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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1884-03-25 · Heft 13 (25.3.1884) · p. Seite 207

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
48 (1884)
Issue
Heft 13 (25.3.1884)
Date
1884-03-25
Page
Seite 207 (sequence 15)
Language
German
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207 neuen Offenbarung, die man „Antisemitismus" nennt, aus verschiedenen Theilen des Reichs Antheil nehmen sollen. Als Vertreter von Warschau nennt man den Grafen Koz—ei, als Vertreter von Südrußland den Fürsten G Redacteur eines antisemitischen Blattes. Während die Antisemiten so nach allen Seiten energisch vorschreiten, geschieht von jüdischer Seite absolut nichts. Unlichen Schulen einen Damm zu setzen sei. Unter solcher: Absichten und bei dem Zetergeschrei der judenfeindlichen Presse, daß die jüd. Schüler alle übrigen von der Schulbank verin, gewesener drängen, wurde bekanntlich vor nicht lange projectirt, die Norm der jüdischen Schüler in den mittleren Lehranstalten aus 15 Prozent zu reduciren; jetzt eben trifft nun aus Kiew die Mittheilung ein, daß von Seiten der dortigen Universisere „Reichen", auf welche zu unserem Unglück die Blicke der tät in voriger Woche eine Anordnung getroffen wurde, wogesammten russischen Judenheit gerichtet sind, denken, wie es scheint, nichts als an Bälle und musikalische Soirvs, welche nach die Zahl der Studirenden mosaischer Confession in allen Cursen der medicinischen Facultät von nun an nicht mehr ffe jetzt zum Besten geben, und die von sich viel sprechen das Maximum von 10 Prozent übersteigen darf, eine sehr machen. Die große Masse ist absolut hülslos, weiß nicht zweckmäßige Anordnung, der sich baldigst auch die Conseils was anzufangen und glaubt viel gethan zu haben, wenn sie der sämmtlichen übrigen Universitäten Rußlands gewiß anmit Briefen, Depeschen und Deputationen die Petersburger schließen werden," wie dies zu hoffen unsere judenfeindliche „Gwirins" bestürmen, als ob diese armen „Reichen" ihnen wirklich Helsen wollten, Helsen könnten. Äa es wäre höchste Presse Grund hat. Die Ursache, warum diese Anordnung gerade die medicinische Facultät getroffen hat, ist, weil Juden Zeit, daß unsere unglücklichen Brüder einsehen lernen, wie sich vorzüglich den medicinischen Wissenschaften widmen, was wenig uns die „Reichen" zu Helsen im Stande sind. nicht zu verwundern ist, da sie als Mediciner im praktischen Aus Rußland, 20. Febr. (Privatmitth.) Wie oft und! Leben noch irgendwie Carrik-re machen können, während nach nachdrücklich ist man in der „ alten, guten Zeit," d. h. vor un-! Erlangen eines Bildungsgrades auf irgend einem anderen gefähr noch anderthalb Jahrzehnten zurück, gegen unsere > Wissensgebiete, sie gewöhnlich keine Anstellung finden. — Glaubensgenossen unter Anderem auch mit dem Vorwurfe Bon der zur Regelung der Judenfrage eingesetzten Commisins Feld gezogen, dieselben hegen eine unüberwindliche Anti-; sion sollen neulich Aufforderungen fast an iämmtliche Goupathie gegen die allgemeine europäische Bildung und suchen j vernements-Regierungen des Reiches ergangen sein, der Comsich vor derselben mit aller Anstrengung in ihren engnationa-' Mission ausführliche statistische Daten über die in den betr. len und religiösen Separatismus einzuschließen! Bon einem! Rayons lebenden Juden einzusenden, über deren Zahl in den derartigen Standpunkte ausgehend, ja in dieser vermeintlichen Abneigung der Juden gegen alle Aufklärung den ganzen Krebsschaden der Judensrage betrachtend, suchte die Regierung Städten und auf dem Lande, über den Einfluß, den sie auf Handel und Gewerbe ausüben, wie auch über ihr gesammtes Thun und Lassen ganz genau Bericht zu erstatten. Wenn des sel. Alexander II., vom Beginn ihrer ruhmreichen Epoche dadurch einerseits die event. Lösung der Judensrage gewiß an, diesem Uebel mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln zu steuern und ihre jüdischen Uuterthanen aus deren, durch viele Jahrhunderte grausamster Verfolgung bewirkten Absonderung herauszureißen. Fast sämmtliche öffentliche Lehranstalten wurden den Juden geöffnet, die specicll für sie bestehenden Schulen einer der zeitgemäßen Neugestaltung unterzogen, kurz, die Regierung setzte alle Hebel in Bewegung, wieder in die Länge gezogen ist, da diese statistischen Sammlungen ohne Zweifel nicht wenig Zeit in Anspruch nehmen werden, so legt andererseits dieser Schritt ein Zeugniß dafür ab, daß die Commission nicht geneigr ist, bei Erledigung der Judenfrage in die Fußtapfen des Gr. Jgnatjew zu treten, und ihr in Folge dessen die zur Zeit von demselbeu bereits gesammelten statistischen Zahlen über die Juden nicht conum ihre Juden wirklich zu bilden, sie im Geiste der Neuzeit, veniren. — Wie der „Hamelitz" mitzutheilen weiß, soll in aufzuklären. Wie unberechtigt jener Vorwurf gegen unsere! jüngster Zeit Herr K. Minor, Sohn des durch seine gedierusfischen Glaubensgenossen war, hat aufs eclatanteste die gene Predigten in russ. Sprache rühmlichst bekannten Rabdarauf folgende Zeit dadurch erwiesen, daß die jüdische Bebiners der jüdischen Gemeinde zu Moskau, zum Privatdocenvölkerung sich nach und nach den Gesinnungen der Regierung! ten der Neurologie an der dortigen Universität ernannt woräußerst willig anschloß und fast in allen ihren Schichten eine den sein. Diese Ernennung soll auf eine auszeichnende Re mehr und mehr steigende Entwickelungsthätigkeit begann. Wie; comandation des bei uns so sehr gefeierten russischen Schriftganz radical haben sich jedoch gegenwärtig die Verhältnisse stellers, Leo Tolstoi erfolgt sein und muß als für die gegenbei uns geändert! Bon einer Aufmunterung, irgend einer; wärtige Zeit äußerst bezeichnend angesehen werden! H. B. Anregung der Juden zur Bildung ist keine Spur mehr; im j Gegentheil, man ist eifrig bemüht, auf welche Weise dem stets j wachsenden jüdischen Bildungstrieb Einhalt zu thun und der! steigenden Frequenz der jüd. Zöglinge an sämmtlichen öffentz Rumänien. Bukarest, 10. März. Wie dem „P. Lloyd" von hier geschrieben wird, soll die Sanction des neuen Hausirgesetzes,

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