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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1884-04-15 · Heft 16 (15.4.1884) · p. Seite 252

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
48 (1884)
Issue
Heft 16 (15.4.1884)
Date
1884-04-15
Page
Seite 252 (sequence 8)
Language
German
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252 (große Heiterkeit); ich glaube, so weit sinwir doch noch! nicht, ich halte es aber nicht für unmöglich, daß Herr Stöcker j sogar im Stande sein wird, die Herzen dieser reichen Juden! zu rühren (Heiterkeit), er braucht ihnen nur einige Concessionen zu machen. (Erneute Heiterkeit.) Da hat z. B. der 10. Antrag auf Verallgemeinerung der Maßregeln gegen die Wanderbettelei. 11. Antrag des Ausschuffes auf Aenderung des § 9 des Statuts. Man ersieht hieraus, daß der Ausschuß niemals die reiche Banquier Bleichröder für eine englische Kapelle 30,000 wesentlichen Zwecke des Bundes aus den Augen läßt. Möge Mark gespendet. Herr Stöcker mag sich das merken; vieldeshalb die Becheiligung eine recht zahlreiche sei. leicht wird Herr Bleichröder auch für andere Kirchen Geld — Wie Behörden für ein antisemitisches Blatt Abonnenspenden." — Die schneidige Ironie, die in diesen Bemer-: ten sammeln, dafür theilt der „Reichsfreund" folgendes Beikungen des katholischen Abg. zum Ausdruck kommt, ist durch-j spiel mit: sichtig. Allerdings ist es wahr, daß die Juden bei Collekten zur Erbauung von Kirchen in armen christlichen Gemeinden ihre Spenden nicht verweigern, wie wir dies aus Erfahrung wissen. Aber daß die Behandlungsweise, welche man durch die Anregung Stöckers den Juden angedeihen läßt, sie abschreckt, ja geradezu verhindert, zu christlich kirchlichen Zwecken Gaben darzubringen, ist einfichtlich. Was das angeführte Beispiel Bleichröders anbetrifft, so hat derselbe unseres Wissens für einen jüdischen gottesdienstlichen Zweck niemals eine solche Summe gespendet. Nun, wir Juden rechnen bei der Errichtung unserer Synagogen und zur Bestreitung der Kosten unseres Cultus niemals besonders auf die Spenden der Reichen, sondern vielmehr auf die Opferwilligkeit des Mittelstandes und selbst der Aermeren, die ja auch die Beiträge für die Cultuskosten auf ihre Schultern nehmen. Es ist nun merkwürdig, daß auch die ärmsten und kleinsten jüdischen Gemeinden ohne irgend einen gesetzlichen Zwang und ohne Staatsmittel aus eigenen Opfern ihre Gotteshäuser bauen und ihre Cultusbeamten erhallen, während christlicherseits die Staatsmittel und zwar nur für die beiden christlichen Confesfionen in Anspruch genommen werden, da doch die Juden zu den Staatsmitteln ihre Steuern zahlen. Anstatt auf die reichen Juden zu recurriren, hätte man den Blick auf das Beispiel aller Juden richten sollen, deren größte Mehrheit nur aus Mittel- und armen Leuten besteht. Der Antrag Stöckers wurde schließlich gegen die Sttmmen der Conservativen vom ganzen übrigen Hause verworfen. Berlin, 4. April. (Privatmitth.) Der Deutsch-israelit. Gemeindebund hält am 14. April c. seinen 4. ordentlichen Gemeindetag. Die Tagesordnung befaßt außer Wahlen und Berichten folgende Anträge: 6. Antrag auf Berufung einer Delegirten-Bersammung von Schulmännern zur Berathung über die Normalpläne. 7. Antrag auf Bildung von Gemeindegruppen zu gemeinsamer Veranstaltung regelmäßiger Jnspectton der Religionsschulen. 8. Antrag auf Vermehrung der lokalen Vereine für die Pflege des Handwerks, der Landwirthschaft und der technischen Gewerbe unter den Juden. 9. Bericht über Ausbildung von jüdischen Krankenpflegern, „Die Expeditton des antisemitischen „Deutschen Tageblattes", Friedr. Luckhardt, versendet an die Behörden eine Aufforderung: „Das „Deutsche Tageblatt" in Berlin, jetzt die verbreitetste conservattve Zeitung" — das bestreitet der „Reichsbote" — „liefern wir vom 1. April an die Herren Beamten der königlichen Bureaux, um das Abonnement für eine große politische Zeitung zu erleichtern, zu einem ermäßigten Abonnementspreise und zwar.Wir ersuchen, die Liste in Ihren Bureaux gefälligst circuliren und nach erfolgter Circulation bis längstens 31. d. M. an uns zurückgelangen zu lassen. Hochachtungsvoll rc." Beim Königlichen Hauptsteueramt für ausländische Gegenstände hat man den Eingang dieses Schreibens am 16. März bescheinigt, und sodann mit folgender Verfügung versehen: „Cito! Circulirt s. v. bei sämmtlichen Herren Beamten des Packhofs und der Zollabferttgungsstellen zur Kenntnißnahme und eventuellen Zeichnung. Königl. Hauptsteueramt für die ausländischen Gegenstände (gezeichnet von Pochhammer. Lichtwardt. Steffens. Fechner)." Die Preisermäßigung betrug etwa 20 Prozent. Ob das Hauptsteueramt auch wohl für liberale Zeitungsexpedittonen in gleicher Weise Abonnenten sammeln würde? und paßt sich dies für eine königliche Behörde? Bezeichnend ist es auch, daß alle vier Mitglieder des Hauptsteueramts, sowohl der Dirigent, wie der Hauptamtscontroleur das schleunige Circular Unterzeichneten." Dortmund, 2. April. (Rhein.-Westf.-Ztg.) Nachdem der Redacteur der hiesigen (antisemitischen) „WestfälischenReform" Franz Kayser, heute vor 14 Tagen erst von der hiesigen Strafkammer wegen Beleidigung zu 30 Mk. Geldstrafe verurtheilt worden ist, saß er heute schon wieder auf der Anklagebank und zwar diesmal unter der Anklage, gegen den Paragraphen 13 l des Strafgesetzbuchs (Erdichtete oder entstellte Thatsachen wissend, daß sie erdichtet oder entstellt find, öffentlich behauptet oder verbreitet zu haben, um dadurch Staatseinrichtungen oder Anordnungen der Obrigkeit verächtlich zu machen) verstoßen zu haben. Das Vergehen ward gefunden in einem in Nr. 4 des genannten Blattes vom 27. Januar d. I. enthaltenen Artikel, betttelt „lieber die Berjudung der deutschen Justiz". In diesem Artikel war besonders die von dem Staatsanwalt Pinoff eingeleitete Bor-

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