Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 48 (1884)
- Issue
- Heft 13 (25.3.1884)
- Date
- 1884-03-25
- Page
- Seite 208 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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208 oder richtiger gesagt, Hausirverbotes mit Rücksicht auf die zahlreichen in Rumänien vom Hausirhandel lebenden österreichisch-ungarischen Unterthanen unterbleiben. Die Bestätigung dieser Nachricht ist abzuwarten. Amerika. New-Vürk, 2. März. Bor einigen Wochen verstarb hier ein Herr Julius Hallgarten. Derselbe vermachte dem israelitischen Waisenhause 25,000 Fr.; dem Hospital Mount- Sinai 50,000 Francs und der Universität von New-Aork 250,000 Fr. Diese Bermächtnisie haben eine sehr verschiedene Beurtheilung gefunden, namentlich von Seiten seiner jüdischen Glaubensgenosien. Die einen billigten es, daß hier wieder einmal der Beweis geführt worden, wie wenig eine ausschließende Gesinnung bei den Juden vorhanden sei. Die Anderen meinten, daß eine Berücksichtigung jüdischer Institute von Seiten der Christen noch so überaus selten sei, daß die Legate für jüdische Anstalten nicht so geringfügig gegen die große Summe hätten ausfallen dürfen, welche der bereits reichlich dotirten Universität zugetheilt worden. — Glauben Sie den Correspondenten der „Times" und deutscher Blätter nicht, wenn sie von der Gleichgültigkeit sprechen, mit welcher die Amerikaner das Verfahren des deutschen Reichskanzlers in der Laster - Angelegenheit ausgenommen hätten. Im Gegentheil, es herrscht eine allgemeine bittere Empfindung, und nur ein einziger Artikelschreiber in Chicago hat sich die Bertheidigung des Verfahrens Bismarck's befleißigt und dieser eine ist — ein Jude. Bonn, 16. März. (Notizen.) Man schreibt uns aus Württemberg 6. März: Dem Vernehmen nach wurde das Rabbinat Wiesbaden dem Rabbinen Dr. Silberstein in Möhringen übertragen; sein Bezirk sowie auch weitere Kreise werden diesen tüchtigen Kanzelredner sehr ungerne verlieren. — Die israel. Gemeinde Ludwigsburg, die jetzt ca. 200 Seelen zählt, beabsichtigt eine Synagoge zu bauen und hat bereits einen Bauplatz dazu angekauft. — Aus M.-Theresiopel wird geschrieben: Dieser Tage verschied die wegen ihrer Wohlthätigkeit in der ganzen Gegend hochgeachtete Frau Julie Pollak im 98. Lebensjahre. Bon ihren 17 Kindern ist das älteste 79, das jüngste 46 Jahre alt. Sie hatte 98 Enkel, über 200 Urenkel und 18 Ururenkel. Ihre Familie, die größte in der Bacska, weist mehrere Gutsbesitzer, Fabrikanten, Schriftsteller und hervorragende Künstler auf. — Die Universität Straßburg hat einen großen Verlust durch den Tod unseres rühmlichst bekannten Glaubensgenossen, des Sanskritgelehrten Dr. Siegfried Goldschmidt erlitten. Er war an dieser Universität seit ihrer Gründung thätig, und hat sich erst vor Kurzem durch die Herausgabe des Textes des großen Epos Ramajana große Verdienste um die Wifienschaft erworben. Bonn, 16. März. (Notizen.) Wir werden ersucht, folgenden Ausruf an die Cantoren in Deutschland zu veröffentlichen: „Die geehrten Collegen mache ich hiermit aufmerksam, daß am 30. März ds. I. Herr Profeffor Sulzer 80 Jahre alt wird. Die Bedeutung Sulzers für die Hebung unseres Cultus und somit auch für das Cantorenthum bedarf an dieser Stelle gewiß keiner besonderen Betonung; sie ist Allen zur Genüge bekannt, die sich nur einigermaßen mit der Geschichte unserer Liturgie befassen. Sulzer ist der Altmeister unseres Standes, jenes Standes, der berufen ist, dem jüdischen Gottesdienst auch jene äußere Weihe und Würde zu verleihen, die sein ideales Wesen erfordert. Und diesem! Altmeister schulden meines Erachtens sämmtliche Cantoren | ihren Ehrentribut an jenem Tage. Wir ehren unser Amt, indem wir diesen würdigen Repräsentanten desselben ehren. Das „Wie" einer zu veranstaltenden Ovation für den Jubi-; lar zu bestimmen, überlasse ich geehrten Collegen. Selbstverständlich bin ich gern bereit, mit werthen Collegen diesen Punkt brieflich zu erörtern. Nürnberg. 11. März 1684. M. Rosenhaupt, Ober-Cantor. Ieuilleton. Vermischtes. Ehemals und jetzt.' Die „Boss. Ztg." erhält von Herrn Rabbiner Dr.Wien er in Oppeln folgende Zuschrift mit der Bitte um Veröffentlichung: Sehr verehrter Herr Chefredacteur, wenn ich Ihnen bemerke, daß ich vor 50 Jahren Schüler des Gymnasiums in Neustettin gewesen bin, und daß zu jener Zeit in dem Städtchen die freundlichsten Beziehungen zwischen den Bekennern der verschiedenen Confessionen vorherrschten, werden Sie mir das Bedürfniß nachempfinden, wenigstens mit einigen schlichten Worten das Bild von ehedem weiteren Kreisen vorzuführen. Ja, das war damals ein friedliches harmonisches Zusammenleben! Die jüdische Jugend besuchte die Klassen der Stadtschule, und von den Elementarschulbänken verpflanzte sich der friedliche Geist auf das Gymnasium. Unter den Lehrern des Fürstlichen Hedwigs-Gymnasium, denen mein Dankgefühl bis zu meinem letzten Athemzuge gewidmet sein wird, ragen der Direcior, der gefeierte Philologe, Professor Giesebrecht, der idealische Prorector Professor Dr. Klütz, der von kindlich - frommer Gesinnung getragene Conrector Dr.