Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1884-04-01 · Heft 14 (1.4.1884) · p. Seite 224

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
48 (1884)
Issue
Heft 14 (1.4.1884)
Date
1884-04-01
Page
Seite 224 (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3227501-3227516--41622-3310109
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

224 aus den Dörfern auszuweisen seien, ist jetzt ein Mas des Senats ergangen, der die Ausführung jener Verfügung der Regierung bis dahin beanstandet, wo eine objective Erörterung und Untersuchung des Bittgesuches stattgefunden haben werde. Aus Rußland, 21. März. (Privatmitth.) Aus der Stadt Moschniino (Gouv. Wilna) wird gemeldet, daß man dort am 10. März eine Tißa-Eßlarer Affaire in Scene zu setzen versucht hat. Ein Mann schickte sein Söhnchen gegen Mittag in einen jüdischen Kaufladen und von da ab war der Knabe verschwunden. Alsbald erhob sich in der Stadt das Gerücht, die Juden hätten den Knaben getödtet. Da die Polizei den Jungen nicht auffinden konnte, so begann man bereits die Juden auf der Straße zu mißhandeln. Der Gouverneur, davon unterrichtet, ließ genaue Recherchen anstellen und der Knabe fand sich bei Verwandten in Wilna, wohin ihn der Vater in der Absicht geschickt hatte, um die Juden des Mordes zu bezichtigen. Hierauf wurde der Mann gefänglich eingezogen und dem Criminalrichter überwiesen. — Zufolge der „Rufsk. Kur." und „L. T.", aus „Petersburg", behandelt ein Rundschreiben des Ministers des öffentlichen Unterrichts an die Kuratoren der Lehrbezirke die Bewegung unter den Studirenden und sagt: Unabhängig von anderen Gründen, welche diese Bewegung erklärten, müffe man die Aufmerksamkeit auf den schädlichen hätten, abgelehnt worden, da man unruhigen Elementen die Wiederaufnahme in die Kreise der Studirenden versagen müffe. Der Minister beauftragt schließlich die Kuratoren der Lehranstalten, der lernenden Jugend, um dieselbe vor dem schädlichen Einfluffe der Agitatoren und Antisemiten zu bewahren, vor Allem einzuschärfen, daß Studenten, so lange sie sich in einer Lehranstalt befänden, sich nicht versucht fühlen sollten, eine politische Rolle zu spielen, sondern nur Lernende sein dürfen. Th. Aus Moskau berichtet man: Bei dem Allerhöchst bestätigten Comite zur Errichtung eines Denkmals in Petersburg für den in Gott ruhenden Kaiser Alexander II. wird in „Mosk. List." geschrieben, daß in Moskau an Spenden bis 1,500,000 Rubel eingegangen, wovon über 400,000 Rubel von unseren Glaubensgenoffen sind. Th. M. Feinkind. AuL Polen, 20. März. (Privatmitth.) Unter dem Regiment des Ministers Grafen Tolstoi macht sich unter den Beamten überall eine straffere Disziplin fühlbar, was insonders den Juden zugute kommt. Wo sich ein Exceß gegen dieselben kundgiebt, wird er sofort im Keime erstickt, und die Uebelthater werden zur Strafe gezogen. Es ist dies um so nothwendiger, als in vielen Gegenden Arbeitslosigkeit herrscht und dadurch die Masse derer vermehrt wird, welche gern zugreifen, wo sie was nehmen können. So in diesen Tagen Einfluß lenken, welchem die Studenten seitens solcher Perin Zgiersch (Gouv. Peterskow), wo ein katholischer Geistlicher sonen ausgesetzt sein, die wegen schlechter Führung aus den an einem Feiertage in der Kirche gegen die Juden predigte Lehranstalten relegirt worden seien, aber mit ihren früheren | und den Pöbel geradezu zur Plünderung der Juden auf- Kommilitionen Fühlung behielten und überhaupt zum Zweck: forderte. Die Polizei nahm ihre Maßregeln so gut, daß die des Agitirens und des Aufreizens zu Exceffen Beziehungen {Unruhen alsbald aufhörten. In der Fabrikstadt Ozorkow gegen Juden mit der lernenden Jugend unterhielten. Aus! (Gouv. Kalisch) haben die jüdischen Fabrikherren eine bedie Unerfahrenheit und die Leichtgläubigkeit der Jugend trächtliche Summe zusammengebracht, um für die Arbeits» rechnend, suchten diese Agitatoren, die von ihnen verfolgten i losen eine Volksküche herzustellen. — In ganz Polen geht agitatorischen Zwecke verhüllend, die Jugend zur Organisirung das Gerücht, daß Stöcker nach Warschau, Lodz, Kalisch, von Corporationen mit Kaffen, zur Abhaltung von Bersamm- Petrokow kommen wollte, um antisemitische Reden zu halten; lungen u. s. w. zu verführen, was nach den bestehenden gedie Regierung habe ihn aber verwarnen lassen, nicht nach Rußsetzlichen Bestimmungen unstatthaft sei. Diese gesetzlichen land zu kommen, wo er sofort verhaftet und über die Grenze Schranken abzuändern, sei die Regierung keineswegs gewillt,; gebracht werden würde. Aus Lodz soll sogar ein desfalsiges da sie dieselben als für die Wohlfahrt der Studenten unbedirektes Gesuch an die Regierung ergangen sein. Auch erdingt nothwendig und nützlich erachte. Bon den Agitatoren fährt man, daß in Polen sich viele antisemitische Emissäre aber wurde darauf gerechnet, durch das Anstiften von Un-; Herumtreiben und zwei solcher Ausländer sind in diesen ruhen und Exceffen gegen Juden die Vorstände der Lehran-' Tagen aus Warschau verwiesen worden. Als einen schönen stalten zu weiteren Ausschließungen von Studenten vom Zug wollen wir hervorheben, daß, so schlecht auch die gegen- Besuche der Lehranstalten zu nöthigen und dadurch in den wärtigen Zeiten für die Juden sind, doch aus vielen Ge- Familien und in der Gesellschaft Mißvergnügen hervorzurufen, meinden, namentlich den kleineren, Spenden zu Peßach an Die Schulbehörden wären mit den Expedirenden zwar immer die russischen Flüchtlinge in Palästina und selbst in Amerika mit Nachsicht verfahren und hätten durch Milde auf dieselben gesandt worden, z. B. aus Turek 120 Rubel. M. F. einzuwirken gesucht, die Hartnäckigkeit der Aufwiegler habe die Behörden aber schließlich zur Ergreifung strenger Maßregeln genöthigt. Die Bittgesuche der Relegirten um Wieder- Washington, 19. März. Die heute vom Repräsentanaufnahme seien deshalb, auch wenn letztere Reue bekundet tenhause genehmigten Resolutionen des Ausschuffes für aus- Amerika.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.