Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 48 (1884)
- Issue
- Heft 13 (25.3.1884)
- Date
- 1884-03-25
- Page
- Seite 194 (sequence 2)
- Language
- German
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194 und Kupfer und in Bearbeiten der Steine zum Einsetzen und in Bearbeitung des Holzes, auszuführen in aller Geschicklichkeit. Siehe, auch habe ich ihm beigegeben den Oholiab aus dem Stamme Dan und in den Sinn aller Kunstsinnigen habe ich Kunstsinnigkeit gelegt, daß sie ausführen: alles was ich dir geboten." 2. Mos. 35,10: Und alle Kunst-! sinnige unter euch sollen kommen und alles machen, was der1 Ewige geboten." B. 25: „Und alle kunstsinnigen Weiber spannen mit ihren Händen, und alle Weiber deren Herz sie antrieb in Kunstsinnigkeit, spannen." Jene zuerst angeführten Worte hatten im Sinne des Gesetzgebers einen solchen Werth, daß er sie 35, 30 wiederholte und hinzufügte: „Und zu unterweisen legte er ihm in den Sinn, ihm und Oholiab.! Er erfüllte sie mit Kunstsinnigkeit, auszuführen allerlei Werk! des Künstlers und Kunstwebers und Buntwirkers" und nochmals führt er dies aus 36, 1 ff. — Wer diese Worte aufmerksam liest, wird zugestehen, daß sie, wenn auch im Lapidarstyl der Bibel, das Höchste, das Idealste von der Kunst aussagen, wie es die moderne Aesthetik mit nicht größerer Würdigkeit darlegen kann. Der hervorragende Künstler wird als „vom göttlichen Geiste erfüllt" bezeichnet, der höchste Ausdruck, den die h. Schrift für die, das gewöhnliche Menschenthum überragende Geistesbegabung hat. Es wird ihm zuerst die ncrn zugeschrieben, welche an anderen Stellen (Sprüche und Hiob) die göttliche Intelligenz, die Geisteskraft bedeutet, mit welcher Gott selbst die Schöpfung gestaltet hat, dann Einsicht, Erkenntniß und hieran sich erst schließend die j Geschicklichkeit, die Technik, die Arbeit. Der Künstler ist, befähigt, „Gedanken zu erdenken" und sie auszuführen im! spröden Material. Neben dem begabtesten Künstler tritt ein' befähigter Genoffe und um diese sammeln sich alle kunst-! sinnigen und kunstbefähigten Männer, und selbst alle Frauen, welche in den Arten ihrer Arbeiten, im Spinnen, Weben und Wirken sich auszeichnen. Diese kommen aus dem gesammten Volke zusammen, um Unterweisung und Anweisung i zu erhalten. Es ist also von keiner Kaste die Rede, und > auch für die Künstler wird das Kastenwesen zurückgewiesen.! Ist also dem Mosaismus eine Vorstellung von der Kunst zuzuschreiben, wie sie höher und edler nicht gedacht werden kann, so frägt man sich um so mehr: warum nun dieses strenge Verbot, welches den bildenden Künsten das Lebenselement entziehen mußte und entzogen hat? Um diese Frage zu beantworten, müffen wir noch einmal zum Aegypticismus zurückkehren. In Aegypten hatte die Kunst auf dem Boden ihres handwerkmäßigen Betriebes eine außerordentliche Verbreitung gefunden. Sie errichtete nicht blos die großartigsten Bauwerke, stellte zahllose Statuen und Bildwerke in coloffalem und kleinstem Maßstabe auf, sondern erwarb sich auch eine außerordentliche Geschicklichkeit, die Scenen des gewöhnlichen Lebens wiederzugeben. In den Grabkammern finden sich Malereien, welche uns zeigen, wie die Aegypter säeten, ernteten und dreschten, den Wein zogen und kellerten, Viehzucht trieben, wie sie zimmerten und mauerten, aßen und tranken und musicirten, namentlich in großer Damengesellschaft, wie ihre Krieger, ihre Streitwagen und Raffe aussahen, marschirten und kämpften und sofort. Erleichtert war ihnen die Ausführung dieser zahllosen Werke durch die Reichthümer, die dem Volke abgepreßt und von den besiegten Nationen geraubt wurden, sowie durch die Nichtachtung des Menschenlebens, das zu vielen Tausenden für im Grunde doch nur geistlose Werke geopfert wurde. Die Verwendung der Kunst stand aber im Dienste des Götzenthums, des Königs und seiner Genoffen und des Todtenkultus. Und welche ein Götzenthum'. Mögen immerhin die ältesten Weisen metaphysische und psychologische Gedanken in Allegorien und Sym-! bolen haben ausdrücken wollen. Die späteren Zeiten gingen ■ weit hinaus über Allegorie und Symbol. Da man die heiligen , Thiere auf den Altar stellte, ihnen Opfer brachte und sie; nach ihrem Tode in zahllosen Exemplaren auf's kostbarste! mumificirte, waren sie dem Volke wirkliche Götter und der j Aegypter sank zum blödesten Thierdienst herab. So war die! Kunst zur Magd des finstersten Aberglaubens entweiht. Und j hat nicht selbst in Hellas die bildende Kunst dem Polytheismus den größten Vorschub geleistet und ihn zu langer Dauer befestigt? Finden wir nicht noch in einer viel späteren Epoche die Malerei im Dienste düsterer Ascese? . . . Doch kehren wir zu Moses zurück. Diesem menschenentwürdigenden Götzendienste mußte der Lebensnerv abgeschnitten werden, und dies konnte nur durch das unbedingteste Verbot geschehen, die Kunst zu götzendienerischen Zwecken zu verwenden. Hier durfte kein Zweifel und kein Schwanken stattfinden. Es war dies um so nothwendiger, als in der Volksmaffe die Neigung zum Götzenthum und zwar zum ägypttschen noch allzu stark war, wie die Errichtung des goldenen Kalbes am Fuße des Sinai selbst erwies. Nicht also gegen die Kunst selbst, von welcher Moses, wie wir gesehen, eine so erhabene Vorstellung hatte, sondern gegen die götzendienerischen Zwecke der Kunst richtete er sein strenges Verbot. Man erkennt dies aus der Form desselben. Das zweite der Zehnworte lautet: „Du l sollst dir nicht ein Götzenbild machen, sei es irgend ein Abbild des, was im Himmel droben, und was auf Erden drunten und was im Wasser unter der Erde; du sollst dich nicht vor ihnen niederwerfen und ihnen nicht dienen." Es folgen dann nachdrückliche Drohungen gegen die Verächter des Gebotes und Verheißungen für die treuen Pfleger desselben. Schon diese Ausführlichkeit des Verbotes unter den knapp gemessenen prinzipiellen Sätzen der Zehnworte beweist die Wichtigkeit, die der Gesetzgeber ihm beilegte und daß er hierin den Schwerpunkt seines ganzen Systems erblickte. Nichts häufiger deshalb als das Verbot des Götzendienstes und der