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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1884-04-15 · Heft 16 (15.4.1884) · p. Seite 254

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
48 (1884)
Issue
Heft 16 (15.4.1884)
Date
1884-04-15
Page
Seite 254 (sequence 10)
Language
German
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254 Schilderung des Versöhnungstages und die letzten Jahre flüchtigt hat. So scheint es dahin zu kommen, daß die seines Lebens widmete er vornehmlich jüdischen Interessen.! Erhaltung der jetzigen Regierung Tißa zu einem unabweis- An seinem Sarge trauert die Haupt- und Residenzstadt, lichen Bedürfniß wird, obschon dem Ministerpräsidenten der Wien, deren Ehrenbürger er war und gewiß nicht minder! Vorwurf immer wiederholt wird, daß er den Antisemitismus Prag, seine Vaterstadt.! durch Connivenz groß gezogen, namentlich für den antise- Jhn beklagt das Vaterland, denn er war einer seiner j mitischen Justizminister Pauler. treuesten Söhne. Als Reichsrath-Abgeordneter gehörte er der; Gr Kanizsa, 28. März. Daß nicht alle ungarischen vereinigten Linken an und stand in Opposition gegen das Gemeinden ein Bild der Zerfahrenheit und der Parteikämpfe jetzige Ministerium. Aber die Minister wußten seinen Patriobieten, lehrt uns folgender Artikel: Der „Neuzeit" wird von tismus zu würdigen und während seines Krankenlagers holten hier geschrieben: Die ersprießlichen Leistungen unseres allversie, der Ministerpräsident Herr Graf Taffe an der Spitze, ehrten Oberrabbiners, des Herrn vr. Ncumann, sowohl auf Erkundigung über sein Befinden ein.! der Kanzel als auf dem Katheder, sein bezauberndes Redner- Möge ihm die Erde leicht sein.! latent, die musterhafte Führung des ihm anvertrauten Lehr- Wien, 6. April. Heute hat unter sehr zahlreicher amtes, seine Strebsamkeit, seine fortschrittlichen bereits zu Theilnahme die Beerdigung Kurandas stattgefunden. Unter Tage geförderten Gesinnungen, veranlafsten den Gemeindeden Leidtragenden befanden sich der Handelsminister Pino, Vorstand seine Anstellung noch vor Ablauf des kontractlich v. Friedenthal, v. Schmerling, Glaser, der Bürgermeister, die Gemeinderäthe, der Polizeipräsident, Abgeordnete, die Beamten der Nordbahn und Schriftsteller und Gelehrte in großer Zahl. An dem mit Kränzen bedeckten Sarg bildeten Beamte der Nordbahn und der Gemeindeverwaltung, sowie der israelitischen Gemeinde Spalier. Der Sarg wurde unter Absingen eines Trauerchorals nach dem Leichenwagen gefestgesetzten Provisoriums definitiv auszusprechen. Dies wurde der auf den 9. d. M. einbermenen und in Folge des zu verhandelnden auf die Einladungen bekanntgcgebenen Gegenstandes zahlreich besuchten Generalversammlung zur Genehmigung vorgelegt, welche einstimmig unter lebhaften freudigen Eljenrufen das Definitivum genehmigte. Znoim (Mähren), im April. Bon hier schreibt man bracht und von einem großen Trauerzuge gefolgt, nach dem j der „Deutsch. Ztg.": Aus den hier aufgegriffenen antisemi- Centralfriedhose überführt. Inden vom Zuge paffirten Straßen tischen Papieren soll zu entnehmen sein, daß die Antisemiten brannten die Gaslaternen. Am Grabe hielten die Prediger j sich eines Erkennungszeichens bedienen. Es wäre dies eine Jellinek und Güdemann, sowie vr. Herbst, Trauerreden. > lichte Kravate mit einem silbernen Kreuz als Busennadel Pest, 4. April. (Privatmitth.) Die Borspiele zu den! und der Gravirung: ,In hoc signo vinces.“ Noch komischer Wahlen fangen an, sehr ungemüthlich zu werden. Der! als diese Spielerei ist die Thalsache, daß die Vervielfältigung Czegleder Vorfall, wo, wie wir berichtet haben, die Antise-! der Flugschriften auf der autozraphischen Preffe des Kreis' miten den Delegirten der Unabhängigkeitspartei arg mitge-! gerichts in Znaim in der Frohnfeste von einem Diurnisten spielt haben, trägt seine Früchte. Der antisemitische Abg. Szell wurde von mehreren Mitgliedern der Unabhängigkeilspartei, weil er der hauptsächlichste Acteur in Czeglod war. vor den Thoren des Parlaments aufs Schmählichste beschimpft, da er auf ergangene Herausforderung nicht einging. Andrerseits wurde der Abg. Herman, ein hervorragendes Mitglied der Unabhängigkeitspariei, der Urheber der antisemitischen Phrasen im Manifeste jener, von zwei Antisemiten, der eine ist ein Honvedlieutenant, an demselben Platze mit Stöcken und Revolvern attaquirt; glücklicherweise warfen sich einige Abgeordnete dazwischen und brachten die Attentäter in Haft. Zweierlei ist hierdurch erwirkt: der gänzliche Bruch der Unabhängigkeitspartei und der Antisemitenfraktion, deren 6 Mitglieder der Unabhängigkeitspartei angehört hatten, und daß die Antisemiten vor der öffentlichen Meinung immer mehr compromittirt werden. Aber auch anderweitig macht sich ein Zersall in den bestehenden Parteien fühlbar; so in der gemäßigten Opposition, deren jüngste Fühlung mit den Altconservativen sich durch die Schroffheit der Letzteren Verdes Kreisgerichts gegen Bezahlung besorgt wurde. Großbritannien. London, im April. Am 26. März wurde hier das jährliche Bankett für das israelitische Hospital und Waisenhaus abgehalten. Man weiß, daß nach englischer Sitte solche Feste dazu dienen, statt Circulaire und Subscriptionsbogen für die Bedürfniffe der Wohlthätigkeitsanstalten durch Angabe ihrer Beiträge seitens der Theilnehmer am Feste, die vom Secretair hernach vorgelesen werden, zu sorgen. Zum ersten Male präsidirte dies Mal der Lordmayor von London (Christ) diesem, jüdischen Anstalten gewidmeten Feste. Türkei. Coustautiuopel, 13. März. Ein Corresp. der Arch. isr. berichtet von hier: Ich habe schon öfters Gelegenheit gehabt, Ihnen von dem Geiste der Toleranz S. M. des Sultans hinsichtlich unserer Glaubensgenossen zu berichten. Während wir in einem großen Theile des civilisirten Europas

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