Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 48 (1884)
- Issue
- Heft 15 (8.4.1884)
- Date
- 1884-04-08
- Page
- Seite 241 (sequence 13)
- Language
- German
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241 nur bis zu einem gewissen Punkte die Herrschaft eines oder mehrerer Götter erträglich. Es gab einige, die von einem tieferen religiösen Gefühle geleitet, eine Art Christenthum angenommen hatten, aber die bei Weitem größte Zahl hatte sich dem Judenthume zugewendet. Dies war besonders in Medina der Fall, wo ihre ununterbrochene Berührung mit den Juden einen großen Einfluß auf ihr religiöses Gefühl übte. In Mekka, wo das Judenthum wenig bekannt war, begegnete die Lehre von der Einheit Gottes, welche Mohamed seinen Brüdern einpflanzen wollte, einem lebhaften Widerstande. Dennoch brach sich die mächttge Idee des Monotheismus einen schmalen Weg und fand Zugang zum Herzen einiger auserwählten Männer. Die Gegenpattei bemerkte bald, daß eine größere Ausdehnung des Einflusses Mohameds ihre Freiheit gefährdete und in ihrer Ohnmacht neben Gott zu stellen, nicht zu stehlen, nicht zu ehebrechen, ihre Kinder nicht zu tödten und dem Guten zu gehorchen." Man erkennt leicht, daß, um eine Basis für die Bekehrung zum Islam zu haben, Mohamed einen Auszug aus den Zehn Worten machte, so weit dies den arabischen Sitten angemessen war. Ein Jahr später fand eine andere Zusammenkunft zwischen Mohamed und mehreren Männern aus Medina statt. Sie luden ihn ein, nach Medina einzuwandern und der Eine von ihnen fügte hinzu: „Zwischen uns und den Juden bestehen Bande, die wir zu brechen wünschen. Wenn Gott dir den Sieg verleiht, wirst du nach deiner Vaterstadt zurückkehren?" Mohamed versprach sein ganzes Leben in Medina zu bleiben, denn er war sehr zufrieden mit einem Anerbieten, das ihm Sicherheit für sein Leben und ein weites Feld für sein Werk gewährte. Im Monat Juni des Jahres richteten sich ihre Blicke auf die Juden von Medina. Die ■ 622 zog er von Mekka ab und hielt seinen Einzug in Me- Einwohner von Mekka entschlossen sich deshalb, eine Depu-!dina, dessen Bewohner ihm entgegengeeilt waren, ein merktation an die Rabbiner von Medina zu schicken, die auf dem; würdiger Einzug, der einem bis dahin unbekannten Volke religiösen Gebiete als höchste Autorität galten. Die Abgej eine große Geschichte und eine unerschöpfliche Literatur schuf, sandten sollten die Rabbiner mit den Reden und Eigenschafj Die Juden hatten keine Veranlassung, sich dieses Einzuges ten Mohameds bekannt machen und deren Ansicht entgegen-! zu freuen. nehmen, da sie größere Kenntniß von den heiligen Büchern! - besäßen und unterrichteter wären über die Propheten. Die Rabbinen antworteten: „Leget Mohamed drei Fragen vor; wenn er sie beantwortet, ist er ein wahrer Prophet, wenn nicht, ist er ein Betrüger. Fraget ihn zuerst über die Leute, die in früheren Zeiten gelebt, denn man erzählt wunderbare Vermischtes. Aus Madrid. Der „Univers isr." berichtet, daß man in Madrid für die Israeliten in den Schlachthallen einen besonderen Platz bestimmt habe, um ihnen zu gestatten, das Dinge. Dann über den Reisenden, der bis zu den äußer-! Vieh nach ihrem Ritus zu schlachten. Man kündigt auch die Gründung eines jüdischen Hotels oder Restauration an. Wir gestehen, daß wir dieser Nachricht noch keinen sonderlichen Glauben schenken. Abermals ein Ostermärchen. Aus der Gemeinde Jant in Ungarn (Beregher Comitat) wird uns folgende verbürgte Geschichte mitgetheilt: Der dortige Richter begab sich vor einigen Tagen zum Markte nach Beregßäß und lud einen ihm befreundeten Israeliten, der sich anschickte, denselben Weg zu machen, ein, auf seinem Wagen Platz zu nehmen. In Beregßäß angelangt, begegneten sie! dem dorttgen Gemeindeschächter, der von dem Begleiter des , Richters aufgefordert wurde, für ihn eine fette Gans zu kaufen Andererseits waren die Juden durch; und sie gleichzeitig zu schächten. Der Richter hörte das letzihre messianische Idee Mohamed günstig und bereiteten ihm tere Wort und — da die jüdischen Osterfeiertage im Anzug damit den Boden unter den Arabern, namentlich in Medina, sind — stutzte er; doch schwieg er vorläufig; er wollte die wenn es ihnen auch immer zweifelhaft erschien, ob Mohamed Juden in flagranti ertappen. Nachdem sie ihre Angelegender Messias wirklich sei. Nach der Tradition sandten auch heiten geordnet, machen sie sich auf den Heimweg; kurz zuvor die Boten nach Mekka, um sich über die Lage der Dinge zu hatte der Schächter die in einen blutigen Sack gehüllte Gans unterrichten, ohne jedoch von Erfolg zu sein. — Wanderer gebracht und aus den Wagen geladen. Unterwegs suhlte der aus Medina begegneten Mohamed, und er gewann sie für Richter nach dem Sack, er stieß auf einen weichen Gegenstand, den Islam, indem er ihnen befahl, „kein anderes Wesen; und es unterlag daher keinem Zweifel, daß der Sack den Körsten Grenzen des Morgen- und des Abendlandes gelangte; und endlich über den Geist und dessen Wesen." Zurückgekehrt nach Mekka, legten die Abgesandten die drei Fragen dem Propheten vor. Er versprach, sie am nächsten Morgen zu beantworten; aber erst 14 Tage später that er dies, indem er die 18. Sura des Koran aussprach, welche allerdings eine nur sehr ausweichende Antwott vorbringt. Das Faktum ist geschichtlich; aber ob der Wortlaut dieser Fragen richtig sei, ist zweifelhaft. Ebenso steht es fest, daß auch später die Juden mehrere Male dem Propheten durch Vorlegung von Fragen, die zuletzt zu Spöttereien wurden, Verlegenheiten bereiteten. Deshalb faßte Mohamed einen tief gehenden Haß gegen die Juden, obschon er in seinen Satzungen sich an die mosaischen Gesetze hielt.