Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1884-04-08 · Heft 15 (8.4.1884) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
48 (1884)
Issue
Heft 15 (8.4.1884)
Date
1884-04-08
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3227501-3227517--41628-3310116
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

"Allgemeine Zeitung des Iudenthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse.! Diese Zeitung erscheint wöchentlich. > Preis vierteljährig 3 Mar!. Abonnement in Deutschland (Postzeitungsliste Nr. SS) und Oesterreich bei allen Postämtern, außerdem durch den Buch- | Handel. Herausgegeben von Rabbiner vr. Ludwig Philippson in Bonn. GXpeöitiorr: Leipzig, Woßpkcrh 18. In redaktionellen Angelegenheiten I wende man sich an vr.L. Phrlippson in! Bonn direct, in allen übrigen an die , Berlagshandluug. Beilagen (Gebühr > 12 M.) sind gleichfalls an letztere einzusenden. ( 48. Jahrgang. Leipzig, den 8. April 1884. No. 15. Inhalt. Leitende Artikel: Geschichte der deutschen Rabbinerversammlungen. IT. — Judenfreundliche Stimmen. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Bonn, Berlin, Neustettin, Paderborn, Wolfenbüttel. — Oesterreich-Ungarn: Pest. — Rolland: Rotterdam. — Frankreich: Paris. — Rußland: Petersburg. — Bosnien: Serajewo. — Bonn: Notizen, Literarische Notizen. — Feuilleton: Dre ^uden von Medina. I. — Vermischtes: Aus Madrid. — Abermals ein Ostermärchen. OeilsirOo €izti&c£. Bonn, 2. April. Geschichte der deutschen Rabbinerversammlungen. II. Die Beurtheilung dieser ersten Rabbiner-Versammlung blieb selbstverständlich nicht aus.') Was man ihr zum Vorwurf machte, war, daß sie sür positive Schöpfungen zur Belebung des religiösen Sinnes, sür Herstellung von Instituten, die zur Erhaltung des Judenthums unumgänglich nothwcndig waren, keine Ausmerksamkeit bethätigt habe-), sich hingegen vom kritischen Geiste beherrschen ließ. Sie debattirte über die Umgestaltung der ganzen Liturgie, des ganzen Eherechtes, des Sabbathgesetzes, des Speisegesetzes fs. und wählte hierfür Commissionen, und zwar in diese dieselben vier oder fünf Männer.! 1) S. A. Z. d- Jud. Jahrg. 1844 Nr. 48. Was besonders i einen Mißklang hervorrief, war die Mangelhaftigkeit und Parteilichj feit der bei Bieweg herausgegebencn „Protokolle". Tie Reden waren, mit gewissen Ausnahmen, dürfrig wiedergegeben, nicht selten unverj stündlich. Besonders Schreiber Dieses halte sich über Ungunst zu j beklagen. Seine Boten über Gebetsprache und Eid waren so ver-' stümmelt wicdergegeben, daß er dagegen protestiren und die wirkliche j Fassung veröffentlichen mußte (s. a. a. O. Nr. 38). Während die j Eröffnungsrede Herzseld's ausgenommen wurde, unterdrückte man die; unsrige, die wir nachträglich veröffentlichten. Wir erwähnen dies hier, um dem zukünftigen Geschichtschreiber die nöthigen Winke zu geben. Den Protokollen der folgenden Versammlungen konnte solcher Borwurf nicht gemacht werden. 2) Unsere Anträge auf Errichtung von Seminarien und einer jüdisch-theologischen Facultät, sowie zur Bildung von Vereinen zur Hebung des religiösen Sinnes kamen nicht einmal aus die Tagesordnung. Hierdurch bestimmte sie zugleich den Charakter der folgenden Versammlungen. Jndeß hatte sie zwei unmittelbare Folgen; die eine, daß sich die Freunde der Reform, insbesondere der gottesdienstlichen, nunmehr auf festem Boden fühlten, und so entstand im Winter 1841—1845 die Berliner Reformgenossenschaft" namentlich auf Anregung des Dr. Stern. Daß der Ursprung dieser auf die Resultate der Rabbiner- Versammlung zurückzuführen sei, kann man daraus entnehmen, daß sie sofort mit der zweiten Versammlung in Verbindung trat und ihr durch eine Deputation, bestehend in Dr. S. Stern, A. Bernstein und Buchhändler Simicn, eine I Denkschrift überreichen ließ, in welcher sie zwar ihre Unabhängigkeit wahrte, doch aber eine Gutheißung ihrer Zwecke von der Versammlung heischte. Die andere Folge war, daß! sich die Orthodoxen gänzlich abtrennten und zu einer Partei zusammenschlossen. Von ihnen gingen daher Erklärungen, Proteste u. s. w., zumeist von ungarischen und galizischen Rabbinen aus, die allerdings bis dahin völlig unbekannte Größen waren. Jndeß schenkte man ihnen nur geringe Beachtung, und es entspann sich daraus keine nachhaltige Polemik. Die zweite Rabbiner-Versammlung fand in Frankfurt a. M, vom 15. bis zum 28. Juli 1845 statt. Man konnte diese Stadt damals als einen gewissermaßen brennenden Boden ansehen. Es standen sich die Orthodoxen, die Reformsreunde und die Radikalen schroff gegenüber. Tie letzteren hatten im Jahre 1848 eine Art „Reformverein" zu bilden gesucht, dessen anti-religiöse Zwecke jedoch bald durch ihr eigenes Programm ans Licht traten, indem sie 15

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.