorgegangenen Rabbinen. Der Ortsrabbiner den Gemeinden regte es sich allmälig wieder und das Bedürf- . Dr. Adler wurde zum Vorsitzenden, Philippson zu dessen niß, namentlich der gottesdienstlichen Reform breitete sich von; Stellvertreter gewählt (s. den Bericht in Nr. 35 Jahrg. Jahr zu Jahr mehr aus. In vielen Gemeinden legte man Hand > 1868.) ans Werl und schritt mehr oder weniger in der Umgestaltung j Unsre Ansicht war also dahin gegangen, daß die Verdes Kultus vorwärts. Die entgegenstehenden orthodoxen sammlung sich lediglich mit der gottesdienstlichen Reform Elemente hatten sich numerisch an den meisten Orten vermindert. Es kam nun darauf an, ob örtlich die gemäßigten oder die progressiven Reformer die Oberhand hatten, sowie ob auf die orthodoxen Gemeindemitgliedcr mehr oder weniger Rücksicht genommen wurde. Jede Gemeinde war autonom. So kam cs, daß die gottesdienstlichen Reformen eine sehr mannichfaltige, ja bunte Gestalt annahmen, daß jede Gemeinde von ihren Nachbargemeinden sich in ihrem Kultus, oft sehr wesentlich unterschied, daß die mannichfaltigsten Gebetbücher, jedes besonders für eine Gemeinde, erschienen. Inzwischen hatte sich die Anzahl der angestellten Rabbiner, deren gerade die resormsüchtigen Gemeinden nicht entbehren konnten, stark vermehrt. Es war dies durch die Errichtung des Breslauer Rabbinerscminars ermöglicht. Aber die Mehrzahl der Jünger dieser Schule nahm eine gewisse oppositionelle Stellung gegen die älteren Rabbiner ein und war den gottesdienstlichen Reformen nach Frankels Vorbild abgeneigt, wenn sie sich nicht auf gewisse unwichtige Punkte beschränkten. — Diese Zerfahrenheit, diese völlige Zusammenhangslosigkeit bewog Schreiber dieses, das Institut der Rabbinerversammlung im Jahre 1868 wieder ins Leben zu rufen, und zu einer solchen, der vierten deutschen aufzusordern. Unsrer Meinung nach beschäftigen möge, um endlich auf diesem Gebiete eine gewisse Sicherheit und Normalität herbeizuführen, und wir hatten zu diesem Zwecke einen gedruckten Fragebogen von 30 Artikeln vertheilt. Um nun den Gang und den Erfolg der Verhandlungen zu verstehen, müssen wir voraussenden, daß in den letzten Jahren mehrfach Stimmen sich hatten vernehmbar gemacht, welche die Zusammenberufung einer Synode, d. h. einer aus Rabbinen und Nichtrabbinen bestehenden Versammlung in Vorschlag brachten. Wir bemerken schon hier, daß dieser Gedanke nicht etwa ans dem demokratischen Zuge der Zeit hervorgegangcn, als vielmehr aus der an mehreren Orten drohenden Spaltung der Gemeinden in einen reformistischen und einen orthodoxen Theil, bei welcher man auch Gefahr zu laufen glaubte, daß viele religiös Indifferente sich der Leistung der Gemeindebeiträge entziehen würden. Dieser Gefahr meinte man durch Synoden, an welchen die sog. Laienwelt selbst sich betheiligte, zu entgehen, und die Verantwortlichkeit von den Rabbinen, die in vielen Gemeinden eine sehr prekäre Stellung hatten, auf die Schultern der Laicnwelt selbst abzuwälzen. Dabei jedoch war die Vorstellung von der Zusammensetzung einer solchen Synode noch völlig dunkel, und um so weniger war der Verlauf und der etwaige Ausgang sollte sich diese jedoch darauf beschränken, das kultuelle Beeiner solchen Synode vorauszusehen, Nachdem deshalb die dürfniß zu befriedigen, um insbesondere die hitzigen Parteij Verhandlungen eröffnet waren, zeigte es sich sofort, daß über kämpfe zu vermeiden. Wir sagten: „Es gilt Grundsätze die Zwecke der Versammlung selbst zwei Ansichten vorhanden festzustellen, Normen anzugeben, und das nöthige Material! waren, die eine, welche die gottesdienstliche Frage zum Hauptanzuschaffen, um die Lücken auszufüllcn, theils aus dem schon vorhandenen, theils neues." (Jahrg. 1868, S. 472). Die Versammlung sollte also nach unsrer Ansicht sich lediglich mit dem Gottesdienste beschäftigen. Selbstverständlich war cs der Versammlung unbenommen, ihre Berathungen nach Belieben auch über andere Gegenstände auszudehnen. Unsre Aufforderung fand alsbald vielseitige Zustimmung und da der Landrabbiner vr. Adler zu Kassel der erste war, der gegenständ gemacht wissen wollte, um dieselbe zu einem gewissen Abschluß zu bringen; die andere, welche lediglich die Synodalsrage behandelt haben und in gar keine Spezialfrage cingehcn wollte. Die letztere wurde besonders von Geiger und Friedmann (Mannheim) vertreten, wobei nur ausfällig, daß Geiger eine ganze Reihe von Anträgen sowohl über die Liturgie, als über das Eherecht und selbst über Koscherwein mitgebracht hatte, sowie Andere, die mit ihm seine Mitwirkung verhieß, so wandten wir uns mit seiner stimmten. Dagegen hielt Schreiber dieses den vorausgesetzten Uebereinstimmung an den Vorstand der dortigen Gemeinde, | Zweck der Versammlung aufrecht, ohne die Behandlung der der ohne Zögern die gastliche Aufnahme der Rabbinen und Synodalfrage ausschließen zu wollen. Er meinte, daß die die nöthigen Veranstaltungen zu treffen, zusagte. So wurde > Berufung einer Synode noch nicht reif sei, daß man vieldenn die Versammlung auf den 11. August zu Kassel anbe-!mehr zuvöderst Provinzialsynoden in einzelnen Ländern bernnmt. Von den angemeldetcn 2!» erschienen 24 Rabbinen,! rufen müsse, welche einige Erfahrung über die Zweckmäßigkeit