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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1884-03-18 · Heft 12 (18.3.1884) · p. Seite 186

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
48 (1884)
Issue
Heft 12 (18.3.1884)
Date
1884-03-18
Page
Seite 186 (sequence 10)
Language
German
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186 überall im Reich Handels- und Bankierhäuser zu eröffnen.1 Durch die letztere Maßregel würde Kapital nach Rußland geführt und unsere Industrie belebt werden. Die unternehmungslustigen Juden würden in Rußland ein weites Feld für ihre Thätigkeit finden und Rußland auf diese Weise nur gewinnen." Aus Rußland, 7. März. (Privatmitth.) In „Prawitelski Wiestnik" wird unter dem 1. d. M. aus St. Petersburg geschrieben. Auf Grund eines Allerhöchsten Befehls aus dem Jahre 1835 hat der Senat eine Verfügung erlaffen, nach welcher den Juden, welche im östlichen Sibirien Branntweinbrennereien besitzen, ein bestimmter Termin gesetzt wird, innerhalb deffen sie ihre Geschäfte zu liquidiren, resp. die Brennereien in andere Hände zu übergeben haben. Auch hat das Finanzministerium auf Grund eines Allerhöchsten Befehls mit den strengsten gesetzlichen Strafen den Juden, namentlich den im Zarthum Polen, auf den Dörfern und Flecken verboten, „Schenken" zu halten. Ausgeschloffen find aber diejenigen, die in ihren Schenken einen Christen zum Verkauf des Branntweins haben oder wenn die Schenke auf die Firma des Christen geschrieben wird. Wer den vorstehenden Ukas nicht binnen 17 Tagen befolgt, wird von dem Orts- Friedensrichter mit einer Strafe bis zu 3 Monaten Gefängniß oder bis 300 Rubel Geldbuße belegt werden. Vom Ministerium der Volksaufklärung sind in diesem Jahre, wie die „Nowoje Wrenja“ mittheilt, nach Absolvirung des Universitätsstudiums von der Universität in St. Petersburg 6 junge Leute (darunter 2 Juden), von Moskau 17 (9 Juden), Kijow 2 Juden, Kasan 4 (1 Jude), Odessa 2 Juden, Warschau 12 (5 Juden) und Dorpat 4 (1 Jude), zu ihrer weiteren Ausbildung auf Kosten der Krone ins Ausland geschickt werden. Zufolge der „Nomosti" hat angesichts der großen Anzahl von Medizinern, die in diesem Jahre den Kursus der medicinischen Akademie in Petersburg beendigen, das Kriegsministerium die Anstellung frei practicirender jüdischer Civilärzte im Militärreffort verboten. X F. Aus Polen, 7. März (Privatmitth.). Der Vorsteher der israelitischen Gemeinde in Turek, Herr Abraham Fuchs, hat für 25jährige treue Amtsführung vom Kaiser die silberne Medaille mit dem Bilde des Kaisers am Alexanderbande erhalten. — Nach der jüngsten Volkszählung ist Warschau von 387 395 Personen bewohnt, von welchen 223 127 Katholiken, 127 917 Israeliten, 16 362 Evangelische Augsburger Confession, 1281 reformirter Confession, 13 640 Griechisch- Katholische und 637 anderer Bekenntnisse sind. Die Katholiken bilden also 58,26 Procent, die Juden 33,40 Procent. In Kali sch fand vor Kurzem ein kleiner Tumult gegen die Juden statt, der jedoch von den Behörden sofort unterdrückt wurde. Die Anstifter wurden vom Gouverneur mit strengen Strafen bis zu 3 Monaten belegt. — Seit einigen Tagen herrscht in Sodapora große Aufregung. Man fand die Leiche des „Wunderrabbi" Fried» mann, der vor Kurzem gestorben ist, auf dem israelitischen Friedhofe ausgegraben und ohne Todtengewand neben dem Grabe liegen, lieber den Thäter gehen nur Gerüchte um. Raub kann kein Motiv sein, da bekanntlich die jüdischen Leichen in einem einfachen Todtenhemde bestattet werden. — Nach der „R. Z." trafen aus St. Petersburg 4500 Medaillen zum Andenken an die Krönung des Kaisers zur Vertheilung an die Polizeibedienten und die polizeilichen Mitglieder verschiedener Confesfionen ein. Im Königreich Polen kommen 1475 dieser Medaillen auf unsere Glaubensgenossen. >l. P. Rumänien. Bottuschan, 6. März (Privatmitth.) Die traurige Lage unserer Glaubensgenoffen hier in Rumänien verschlimmert sich mit jedem Tage mehr und mehr. Jede Session der Legislatur schlägt uns neue Wunden und schneidet den hierländischen Israeliten alle Nahrungszweige ab, wodurch sie dem tiefsten Elend preisgegeben werden. Durch das unlängst erlassene Hausirergesetz wurden abermals Tausende von Familien brodlos, die Verarmung nimmt fürchterlich zu, und kein einziger Hoffnungsstrahl in dieser düstern Lage. Dies Alles zum eigenen Nachtheil des Staates, der ohnehin fast jede Woche von Defraudationen der Kassenbeamten, die auf Hunderttausende Fr. sich belaufen, heimgesucht wird. Dennoch verlieren wir den Muth nicht und nicht das Vertrauen auf Gottes Schutz und Fügung! Sollte denn das 19te Jahrhundert nicht endlich wieder zum Bewußtsein des Rechtes kommen?! Türkei. Konstantinopel, im März. Man schreibt der „Pol. Korr." aus Konstantinopel: Am Samstag. 23. Febr. fand hier zu Gunsten der deutschen israelitischen Schulen ein Ball statt, der unter dem Patronate des österreichisch-ungarischen Botschafters, Baron Calice, veranstaltet wurde und von einem den besten Ständen angehörigen Publikum besucht war; er soll ein Erträgniß von 300 türkischen Pfund ergeben haben. I Bonn, 9. März. (Notizen.) Am 15. Februar wurde! endlich die neue schöne Synagoge in Turin feierlich eingeweiht , wobei der Großrabbiner Ritter Ghiron die Festrede hielt. Bekanntlich hatte die Gemeinde vor vielen Jahren einen so großartigen Bau unternommen, daß sie ihn nicht ausführen konnte. Lange stand er wie eine Ruine da, und ging denr Verfall entgegen, bis die Stadt ihn übernahm

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