Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 48 (1884)
- Issue
- Heft 15 (8.4.1884)
- Date
- 1884-04-08
- Page
- Seite 230 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3227501-3227517--41629-3310117- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
230 Grundsätze aussprachen, die keine Reform, sondern eine Ver- > Wendigkeit der hebräischen Sprache bei dem Gottesdienste nichtung des Judenthums enthielten. In der A. Z. d. I.! verneint werden. Die subjektive Nothwendigkeit wurde von wurden sie deshalb sä absuränm geführt und der ganze j 15 Stimmen verneint, von 13 bejaht. Einstimmig dagegen Verein verlief im Sandes. Indessen war der Geist des! wurde die „Rathsamkeit" der hebräischen Sprache beim Gotreligiösen Jndifferentismus noch viel stärker als diese Parteiungen, und die Versammlung konnte nicht allein ungestört daselbst tagen, sondern wurde auch von den Vorstehern und Notablen der Gemeinde mit großer Aufmerksamkeit und würdigster Gastfreundschaft behandelt. Es hatten 29 Rabbiner ihre Theilnahme zugesagt, von welchen noch 7 am Leben sind. Zu bemerken ist, daß sich an ihr noch einmal Männer vom rechten Flügel der reformistisch Gesinnten betheiligten, namentlich vr. Z. Frankel aus Dresden, Schott aus Randegg u. A. Diesmal waren mehr Rabbiner aus Süddeutschland erschienen, während etliche aus Norddeutschland fehlten, welche der ersten Versammlung angehört hatten. Der Ortsrabb. Dr. Leopold Stein wurde zum Vorsitzenden gewählt. Ansprachen und Zuschriften, von welchen letzteren eine große Anzahl eingelaufen war, sowie die Vorlesung von Anträgen der verschiedensten Art füllten die ersten Sitzungen, bis in der dritten der Commissionsbericht über die Liturgie auf der Tagesordnung stand. Dieser Bericht war weit über seine ihm gestellte Aufgabe hinausgegangen, und man beschloß, sich auf die ursprünglichen sechs Fragen, welche die Braunschweiger Vers, aufgestellt hatte, zu beschränken. Die erste Frage bettaf die Verwendung der hebräischen Sprache beim Gottesdienst. Aus Grund des Berichtes trennte man die Frage in drei: Ist die hebräische Sprache bei dem Gottesdieustc objektiv (d. h. gesetzlich) nothwendig, oder subjektiv nothwendig, oder nur rathsam? Diese Spaltung der Frage machte die Diskussion weitläufig und verworren, so daß sie bis zur 8. Sitzung währte. Frankel suchte zunächst die Versammlung auf den Boden eines Prinzips zu versetzen, aber es zeigte sich alsbald, daß das von Frankel aufgestellte Prinzip des „historisch-positiven Judenthums" von der ganzen Versammlung einstimmig bejaht wurde, während doch die Einzelnen eine sehr verschiedene Auffassnng dieses Prinzips hatten. Auf Grund der Mischna (Sota 33,1) und auch des Schnlchan Aruch (Orach Chajim 101,4)*), welche das Beten in jeder Sprache gestatteten, konnte die objektive, d. h. gesetzliche Nothtesdienste bejaht. Der Commissionsbericht hatte zugleich alle die Theile des Gottesdienstes, für welche die hebräische Sprache beibehalten werden sollte, festgestellt, und wurden diese Vorschläge im großen Ganzen genehmigt. Man war einig, daß der deutschen Sprache Eingang in unseren Gottesdienst geschafft werden müsse; doch über die Art und Ausdehnung gingen die Meinungen noch sehr auseinander. — Infolge dieser Abstimmungen schieden Frankel und Schott aus der Versammlung aus. Der erstere richtete einen Protest an die Versammlung, der in würdiger Weise beantwortet wurde und den Fortgang der Verhandlungen nicht störte. — In der 8. und 9. Sitzung kam die Messiasidee zu ausführlicher Besprechung. Es wurde folgender Beschluß gefaßt: „Die Messiasidee verdient in den Gebeten hohe Berücksichtigung, jedoch sollen die Bitten um unsere Zurücksührung in das Land unsrer Väter und Herstellung eines jüdischen Staates aus unseren Gebeten ausgeschieden werden." — Hieran reihten sich die Fragen über die Erinnerungen an den Opferkultus in unsrer Liturgie und die Beibehaltung der Mußaphim. Es wurden über die Bedeutung der Opfer die verschiedensten Ansichten geäußert, bis sich die unsrige — die wir bei Fachkundigen als bekannt voraussetzen können — namentlich durch die Unterstützung des Dr. S. Hirsch Bahn brach. Einstimmig wurde beschlossen, die Bitten um die Wiederherstellung des Opferdienstes aus den Gebeten auszuscheiden; dagegen war die Mehrheit dafür, daß die citirten Stellen der Thora, welche Opfervorschriften enthalten, beibehalten werden und zwar in hebräischer Sprache, und ebenso daß eine Erinnerung an die Opfer in die Gebete ausgenommen und die Mußaphim beibehalten werden. In der Frage über die Vorlesung der Thora erklärt sich die Mehrheit für den dreijährigen Cyclus, für Beibehaltung des Aufrufens zur Thora, dagegen für Vorlesung von Stücken aus den Propheten und Hagiozraphen (p'Z'.nz) in deutscher Sprache. Das Buch Esther soll nur einmal (Abends) vorgettagen werden, die Wiederholung des Thorastückes für den Maphtir in Wegfall kommen. Endlich wird die Frage: ist die Orgel in der 3) S. Jahrg. 1843 Nr. 30 ff., 1844 Nc. 7. Wir erinnern uns i „ . . . , r , mit Humor, wie wir von emem Reichen Frankfurts aufs gastlichste > Synagoge zulässig? einstimmig bejaht, und ebenso (nur gegen ausgenommen und in seine Familie eingeführr wurden. Als er aber an uns die Forderung stellte, für die feierliche Verlegung des Sabbaths aus den Sonntag einzmreten und wir dies enychieden zurückwiesen — ließ er uns links liegen, verreiste, und wir sahen ihn nicht wieder. 4) Sota Mischn. 7,1 heißt es: y&b bzz •pCs: v\s 'O'. >nsr. Im § 2 werden die Stücke aufgczählt, die in der „heiligen Sprache" recitirt werden sollen, unter welchen für uns nur der „Priestersegen" von Bedeutung ist. — Orach Chaj. ioi, 4 heißt es: o"m r.STer “ib6 bzz bo' BHipr; nSs ^2JT t<b vir: 2 Stimmen), daß die Orgel am Sabbath bei dem Gottesdienste von einem Israeliten gespielt werden dürfe. Es wird ferner eine Commission zur Herstellung von Erbauungsbüchern gewählt. Einer gründlichen Erörterung wird die, auf Grund von Anfragen aus praktischen Motiven gestellte Frage unterzogen: ob ü'Z'av n*n zur mpo zu gestatten sei, und durch die Mehrheit bejaht, sowohl aus sanitären Gründen, bei der schlechten Beschaffenheit vieler solcher Bäder,