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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1884-04-08 · Heft 15 (8.4.1884) · p. Seite 236

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
48 (1884)
Issue
Heft 15 (8.4.1884)
Date
1884-04-08
Page
Seite 236 (sequence 8)
Language
German
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236 Richtung befolge, die Mitglieder können der äußersten Linken j angehören oder auf staatsrechtlicher Basis stehen, sie können j somit radikal oder klerikal, lieberal oder konservativ sein, das! genirt nicht, nur in einer Beziehung müssen Sie Farbe bej kennen: im Antisemitismus. Als Entschuldigung für ihre! Existenz führt die Partei in dem „Manifest" an, daß, nachdem der Antisemitismus aus allen politischen Parteien verbannt ward, demselben in der Gründung der Landes-Antisemitenpartei ein Asyl geboten wurde. Diejenigen also, welche zu den Juden kein Vertrauen haben, mögen dasselbe auf die Herren Ivan Simonyi und Co. konzentriren. — Wie dieses „Manifest" in Ungarn teurtheilt wird, darüber führen wir mehrere Blätter an. Das „Neue Politische Bolksblatt" sagt: „Dieses Programm ist, mit Ausnahme eines einzigen Punktes, seit geraumer Zeit zum Ueberdruß bekannt; Blätter vom Kaliber des „Függetlenseg", Meister Jstoczy und das antisemitische Häuflein des Abgeordnetenhauses haben die Lehren dieses Programms seit Jahr und Tag in einer Weise breitgeschlagen, daß sie selbst jenen zum Eckel wurden, die im Innern nicht übel geneigt waren, an einer frischen und fröhlichen Hetze theilzunehmen. Wir sagen mit Ausnahme eines einzigen Punktes, weil die Antisemiten bisher noch nie mit solcher Bestimmtheit jenen Punkt ihres Programms formulirten, welcher besagt, daß die Anhänger sämmtlicher bestehenden Reichstagsparteien gleichzeitig Mitglieder der Antisemitenpartei sein können. Diese Erklärung ist nun im Grunde genommen nichts Anderes, als ein plumper Schwindel, dazu berechnet, dem in geistiger Beziehung minder ausgestatteten Theile der Wählerschaft Sand in die Augen zu streuen und ihn glauben zu machen, daß der Antisemitismus in jeder Reichstagspartei Anhänger zähle. Das ist, mit Verlaub, eine große Unwahrheit. In der Regierungspartei befindet sich, seitdem sie Jstoczy hinausgebeten, kein einziger Abgeordneter, welcher die Erklärung abgegeben hätte, er sei Antisemit. Die gemäßigte Opposition, ob zwar mit reaktionären Elementen durchsetzt und mit dem klerikalen und konservativen Theile des Oberhauses verbündet, hat sich erst unlängst durch den Mund des Grafen Albert Apponyi gegen den Verdacht antisemitischer Neigungen verwahrt. Selbst die äußerste Linke, die in ihrem Schoße die antisemitischen Wortführer großgezogen, wehrt sich jetzt mit Händen und Füßen gegen die Verantwortung für die Thaten und Unthaten der Antisemiten und verleugnet feierlich die nahe Verwandtschaft, in welchem sie nach allen Gesetzen der Natur mit ihren antisemitischen Ablegern steht. Die Antisemiten, wären sie Leute, welche wenigstens den Muth ihrer elenden Ueberzeugung besitzen, müßten daher offen erklären, daß sie eine Partei für sich bilden, eine Partei, welche, wie alle übrigen, die anderen Parteien ausschließt. „Wer nicht für die Antisemiten stimmt, stimmt gegen die Antisemitenpariei", müßten sie sagen. Die Leute wissen aber ganz gut, warum sie das nicht sagen und es vorziehen, alle Parteien für sich zu reclamiren, obzwar sie sich sämmtlich gegen sie erklärt haben. Es ist ganz einfach Bauernfängerei, um bei den nächsten Wahlen Stimmen zu fangen und ein Mandat zu ergattern. Um ein Mandat zu erreichen, opferten sie die Ehre der Nation; um Abgeordneter zu werden, predigten sie Lehren, welche bei den Plünderungen im Zalaer Komitat und auf der Kerepeserstraße zur praktischen Anwendung gelangten. Um das Mandat zu erreichen, scheuen sie nicht die Lüge, ihre Partei als den Sammelpunkt der bestehenden Reichstagsparteien zu bezeichnen, da sie glauben, ihr Kandidat, welcher mit dem Antisemitenprogramm allein mit Pauken und Trompeten durchsallen würde, mit einem liberalen oder oppositionellen Mäntelchen doch durchschlüpfen könnte." Wie das Programm der Antisemitenpartei übrigens von der öffentlichen Meinung ausgenommen wurde und daß es keine einzige Partei in Ungarn giebt, welche diese Mißgeburt von einem Programm nicht für verwerflich hielte, beweisen die nachstehenden Auslastungen des „Pesti Naplo", eines Blattes, welches in sehr kritischen Momenten mit den Antisemiten liebäugelte. „Pesti Naplo" schreibt: „Auch das Wahlprogramm der Antisemiten ist erschienen. Wir müsten uns dessen schämen, daß auck diese „Partei" ihren Antheil an unseren Wahlkämpfen fordert, und unter der Flagge dieser Partei, inmitten unserer großen Kämpfe der constitutionellen Parteien, anstatt politischer Fragen die Rolle des Racenhasses und Fanatismus zu spielen beginnt. Um Politik bekümmern sich die Antisemiten nicht. Die Unabhängigkeit Ungarns ist ihnen so gleichgiltig, wie der 1867er Ausgleich. Die Antisemitenpartei erkennt im Racenhaß, in der Aufreizung gegen die Konfession und in der Störung des öffentlichen Friedens ihre Ziele. Da man dies aber doch nicht ganz offen aussprechen kann, spricht sie von Polen und von der Unterdrückung durch die Juden und bietet jeder Landespartei ihr Bündniß an, welches jede Landespartei zurückweist. In Einem ist das Programm aufrichtig, indem es sagt, daß es eine rückschrittliche Richtung hat. Was würde aus der Menschheit werden, wenn sie nach rückwärts, mit Auflösung der Rechtsgleichheit, die Schritte unternehmen würde, welche ihr dieses sonderbare Programm imputirt?" Holland. Rotterdam, i>. März. (Privatmitth.) Sie haben schon öfter in Ihrem Blatte auf das großartige Taubstummeninstitut aufmerksam zu machen gestattet, welches hier unter der Leitung des Herrn vr. Hirsch blüht. Es zählt gegenwärtig 160 Zöglinge, worunter 20 Israeliten. Für jede Confestion ist ein besonderer Religionslehrer thätig. Biele

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