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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1884-03-25 · Heft 13 (25.3.1884) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
48 (1884)
Issue
Heft 13 (25.3.1884)
Date
1884-03-25
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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eineine Zeitung des Iudenthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. , Diese Zeitung erscheint wöchentlich. > > Preis vierteljährig 3 Mark. Abonne- I ment in Deutschland (Postzeitungsliste Sir. 92) und Oesterreich bei allen Post- I Ämtern, außerdem durch den Buchs Handel. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippson in Bonn. GXpeöiLiorr: Leipzig, Woßpkcth 18. In rcdactionellen Angelegenheiten wende man sich an Er. L. Philippson in Bonn direct, in allen übrigen an die! Berlagshandlung. Beilagen (Gebühr > 12 M.) sind gleichfalls an letztere einzusenden. 48. Jahrgang. Leipzig, den 25. März 1884. JVo. IS. Inhalt. Leitende Artikel: Der Mosaismus und die bildenden Künste. II. — Ter zweite Neustettiner Synagogenbrand-Prozeß. (Schluß.) — Ein Unkenruf der „Kreuzzeitung". — Die Interpellation Helle im Preußischen Abgeordnetenhause. — Zcunugsnachrichten: Deutschland: Berlin, Bonn, Braunschweig, Aus Westfalen, Könitz, Neustetrin. — Oesterreich-Ungarn: Wien, Lemberg. — Frankreich: Paris. — Rußland: St. Petersburg, Aus Rußland. — Rumänien: Bukarest. — Amerika: New-Pork. — Bonn: Notizen. — Feuilleton: Vermischtes. ScH'c'ttZ'c Qci'iiicf. Bonn, 19. März. Der Mosaismus und die bildenden Künste. 11. Sehen wir uns in den fünf Büchern Moses nach der Ansicht um, welche dort etwa über den Werth und die geistige Bedeutung der bildenden Künste ausgesprochen wird. Tie einzige Veranlassung gab die Errichtung des Heiligthums in der Wüste, das gewöhnlich die Stistshütte, nach dem Texte „Zelt der Zusammenkunft" (Gottes mit Israel) genannt wird. Und hier finden wir eine Anschauung von der Kunst wiederholt zum Ausdruck gebracht, wie sie höher nicht gedacht werden kann. Auch hier tritt der Mosaismus in schneidendem Gegensatz zum Aegypticismus aus. Cs ist ja bekannt, daß, so merkwürdig auch die Produkte der ägyptischen Kunst sind, doch in diesem eigenthümlichen Lande die Kunst zum Handwerk geworden war. Jahrtausende hindurch wurden daselbst alle Erzeugnisse der Kunst, ob in großen oder kleinen Dimensionen, unverbrüchlich nach demselben Schema, in denselben Formen, mit demselben Ausdruck ausgeführt; es war eine stets sich wiederholende Reproduktion, die so handwerksmäßig geworden. Die Forscher waren deshalb in Verlegenheit, weil sich doch eine so ausgebildete Kunst nicht ohne eine vorangegangene Entwicklung denken läßt, bis man in neuester Zeit einige Figuren aufgefunden hat, die eine frühere Kunststufe bekunden. Durch die weitaus größere Epoche des Aegypticismus aber steht die Kunst aus demselben Niveau, sowohl in der Technik wie im Geiste. Dieser war gefesselt durch die Bande der Convenienz, von welcher unter keiner Bedingung abgewichcn werden durste, so daß nur erlernte Geschicklichkeit, aber keine Bewegung, kein Aufschwung des Geistes möglich war. Wie anders wird die Kunst an den Stellen der fünf Bücher Moses angesehen, wo von ihr die Rede ist! Das zu errichtende Heiligthum sollte und konnte kein monumentales Bauwerk sein, denn es war bestimmt, aus den Wanderzügen de» Volkes durch die Wüste bald aufgeschlagen, bald auseinander genommen und in seinen Theilen sorttransportirt zu werden. Es war deshalb eine einfache Zusammensetzung aus verriegelten Balken in Form eines Vierecks. Aber diese Balken sollten mit Gold überzogen und mit kunstvoll gewebten und gewirkten Teppichen und Vorhängen bekleidet werden, in welche auch Cherubim eingewirkt wurden; ferner wurden kostbare Geräthschasten in mannichsaltigen Formen angefertigt und mit aus dem Massiven herausgearbeiteten Figuren geschmückt. Endlich war die Gewandung des Hohenpriesters mit großer Kunst, besonders au Goldschmiede- und Steinschneidearbeiten, verfertigt. Wir sehen also bei diesem Heiligthume die Holzschneide-, die Goldschmiede-, die Weber- und Wirkerkunst, sowie die Bearbeitung der Metalle in Guß und Ciselirung in Anspruch genommen. Ta heißt es 2. Mos. 31, 2: „Siehe, ich habe bei Namen gerufen Bezalel aus dem Stamme Juda; diesen habe ich erfüllt mit dem Geiste Gottes an Kunstsinnigkeit und an Einsicht und an Erkenntniß und an aller Geschicklichkeit, Gedanken zu denken und auszuführen in Gold und Silber 13

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