Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 48 (1884)
- Issue
- Heft 14 (1.4.1884)
- Date
- 1884-04-01
- Page
- Seite 226 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3227501-3227516--41624-3310111- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
226 Mädchen der jüdischen Freischule und zeichnete sich durch mannigfache andere Wohlthätigkeitsbestrebungen ans. — Am 15. Februar wurde in Paris ein ausgezeichneter Mann Philipp Ulmann, Präsident der Gesellschaft La loi sacree | bestattet, ein großer Verlust für die israelitische Gemeinde | von Paris. An demselben Tage erkrankte sein jüngerer! Bruder, der vielgerühmte Maler Benjamin Ulmann und! folgte am 25. seinem Bruder ins Grab. Die Pariser Zeitj ungen widmen dem Dahingeschiedenen die wärmsten Nachrufe, die ihn nicht nur als Künstler, sondern auch als Menschen, als treuen liebenswürdigen, bescheidenen und stets heiteren Genossen, besonders unter seinen Collegen ehren. Er war am 24. Mai 1829 zu Blotzhein in Elsaß geboren, und hatte eine harte mit industriellen Arbeiten beschäftigte Jugend ' durchzumachen, bis er sich der Kunst ganz widmen konnte! und 1859 den Preis für die Studien in Rom errang. Unter seinen Gemälden zeichnen wir hier „Simson und Delila" aus. Besonders werden seine Gemälde in den Palästen; des Cassationshofes, des Assisenhofes, des neuen Justiz-! Palastes und in dem Sitzungssaal des Staatsraths gerühmt. Tie allgemeine Theilnahme zeigte sich bei seiner Beerdigung, bei welcher der Großrabbiner Zadoc Kahn und die HH.‘ Sommerad und Claretin ihm das verdiente Lob spen-! deten. Er war Ritter der Ehrenlegion und sollte in Kurzem j in das Institut eintreten. — Im Alter von 91 Jahren ver-j schied in Metz eine sehr ehrwürdige Frau, Wittwe Lion> Lajeunesse. Sie war für die jüdische Gemeinde eine! wahre Patriarchin, eine jener alten Jüdinnen, die ihr Leben i in frommen und wohltäthigen Werken zubrachten, ohne > irgend welche Ansprüche an das Leben zu stellen,' ein Typus,! der jetzt verschwunden ist. Die Hingebung, die sie zu aller; Zeit bethätigte, hatte ihr eine gewissermaßen religiöse Verehrung zugezogen. Während dreiviertel Jahrhundert sah man sie stets am Lager der Kranken und Sterbenden, thätige Trösterin der Leidtragenden, Versorgerin aller Armen und Verlaffenen. Hierbei beschränkte sie sich nicht allein auf! ihre Glaubensgenossinnen, und als sie am zweiten März I e u i l Vermischtes. Luther und der Synagogenbrand. In einem Aufsatz „Di-. Martin Luther und der Synagogenbrand in Neustettin", den Prof. Di-. Baumgarten in der „Roslocker Abdztg." veröffentlicht, wird unter Bezugnahme aus zwei Briefe des Bischofs Ambrosius von Mailand vom Jahre 388 ausgeführt, daß die Entstehung der Judenverfolgung Seitens der Christen in das erste Jahrhundert nach Entstehung der Staatskirche unter Constantin fällt und zu letzterer in sehr naher Beziehung steht. Ein um jene Zeit beerdigt wurde, folgte ihrer Bahre eine unabsehbare Menge von Glaubensgenossen und christlichen Mitbürgern. — Aus Pest wird uns geschrieben: Am 15. d. M. verschied nach längerer Krankheit M. Reis, der Eigenthümer und Redakteur der „Jüdischen Pester Zeitung," im 43. Lebensjahre. Bonn, 23. März. (Kunstnotiz.) Man schreibt uns aus Stuttgart: Im Königsbau hier sind gegenwärtig zwei in Holz ausgeschnittene Kunstwerke des Bildhauers Herr I. Rischert in Baden-Baden ausgestellt. Das eine derselben ist eine Nachbildung des herodianischen Tempels, das andere stellt die Stadt Jerusalem dar, beide sind nach den Schilderungen des Josephus und den Forschungen des Grafen Vogue ausgesührt. Die Arbeiten sind ebenso originell wie interessant; der herodianische Tempel ist in größerem Dimensionen ausgeführt, zeichnet sich aber dennoch durch feine Wiedergabe des Details aus. Ein großer freier Raum wird von Säulenhallen, welche durch Thürme unterbrochen werden, umschloffen. Eine der Ecken dieses viereckigen Raumes nimmt die Burg ein, welche dem Pilatus als Wohnung diente. Die Burg ist auf einem Felsen erbaut, welcher, um den Zugang im Kriegsfälle zu verhindern, mit glasirten Platten belegt wurde. Die Säulenhalle, unter welchen die Königshalle mit 167 Säulen hervorragt, umschließen den großen Vorhof des Volkes, die eigentlichen zu bibl. Berühmtheit gelangten Volkshallen nehmen Theile der Gänge, da der ganze Bau nur ein auf der nördlichen Seite sich befindendes Thor hatte. Auch die Burg war durch einen unterirdischen Gang mit dem eigentlichen Tempel verbunden. Diese Gänge sind genau sichtbar. Inmitten des Vorhofes befindet sich der Tempel mit dem Heiligsten und Allerheiligsten, dem Opferstock und den Wohnungen der Priester. Der prächtige Tempel ist höchst kunstvoll mit allen Details wiedergegeben, eine äußerst mühevolle Arbeit. Von hohem Interesse ist auch das zweite der Werke, die Stadt Jerusalem mit ihrer Umgebung darstellend. Bedeutend kleiner als der herodianische Tempel bietet es uns in anschaulicher Weise die heilige Stadt mit ihren ewig denkwürdigen Stätten, Plätzen, Gaffen, Hügeln und Wegen. l e 1 o n. lebender Bischof hatte in seinem Eifer gegen die Juden eine; Synagoge angezündet und in Asche gelegt, worauf der Kaiser Theodosius decretirte, daß der Bischof die Synagoge wieder aufbauen solle. Hierüber geriet!) Bischof Ambrosius in große Aufregung und schrieb an den Kaiser einen langen Brief, j in welchem er unter Berufung auf falsch verstandene Bibel-! spräche nachzuweisen suchte, daß die Juden, weil sie Christus nicht anerkennten, überhaupt kein Recht in der Welt, also auch nicht das Recht hätten, eine Synagoge zu besitzen, daß I daher die That des Bischofs keinen Tadel verdiene, und daß