Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 48 (1884)
- Issue
- Heft 14 (1.4.1884)
- Date
- 1884-04-01
- Page
- Seite 225 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3227501-3227516--41623-3310110- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
225 wärtige Angelegenheiten in der Lasker-Angelegenheit >! haben folgenden Wortlaut: Der am 9. Januar vom Re-! Präsentantenhause angenommene Beschluß sollte der deutschen ' Regierung und dem deutschen Volke das Mitgefühl bei dem Tode eines angesehenen und geehrten Mannes ausdrücken, der in diesem Lande (den Bereinigten Staaten) gestorben ist und der seinem Heimathlande als Mitglied der höchsten ge-j setzgebenden Körperschaft desselben gedient hatte, und sollte! ein Tribut der Achtung für das Andenken jenes Mannes sein. Während der Ausschuß der Ansicht ist, daß der be-! treffende Beschluß (des Repräsentantenhauses) in demselben Sinne der Herzlichkeit und des Wohlwollens, der ihm zu Grunde lag, hätte empfangen und befördert werden sollen, enthält er sich, weil das nicht in den Bereich seiner Beur-! theilung entfällt, jeder Meinungsäußerung darüber, ob der! von den deutschen Behörden eingeschlagene Weg nicht in! Uebereinstimmung mit den auf die Regelung der inneren Angelegenheiten des deutschen Reichs bezüglichen Gepslogenheiten gewesen ist. Die würdige Haltung, welche das Staatsdepartement beobachtet hat, verdient das Vertrauen des Landes, welches ihr auch zu Theil werden wird, indem jene Behörde den hohen Standpunkt, den sie seit Einrichtung der Bundesregierung eingenommen, auch diesmal gewahrt hat. Was die am 10. März im Hause eingebrachten Anträge anbelangt, so ist der Ausschuß der Ansicht, daß sie ihrem Wortlaute nach überflüssig, unerheblich und unnöthig seien, um die Würde und Ehre des Hauses zu wahren. Der Ausschuß stellt aber hiermit die betreffenden Anträge mit dem Wunsche,! daß sie auf den Tisch des Hauses gelegt werden, zurück und! empfiehlt an ihrer Stelle den folgenden Beschluß: „Es wirdi beschlossen, daß der auf den Tod des Di*. Ed. Laster bezüg-! liche Beschluß des Hauses vom 9. Januar d. I. bestimmt war, ein Beweis der dem Andenken eines hervorragenden fremden Staatsmannes gezollten Achtung zu sein, der ein Herz für das deutsche Volk hatte und ihm ein ehrenwcrther Vertreter gewesen war. Es wird beschlossen, daß das Haus mit dem Berhältniß der vollziehenden zu der gesetzgebenden Gewalt bei der deutschen Regierung keine amtliche Berührung hat, es zur Wahrung seiner Würde nicht für nothwendig hält, die Art, wie jener Beschluß in Empfang genommen wurde, oder die Ursachen, welche es verhinderten, daß jener Beschluß, nachdem er auf dem richtigen Wege der deutschen Regierung mitgetheilt worden war, zu seiner Bestimmung gelangte, einer Beurtheilung zu unterziehen." Der Abgeordnete Cox beantragte als bestes Mittel, dem Kanzler gegenüberzutreten, die ganze Sache zu den Akten zu legen. Dieser Antrag wurde aber mit 125 gegen 85 Stimmen abgclehnt. Die vom Ausschuffe vorgeschlagenen Resolutionen wurden schließlich ohne Abstimmung angenommen und zu Protokoll gebracht. (Hiermit ist diese Angelegenheit für den sel. Laster ehrenvoll abgethan und zur Beurtheilung der Geschichte übergeben.) Bonn, 16. März. (Notizen.) Man schreibt aus Braunschweig vom 14. Heute Morgen nach 10 Uhr fand die Beisetzung des Landesrabbiners Profeffor Di*. Herzfeld statt. Zu der Traucrfeierlichkeit in der Synagoge hatten sich außer den Verwandten und Glaubensgenoffen des Entschlafenen Oberbürgermeister Pockels, Bürgermeister Rittmeyer, Stadträthe Haake und Schüttler, sowie Generalsuperintendent I>i*. Beste und mehrere Vertreter der protestantischen Geistlichkeit cingefunden. Eben so waren erschienen die Collegen des Dahingeschiedenen, die Landrabbinen Di*. Guttmann aus Hildcshcim und I)r. Groncmann aus Hannover, und außerdem aus allen Theilen unseres Landes eine große Zahl Deputationen der israelitischen Gemeinden, um dem Dahingeschiedenen die letzte Ehre zu erweisen. Nachdem der Canj toi* Goldbcrg die üblichen Trauergcsänge vorgetragen, hielt! Landesrabbincr Ruclf (der Nachfolger des Dahingeschiedenen) j die Leichenrede, den großen Verlust hervorhebend, welchen die i Familie, die Gemeinde, die Wiffenschaft erlitten, und auf die I edlen Eigenschaften hinweisend, die den Verstorbenen ausge-! zeichnet. Nach Beendigung der Synagogenfeierlichkeit wurde ■ bic Leiche unter großem Gefolge nach dem Friedhose der israelitischen Gemeinde geleitet. Auf dem Friedhose gab ein Vorstandsniitglied, Rechtsanwalt Dr. Magnus, den schmerzlichen Gefühlen der verwaisten Gemeinde Ausdruck und rief dem Verblichenen den Dank für sein segensreiches Wirken und Schaffen nach. Nach einem kurzen Gebete des Dr. Rülf siel alsdann Scholle auf Scholle, und der Himmel blickte friedlich aus das von einem förmlichen Berg von Kränzen bedeckte frische Grab eines unserer edelsten Mitbürger. — Aus London schreibt man unterm 15. März. In der am 13. d. in Gunnersbury-Park im Alter von 65 Jahren verstorbenen Baronin Charlotte von Rothschild (Wittwe des verstorbenen Barons Lionel Nathan von Rothschild geb. am 13. Juni 1819 in Frankfurt, ebenfalls eine geborene Rothschild) haben die jüdischen Armen Londons ihre größte Wohlthäterin verloren. Ihre Equipage war häufig in den ' armseligsten Straßen von Spitalsields und Whitechapel zu sehen, wo sie für die Klagen der in diesen Sradttheilen wohnenden armen deutschen und polnischen Juden stets ein williges Ohr und eine offene Börse hatte. Jeden Freitag; besuchte sie die jüdische Freischule und brachte Stunden lang mit der Jnspcction der Klaffen zu. Auf ihre eigenen Kosten unterhielt sie eine Krankenküche in Sandys-row (Bishopsgate), wo armen Patienten gegen Vorzeigung eines ärztlichen Zeugnisses Rationen verabreicht wurden. In 1859 gründete sie das Heim für Unheilbare beiderlei Geschlechtes; in Bedford-square, Commercial-road, bekleidete die ärmeren