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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1884-04-15 · Heft 16 (15.4.1884) · p. Seite 249

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
48 (1884)
Issue
Heft 16 (15.4.1884)
Date
1884-04-15
Page
Seite 249 (sequence 5)
Language
German
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249 — Hierauf begann nun das Referat mit eingeschobener Verlesung vieler Protokolle und Aktenstücke. Die Thatsachen find zu bekannt, um hier noch einmal darauf einzugehen. An diesem Tage wurde der Theil des Prozeffes, der sich auf das Verschwinden der Esther und die damit Zusammenhängen, den Nebenumstände bezieht, beendet. Am folgenden Tage wurde das Referat und das Verlesen bezüglicher Aktenstücke auch über den sog. Leichenschmuggel beendet, und nach einer eingehenden Berathung erkannte die Kön. Kurie auf Freisprechung aller Angeklagten. Hiermit hat endlich dieser unselige Prozeß seine Aktualität verloren und gehört fortan nur noch der Geschichte an. samkeit allein auf die Reden und Handlungen der Antisemiten, namentlich ihrer Agitatoren, richten würde. Ihnen gegenüber wurden selbst in der Zeit der heftigsten Bewegung und werden jetzt immer mehr Stimmen verlautbar, die nicht blos eine gerechte Würdigung, sondern sogar einen wahren Enthusiasmus für den jüdischen Stamm bekunden, so daß sie manchmal vielleicht des Guten zu viel thun. Doch müfien wir hierbei nachdrücklich betonen, daß wir nur solche berücksichtigen, welche von Personen und aus Oertlichkeiten ausgehen, denen etwaiger jüdischer Einfluß völlig fern liegt. — Wir haben in vor. Nr. des Feuille du Dimanche, das in Verviers (Belgien) erscheint, Erwähnung gethan, und Drei Instanzen haben die Anklage als irrthümlich verworfen, mehrere Stellen aus einem Leitartikel desselben mitgetheilt. Drei Instanzen haben die angeklagten Juden völlig freige- Es wurde darin ein nachfolgender „ethnographischer" versprochen und den „rituellen Mord" für einen unseligen, von heißen. Wir haben denselben, von einem Herrn Reynauld Bosheit und Dummheit aufrecht erhaltenen Wahn erklärt, verfaßt, in der Nr. vom 30. März vor uns. Er führt die Denn hier, wie in Neustettin, waren es antisemitische Hetzer,' Ueberschrift: La race juive. Was der Berf. am Beginn welche im Volke die Anschuldigungen gegen die Juden ver-? seines Artikels über den Ursprung der Hebräer und die bib» breiteten und dieses so erhitzten, daß sich massenhaft Zeugen! lische Genealogie sagt, interessirt uns nicht. Er hebt dann einfanden, die gesehen und gehört haben wollten, was sie! als den merkwürdigsten Zug dieses Stammes dessen unübernicht gesehen und gehört haben konnten. Wie in Tißawindliche Widerstandskraft hervor, die er in so vielen Jahr- Eßlar die ganze Untersuchung mit einem großen Aufwand von Zeit und Mitteln auf die Auffindung eines „rituellen Mordes" ausging: so geschah es in Cöslin, daß die Juden zuerst verurtheilt wurden. Der Gerichtshof zu Nyiregyhaza erkannte aber die Nichtigkeit aller dieser Zeugnisse und Beweise, und alle drei Instanzen, die der Prozeß durchlief, erkannten auf die Unschuld der Juden. Das deutsche Reichsgericht hob das Urtheil des Cösliner Schurgerichtes auf und vor dem Konitzer Schwurgerichte erwiesen sich ebenfalls die Zeugnisse und Beweise gegen die Juden als nichtig. Was werden nun die Antisemiten sagen? Nach dem Urtheile der ersten Instanz im Tißa-Eßlarer Prozeß behaupteten sie frech, ein reiches Material in Händen zu haben, welches das Urtheil der höheren Instanzen ganz anders gestalten würde. Sie haben aber nicht ein einziges Moment vorzubringen vermocht. Sie gaben zu verstehen, daß bei der ersten Instanz die Bestechung ihre Rolle gespielt habe, und sprachen von fabelhaften Summen, die verwendet worden seien. Alles Lug und Trug. Können sie es denn wagen, Aehnliches von der tausenden den heftigsten Verfolgungen gegenüber bewahrt hat und die ihm nicht allein den dauernden Bestand überhaupt, sondern diesen auch in seinem ganzen Organismus und in der Mission gesichert hat, für die er sich geschaffen glaubte. Er sagt dann: „Eine glänzende Kundgebung der vitalen Widerstandskraft der Juden zeigt sich in ihrer außerordentlichen Befähigung, sich auf der ganzen Erde acclimatisiren zu können, in Europa, in Asien, in Afrika, auf den Oceanischen Inseln, in Amerika, überall, und zwar mit einer größeren Fruchtbarkeit der Ehen und einer geringeren Sterblichkeit in der Kindheit als irgend eine andere Race selbst unter den begabtesten besitzt." — Es ist dies in der That eine so merkwürdige Erscheinung, die, so allbekannt sie ist, doch lange noch nicht genug gewürdigt worden, und bei welcher wir deshalb einen Augenblick stehen bleiben wollen. Diese Acclimatisirung besteht natürlich nicht bloß in der Besähigung, ganz verschiedene Climate zu ertragen, sondern daß in diesen auch eine dauernde Fortpflanzung vor sich gehe, eine fruchtbare Niederlassung. Es ist notorisch und cvnstatirt, daß Kön. Tafel und der Kön. Kurie nur anzudeuten? Nein, sie z. B. in Indien und ebenso in Aegypten jede europäische haben eine schwere Niederlage vor der gesammten civilisirten Familie, die sich daselbst niederläßt, in der dritten Generation Welt erfahren, welche leider genöthigt ist, solche Vorgänge ausstirbt, und man kann dies wohl für ganz Jnnerafrika in die Geschichte des neunzehnten Jahrhunderts einzutragen! und Jnnerasien voraussetzen, wenn es auch noch nicht faktisch _ erwiesen ist. Der jüdische Stamm hingegen pflanzt sich in Indien wie in Aegypten, in der Berberei, wie in Persien Iuiteufttimdiiche Stimmen. , ungestört fort, und es können persische und englische Juden- H. familien, wie es geschehen ist, sich in Indien niederlassen, Wer zukünftig ein getreues Bild unserer Zeit wird entj ohne eine Störung der Fortpflanzung zu erfahren. Nicht werfen wollen, würde doch fehlgehen, wenn er seine Aufmerkj minder aber haben wir erst vor Kurzem über die starke und

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