Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 48 (1884)
- Issue
- Heft 16 (15.4.1884)
- Date
- 1884-04-15
- Page
- Seite 253 (sequence 9)
- Language
- German
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1111 ii »imii «MWWMMMI n<i*ti*niii iir uninrniir 253 Untersuchung zu dem ersten Schwurgerichtsprozcß über den!schaft und Judenabhängigkeit frcizumachen. Die Mehrheit Neustettiner Synagogenbrand derart dargestellt, als habe dieser Beamte besonders und unrechtmäßigerweise die Juden unserer Mitbürger ist in diesem Sinne mit uns einig, und ist diese unsere Meinung im tiefsten Grunde weder durch gegen die Christen in Schutz genommen. Ebenfalls war die; Zeitungsnachrichten noch Volksrcden hervorgcrufen, vielmehr Begnadigung von zu Freiheitsstrafe Berurtheilten scharf mit-i ist dieselbe eine Frucht langjähriger Erfahrung. Erfahrung genommen und dabei ausgeführt, daß hier wieder 90 Prozent aber ist die beste Lehrmeistcrin!" Dies ist doch genug, um Juden ihre Begnadigung zu erzielen wüßten. Seitens der! 1K-. Sello's Urtheil zu bekräftigen! Staatsanwaltschaft waren die ganzen Gerichtsakten aus dem! Neustettiner Schwurgerichtsprozeß hierher beordert worden, l Oesterreich-Ungarn, aus welchen der Beweis geliefert wurde, daß die in dem j Artikel aufgestellten Behauptungen jeder Begründung entbehr-! Wien, 4. April. (Privatmitth.) Das Jahr 1881 wird ten. Seitens der Staatsanwaltschaft wurde bemerkt, daß j in der jüdischen Nekrologie in betrübender Weise einen Herwegen Beleidigung der schwer getroffenen Justizbcamten keine! vorragenden Platz einnehmcn. Während des ersten Viertel- Anklage hätte erhoben werden können, da deren gesetzlicher Vertreter keinen Strafantrag habe stellen wollen. Der Anjahres sind von den älteren berühmten jüdischen Parlamentariern und Publieistcn Eduard Laster, Aron Bernstein und trag des Staatsanwalts lautete auf 3 Monate Gefängnis;, j nun auch am gestrigen Tage Ignatz Kuranda aus dem Leben der Gerichtshof erkannte auf 1t.0 Mk. Geldstrafe cvent. 20! geschieden. Vergebens sicht man sich nach einem Ersätze aus Tage Gefängniß. j ber jüngeren Generation um, der ebenso durch große Be- Neusiettin, 1. April. Gestern Abend hat das diesseitige! gabung wie durch Charakterfestigkeit ausgezeichnet, die lecr- Militär-Commando mit dem 6 Uhr 42 Min. von hier nach I gewordenen Stellen einnähme. Kuranda war 1811 in Prag Colberg abgehenden Zuge unsere Stadt verlassen, um in', geboren, studirte in Wien Philosophie und da er freisinniger seine Garnison Cöslin zurückzukehren. Es waren aus diesem 'Ansichten wegen in seinem Vaterlande Berfolgungcn ausge- Grunde die der hiesigen Ortspolizeibehörde zur Verfügung setzt war, ging er nach Brüssel und gab von dort von 1840 stehenden Mannschaften durch einige Gensdarmen verstärkt j die „Grcnzboten" heraus, welche zwischen Deutschland und worden, überhaupt hatten die Sicherheitsbehörden alles ge- Belgien vermitteln sollten. Tie Zeitschrift wurde alsbald in than, um jede etwaige Ausschreitung gleich im Keime zu er- Preußen verboten und Kuranda ließ deshalb seine Zeitschrift sticken, doch erwiesen diese Vorkehrungen sich glücklicherweise in Leipzig erscheinen, mit der Tendenz, zwischen Deutschland als nicht nöthig, da die Ruhe nicht gestört wurde. und Oesterreich vermittelnd zu wirken. 1*48 war Kuranda — Was übrigens in Neustettin für Elemente vorhan- Mitglied der Frankfurter Nationalversammlung, legte jedoch den und wirksam sind, kann man aus Folgendem entnehmen, schon im Octobcr sein Mandat nieder, ließ sich in Wien Wir haben in vor. Nr. des „Nachworts" erwähnt, in wclnieder und gründete die „Ostdeutsche Post," damals das bechem Abg. vr. Sello, einer der Bertheidiger die Eindrücke deutendste Wiener Tageblatt, das dem zum Sturm gegen das wicdcrgegeben, welche der Gang der gerichtlichen Berhand- Deutschthum erwachenden Slaventhum die Stirn bot. 1801 lnngen und besonders die Zeugenvernehmungen in ihm herwurde er vom 1. Wiener Bezirk in den Landtag und den vorgerufen. Zwei dieser Zeugen, der Pastor Klamroth und Reichsrath gewählt, denen er bis zu seinem Tode als eutdcr Rector Westphal aus Neustettin, veröffentlichen nun in schiedcnes Mitglied der Bersaffungspartei angchörte. Um der (antisemitischen) „Nordd. Presse" eine Erwiderung, in seiner parlamentarischen Thätigkeit ganz leben zu können, welcher sie versichern: „Wir beive haben keineswegs sofort gab er 1866 die „Ostdeutsche Post" aus. Aber ebenso cutnach den jüdischen Beschuldigungen an die Schuld der Juden schieden hat Kuranda während seines ganzen Lebens der selbst geglaubt, sondern uns schwer dazu entschlossen, nämlich Religion seiner Väter angehört und ist stets offen und eifrig zum Theil unter der Macht der von uns beobachteten Thaifür das Judenthum cingetreten. Seit langen Jahren war sachen, die sich trotz alles Sinnens nicht anders erklären lieer Mitglied und zuletzt Vorsitzender der israelitischen Kultusßen. Noch heute stehen wir unter der Macht dieser und angemeinde in Wien und hat als solcher segensreich gewirkt, derer von anderen glaubwürdigen Zeugen bekundeten That- Wien, 4. April. (Privatmitth.) Die hiesige Gemeinde sachen." Eine genügende Erklärung für diesen unwandelhat einen harten und schweren Verlust zu beklagen. Gestern baren Glauben an die Brandstiftung von jüdischer Seite liegt starb nach langem Schmerzenslager der Präses derselben wohl in dem folgenden Paffus, mit welchem die Erwivcrung Herr Dr. Ignaz Kuranda. Er war ein Jude durch und schließt: „Im Uebrigen sind wir der Ansicht, daß es unserem durch, wenn auch nicht im Sinne derjenigen, die den Schul - gcsammten deutschen Volke nur zum Heile gereichen könnte, chan Aruch und Alles was darum und daran hängt für wenn es ihm gelänge, sich von dem Banne der Judenfreund-; saerosanct halten. Seine erste literarische Arbeit war eine 16